Contra-Kreis Bonn

Romantische Nachhilfestunden - René Heinersdorff inszeniert sein Stück "Sei lieb zu meiner Frau"

BONN.  Was mit einem perfekten Theatercoup rasant beginnt, bleibt zwei vergnügliche Stunden lang immer auf dem spielerischen Tempo und dem pfiffigen Intelligenzniveau, das gelungene Boulevardstücke auszeichnet.
Zigarettenpause: Madeleine Niesche und René Heinersdorff.
							Foto: CKT
Zigarettenpause: Madeleine Niesche und René Heinersdorff. Foto: CKT

Ganz schön unverschämt: Da stürmt einer auf dem Cityroller unter Umgehung der strengen Vorzimmerdame ins Büro des mächtigen Verlagschefs. Der Eindringling kennt sich im Privatleben des Herrn erstaunlich gut aus, was einen Erpressungsversuch nahelegt.

Die überraschende Forderung lautet freilich: "Sei lieb zu meiner Frau." So heißt auch die Komödie von René Heinersdorff, die in der Regie und im Bühnenbild des Autors jetzt im Contra-Kreis-Theater ihre zu Recht umjubelte Bonner Premiere feierte.

Denn was mit einem perfekten Theatercoup rasant beginnt, bleibt zwei vergnügliche Stunden lang immer auf dem spielerischen Tempo und dem pfiffigen Intelligenzniveau, das gelungene Boulevardstücke auszeichnet.

Deren bekannte Mechanismen bringt das brillante Ensemble auf solche Hochtouren, dass alle gattungsüblichen Zufälle mit schönster Selbstverständlichkeit passieren und das flotte Pointen-Ping-Pong im gemischten Doppel ganz ohne Doping unter der Gürtellinie auskommt. Zugegeben: Ziemlich testosterongesteuert scheint der kultivierte, attraktive Best-Ager Karl schon zu sein.

Der exzellente Bühnenschauspieler Hugo Egon Balder gibt seiner Figur genau die selbstironische lässige Eleganz des geschäftlich Erfolgreichen mit den kleinen Defiziten im Gefühlshaushalt, die nur noch durch hochkarätige klassische Konzerte oder charmante erotische Nebentöne auszugleichen sind.

Die entzückende Sabrina passt gut in sein "kleines virtuelles Zuhause" und freut sich über jede zärtliche Mail-Korrespondenz, während im realen Leben Gattin Mona und Töchterchen Zeit und Geld beanspruchen. Dass Sabrinas Gatte und stolzer Vater eines kleinen Sohnes mehr echte emotionale Investitionen in die außereheliche Beziehung verlangt, ist begreiflich.

Zumal nicht nur die Werbegeschenke von Karls Unternehmen, sondern auch romantische Nachhilfestunden den ehelichen Alltag entschieden bereichern.

Oscar, von Beruf Comiczeichner und jahrelang geschult in der Beobachtung betretener menschlicher Gesichter, will - durchaus eigennützig - also nur das Beste für seine Angetraute. René Heinersdorff spielt in Bonn die Rolle des vermeintlichen Naiven selbst, was absolut zur Habenseite der Aufführung gehört.

Dieser Netzspion mit listigen Anflügen von Nerd-Schusseligkeit mimt nämlich auch den jungen "Mann ohne Vergangenheit", auf den Karls ehegeprüfte Gattin ein leidlich verblendetes Auge geworfen hat.

Wie Yvonne Burbach als liebenswürdige Sabrina und Madeleine Niesche als Ammersee-frustrierte Mona die teuren Ausflüge nach Marrakesch mit Hilfe der Bonner Reisebüro-Kauffrau Doris kurzerhand nach Istanbul umbuchen, beweist weibliche Spitzenkunst beim Hotelbettentanz.

Die gescheiten Frauen scheren sich wenig um Quoten, weil sie gegen Unsinn schlicht immun sind. Endstand des Spiels: Ein klares Unentschieden beim Geschlechterkampf und ein Supergewinn für das Bonner Publikum.

Bis zum 13. Januar 2013. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de

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