"La Fille mal gardée"

Rund 300 Tänzer der Ballett-Akademie zeigen im Maritim den Klassiker

BONN.  Auf den ersten Blick ist es "nur" eine bezaubernde Geschichte. Lise, ein anmutiges und unschuldiges Mädchen vom Lande verliebt sich in den jungen Schäfer Colas und kann der Frau Mama, die weitaus ehrgeizigere Pläne für ihre Tochter hat, immer wieder entwischen, um einen Kuss zu tauschen, ein Versprechen zu geben.
Das Landleben kann manchmal stürmisch sein: Szene aus dem Ballett 'La fille mal gardée'.
							Foto: Thilo Beu
Das Landleben kann manchmal stürmisch sein: Szene aus dem Ballett 'La fille mal gardée'. Foto: Thilo Beu

Daher auch der Titel "La Fille mal gardée" (Die schlecht behütete Tochter). Die Premierengäste, die der Uraufführung des gleichnamigen Balletts am 1. Juli 1789 im Grand Théâtre von Bordeaux beiwohnten, mochten dabei an alles denken - nur nicht, dass sie sich in scheinbarer Ruhe am Vorabend des gewaltigsten Umsturzes der französischen und europäischen Geschichte befanden. Und dass für Schäferromantik getreu Rousseaus Motto "Zurück zur Natur" fortan keine Zeit mehr bleiben würde.

Dennoch: "La Fille mal gardée" hat all das überdauert und gilt heute als eines der ältesten klassischen Ballette. Eines der wenigen, die heute noch im Repertoire der großen Ballettkompanien sind. Was es nicht zuletzt auch der Choreographie von Frederick Ashton verdankt, die seit der Premiere 1960 in London Maßstäbe setzt.

Auch für die Tänzerin und Choreographin Joyce Desiderio-von Bühler, die das Werk für die Aufführung der Ballett-Akademie im Maritim Hotel choreographisch bearbeitet und ergänzt hat.

Mehr als 300 Kinder und Jugendliche haben - im Zuge eines generationenübergreifenden "Education-Programms", um Kinder und Jugendliche für Tanz, Theater und klassische Musik zu begeistern - daran mitgewirkt; als Bienen, Küken, Hasen und Schafe, als Landleute und Milchmädchen, Vogelscheuchen, Katzen und Ratten; alle namentlich im Programmheft aufgeführt und alle mit Szenenapplaus bedacht.

Den ihnen die Solisten galant überlassen. Was Lise (Alina Gerke/Verena Hahn) und ihr Colas (Claudia Jung), die frisch-frechen Hausangestellten Mathilde und Bernadette, Lises Freundinnen, Witwe Simone, Gutsbesitzer Thomas und der unbedarfte Alain zeigen, wirkt in all seiner spielerischen Leichtigkeit schon recht professionell. Dass die Musik von Ferdinand Hérold unter der Tonanlage mitunter etwas zu leiden hat, ist zwar einerseits schade, lässt aber auch Passgenauigkeit der Schrittfolgen hören, von denen ein Ballettpublikum in der Regel nichts mitbekommt.

Ob Lise und Colas ein Happy End erleben? Das ist ein Märchen vom Lande. Was zwar ganz ohne Prinzen und Prinzessin auskommt, aber ein paar Regeln gibt es doch, die gelten schließlich immer und überall.

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