Letzte Sitzung des WCCB-Unterausschusses

„Der Vertrauensverlust in die Verwaltung war grandios“

Debatte: Ex-OB Bärbel Dieckmann nach dem WCCB-Aus im September 2009.

Debatte: Ex-OB Bärbel Dieckmann nach dem WCCB-Aus im September 2009.

Bonn. Städtische Mitarbeiter und Politiker ziehen auf der vorerst letzten Sitzung des WCCB-Unterausschusses eine überwiegend kritische Bilanz.

Hinterher ist man immer schlauer. Eine Binsenweisheit – und für die Mitglieder des WCCB-Unterausschusses, der sich 2010 neu konstituierte, um die Fertigstellung der damaligen WCCB-Bauruine engmaschig zu begleiten, keine befriedigende Erkenntnis. Das wurde auf der vermutlich letzten, der 69. Sitzung des Unterausschusses am Dienstagabend deutlich.

Doch bevor die Politiker nach sieben Jahren Arbeit im Ausschuss einen kurzen Rückblick hielten, hatte Thomas Böckeler vom Städtischen Gebäudemanagement (SGB) das Wort. Er schilderte sehr detailliert den Werdegang des WCCB: Vom Ursprung, als im Zusammenhang mit dem Regierungsumzug nach Berlin der sogenannte Bellevuevertrag geschlossen wurde, der den Bau eines Kongresszentrums beinhaltete, über die Zeit, als das Projekt in die finanzielle Schieflage geriet und 2009 wie ein Kartenhaus zusammenbrach, bis hin zur teuer erkauften, aber pünktlichen Eröffnung zur Klimakonferenz der UN im Juni 2015.

„Der Vertrauensverlust in die Verwaltung war grandios“, erinnert Böckeler, als nach und nach die ganze Wahrheit um den Bauskandal ans Tageslicht kam. Böckeler gehörte da zu der von Ex-OB Jürgen Nimptsch (SPD) ebenfalls 2010 installierten Projektgruppe zur Fertigstellung des Konferenzzentrums. Operativer Chef dieser Gruppe war Andreas Oliver Koch.

Inzwischen ist er bei der Stabstelle Konferenzzentrum im Finanzdezernat angesiedelt und dort für das WCCB-Budget zuständig. Als er das aktuelle Zahlenkonvolut präsentierte, lockte er Klaus-Peter Gilles aus der Reserve. Der CDU-Ratsfraktionschef kritisierte, „der Aufwand für eine nachhaltige Instandsetzung des WCCB“ sei darin nicht enthalten. „So lange ich den nicht kenne, sind diese Zahlen für mich Schall und Rauch“, sagte er sichtlich verärgert.

Der CDU-Politiker war 2005 Mitglied des Rates, der damals fast einstimmig für den von der Verwaltung nach langer Suche vorgeschlagenen WCCB-Investor Man-Ki Kim stimmte. „Das war eine massive Fehleinschätzung damals, dass die Stadt selbst das Controlling für das Projekt übernommen hat“, sagt er. Und: „Auch in diesem Ausschuss habe ich mich nicht umfassend informiert gefühlt.“ Auch Joachim Schott (Bürger Bund) tut sich schwer, „einen Schlussstrich zu ziehen. Trotz der vielen Berater habe ich mich oft alleingelassen gefühlt.“ Auch seien noch viele Fragen vor allem zu den Finanzen nicht geklärt.

Achim Schröder (FDP), wie Schott erst seit 2009 Mitglied des Rates, meinte dagegen, der Unterausschuss habe sich bewährt. Er kritisierte, dass der Bau des WCCB nicht von Beginn an enger von der Politik begleitet worden sei. „Da hat man wohl eher nach dem Motto gehandelt: Augen zu und durch“, ist der Liberale heute überzeugt.