Sanierung in der Bonner Weststadt

Ärger wegen Nachtarbeiten an der Viktoriabrücke

An der Ostseite der Viktoriabrücke bauen die Arbeiter den wandartigen Pfeiler auf.

An der Ostseite der Viktoriabrücke bauen die Arbeiter den wandartigen Pfeiler auf.

BONN. Die nächtlichen Arbeiten an der Viktoriabrücke stören die Anwohner rund um die Baustelle. Derweil hat die Stadt eine Lösung für den Lichterbaldachin gefunden.

Die nächtlichen Arbeiten an der Viktoriabrücke rauben einigen Anwohnern den letzten Nerv, aber stoßen durchaus auf Verständnis. „In den ganz frühen Morgenstunden werde ich eigentlich immer wach“, sagte Matthias Knieps, der am Ende der Heerstraße wohnt, „aber wie will man es anders machen?“, fragt er. Angekündigt bis Montag, 17. September, müssen er und seine Nachbarn ertragen, dass im Auftrag des Tiefbauamts zwischen den Gleisen der Deutschen Bahn und der Stadtwerke-Bahnen eine Stützmauer errichtet wird, auf der die neue Viktoriabrücke später aufliegen wird. Aus statischen Gründen ist dafür das Einbringen mehrerer Pfähle ins Erdreich notwendig, für die wiederum Löcher gebohrt werden müssen.

„Ich kann schon verstehen, dass diese Arbeiten nicht tagsüber stattfinden, um den Bahnverkehr möglichst wenig zu beeinflussen“, sagt Katharina Ehses. Sie lebt in der Hunsrückstraße, einen Steinwurf von der Baustelle entfernt, und pendelt allmorgendlich mit dem Zug nach Köln. Ehses nimmt nicht nur den Lärm wahr, der seit dem 3. September in der Kernzeit zwischen 21 und 6 Uhr herrscht, „sondern auch eine zunehmende Lautstärke durch die Verschiebung des Verkehrs“. Auch in der Karl-Frowein-Straße auf der gegenüberliegenden Seite vernehmen Anwohner die schweren Arbeiten, „aber es hält sich im erträglichen Rahmen“, sagt Tina Husch, die dort zur Miete wohnt.

Brückenseite zur Ostseite bereits abgetragen

Seit zwei Jahren arbeitet die Stadt mittlerweile an der Viktoriabrücke, einem wichtigen Verbindungsglied zwischen Weststadt und Nordstadt. Eben weil viele Autofahrer, Radler und Fußgänger das Bauwerk über die Bahngleise nutzen, entschied man sich für eine mehr als fünf Jahre dauernde Sanierung im laufenden Verkehrsbetrieb. Die Brückenseite zur Ostseite gen Hauptbahnhof ist bereits abgetragen. Sie wird erneuert, um danach die Westseite auf dieselbe Weise zu errichten. Nächstes Jahr ist in Bezug auf die gesamte Bauzeit sozusagen Halbzeit und damit verlagert sich der fließende Verkehr auf die andere, dann erneuerte Seite. Im Anschluss erfolgen Abriss und Neubau der Westseite. „Hoffentlich wird es dann etwas angenehmer für uns“, so Ehses.

Die aktuellen Arbeiten in den Abend- und Nachtstunden sind mit einer Sperrung der Bahngleise der DB in Fahrtrichtung Köln verbunden. Für den Bau des wandartigen Pfeilers müssen die Arbeiter die Schalung entfernen. Nach den Kernbohrungen und dem Einbringen von Mikropfählen werden die Pfeilersockel bewehrt, verschalt und betoniert. Die Bahn weicht für diese Zeit auf Gleise des früheren Containerbahnhofs aus. Die Züge fahren etwas langsamer in den Hauptbahnhof ein.

Mit Verlauf der komplexen Baustelle zufrieden

Es gibt laut DB und den Stadtwerken, die mit den Linien 16, 18 und 63 über die Haltestelle Bonn West fahren, kaum Beeinträchtigungen. „Die Baustelle ist unauffällig“, erklärten eine Bahnsprecherin aus Düsseldorf und SWB-Sprecherin Veronika John unisono. Am Tag wäre der Einfluss deutlich größer gewesen.

Tiefbauamtsleiter Peter Esch ist mit dem Verlauf der komplexen Baustelle „einigermaßen zufrieden“: „Nach wie vor ist die größte Herausforderung, dass wir um feste Termine wie die mit der DB vereinbarten Sperrpausen herumplanen und bauen müssen, statt wie üblicherweise einen Bauabschnitt nach dem nächsten aufeinander folgen lassen zu können, was wesentlich einfacher wäre.“

Der Zwang, die Sperrpausen einhalten zu müssen, führt auch dazu, dass die Stadt Zeitpuffer eingeplant hat und es zu Leerläufen kommen kann. Der Neubau im Bestand hat seine Tücken. Den Bauarbeitern bereitetet teils verfüllter Baugrund mit unvorhergesehen Eigenschaften Schwierigkeiten. Der Verlauf von Leitungen sei auf alten Plänen oft nicht richtig dargestellt.