Aus für Mammutprojekt im Wingert

Überraschende Wende für Neubau in Poppelsdorf

Unter anderem 180 Wohnungen sollten auf dem Areal Im Wingert entstehen. Diese Planung hat sich erledigt.

Unter anderem 180 Wohnungen sollten auf dem Areal Im Wingert entstehen. Diese Planung hat sich erledigt.

Poppelsdorf. Unter anderem 180 Wohnungen und ein Einkaufsmarkt sollten auf dem Areal Im Wingert entstehen. Nach Protesten wollen Politiker die Pläne nun nicht mehr weiterverfolgen.

Seit Monaten haben die Pläne für den Neubau von 180 Wohnungen und einem Lebensmittelmarkt auf dem Areal Am Wingert die Gemüter in Poppelsdorf erhitzt. Doch diese Planung ist anscheinend obsolet: Keine der im Rat vertretenen Fraktionen hat sich nach langen Diskussion um Für und Wider mit dieser Planung anfreunden können. Auch über alternative Planungen gehen die Meinungen vor allem in der Jamaika-Koalition weit auseinander.

Seitdem das Thema auf dem Tisch ist, reißen die Diskussionen um die Bebauung des Geländes zwischen den Straßen Am Wingert/Trierer Straße unter den Politiken und in der Bürgerschaft nicht ab. Anwohner haben sich zur Bürgerinitiative „LIW“ (Landschaftsschutz im Wingert) zusammengeschlossen haben, weil sie die Bebauung aus ökologischen, klimatischen sowie verkehrspolitischen Gründen ablehnen. Zuletzt hatten auch ehemalige Planungsamtsmitarbeiter mit dem früheren Vizechef des Amtes, des in Poppelsdorf wohnenden Stadtplaners Sadek El Banna an der Spitze, in einem offenen Brief Oberbürgermeister Ashok Sridharan und die Ratsfraktionen aufgefordert, diese Planungen für das Gebiet nicht weiter zu verfolgen.

Wie berichtet, liegt das Areal zum Teil im Landschaftsschutzgebiet des Landschaftsplans Kottenforst. Ein früheres Klimagutachten aus den 1990er Jahren hat El Bana zufolge jegliche Bebauung abgelehnt, weil dieses Areal eine wichtige Kaltluftschneise für Poppelsdorf und die Innenstadt sei. Ein im Zusammenhang mit der jüngsten Wohnbau- und Geschäftsplanung erstelltes Klimagutachten vor zwei Jahren kam dagegen zu dem Ergebnis, dass eine Bebauung dort grundsätzlich möglich sei. Allerdings müssten unter anderem die Flächen im südlichen Teil des Melbtales frei bleiben, zudem empfahlen die Gutachter, zur „Verbesserung des Durchlüftungspotenzials“ Lücken in dem Gebäuderiegel zu schaffen.

Bisher ist Vorlage vertagt worden

Bisher ist die umstrittene Vorlage der Verwaltung für ein Bebauungsplanverfahren in den Sitzungen der Bezirksvertretung Bonn und im Planungs- sowie Umweltausschusses vertagt worden. Jetzt sieht es so aus, dass sie ganz in der Versenkung verschwinden wird und sich in absehbarer Zeit auf dem Gelände erst einmal nichts tun wird.

Der bisherige Vorschlag des Projektentwicklers Schoofs aus Kevelaer sei in der Ratsmehrheit nicht konsensfähig gewesen, erklärte Bert Moll (CDU). „Wir fänden es dennoch gut, wenn man auf dem Gelände etwas machen könnte.“ Seine Fraktion denke an eine Randbebauung entlang der Trierer Straße, um dem Bedarf an Wohnungen in Bonn Rechnung zu tragen. „Wir denken, dass dann immer noch 60 Wohnungen gebaut werden könnten, die wir dringend brauchen“, so Moll. Der Planungsexperte der CDU gibt sich jedoch realistisch: „Ich vermute, auch eine Randbebauung ist mit den Grünen nicht zu machen. Aber wir sollten uns über den einen oder anderen Widerstand hinwegsetzen, sonst bleiben wir weit hinter unserem Anspruch in punkto Wohnungsbau zurück.“

Über Vorschlag noch beraten

Hartwig Lohmeyer, Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, erklärte, seine Fraktion werde über den Vorschlag der CDU noch beraten. „Wir werden sehen, worüber wir am Dienstag in der Bezirksvertretung noch diskutieren werden.“Er deute aber auch an, dass einige seiner Fraktionskollegen eher skeptisch jedweder Bebauung Im Wingert gegenüber stünden. „Die Frage des Landschaftsschutzes stellt sich deutlich für uns“, sagte Lohmeyer.

Weg von der bisherigen Planung ist auch die FDP. „Wir könnten uns aber mit einer Randbebauung anfreunden“, sagte FDP-Ratsfraktionschef Werner Hümmrich. Sein Vorschlag: „Wir könnten dort Wohnungen für Pflegepersonal bauen, wie es sich vor allem die Unikliniken wünschen.“ Das könne die Stadt sogar mit ihrer eigenen Wohnungsbaugesellschaft Vebowag umsetzen.

Wie der Investor zur jüngsten Entwicklung hinsichtlich seines Bauvorhabens steht, war nicht zu erfahren. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.