Milde Töne in der Sport-Kultur-Debatte

"Die berühmte dritte Halbzeit"

Bonn.  "Der Brief ist sachlich, vollkommen in Ordnung, ein positives Zeichen", so reagierte Kay Milner, Geschäftsführer der Initiative Pro-Sport-Bonn (PSB), auf den im General-Anzeiger veröffentlichten Offenen Brief des Vorsitzenden der Opernfreunde, Ferdinand Kösters. Der hatte die "unselige Diskussion über die Förderung von Sport und Kultur" kritisiert, die "offenbar aus dem Ruder gelaufen" sei. Kösters setzte sich in dem Brief für ein Umdenken ein. Die Vernunft solle zum Zuge kommen.

Signale, die man bei der PSB, die gestern eine Mitgliederversammlung hatte, aufmerksam wahrnimmt. Heute wolle die PSB mit einer Pressemitteilung reagieren, kündigte Milner an. Dann wird wohl auch Kösters eine Antwort auf seinen Brief bekommen, der mit "Liebe Sportfreunde von PSB" begann und mit einer Beschwörung der "berühmten dritten Halbzeit" endete. Da sitzt man nach zwei umkämpften Halbzeiten, wo man sich "bis auf die Knochen" beharkte, beim Bier, analysiert das Spiel. Und alles ist gut. Kösters kennt sich da aus. Der Opernfreund war aktiver Fußballer. Im Tor.

Für Milner ändern die versöhnlichen Zeichen aus dem Kulturlager nichts an den Tatsachen. "Wir waren immer sachlich, nennen nur die Fakten", sagt er, "das Ungleichgewicht zwischen Kultur und Sport besteht weiter". Trotz aller Differenzen begrüßt Milner, dass die Schärfe jetzt aus der Diskussion genommen werden solle. Die PSB bleibe bei ihrer Position: "Die Kultur hat Jahre lang gut gelebt", sagt Milner mit Blick auf die Bundesmittel, die früher in die Kultur flossen, "und jetzt müsste sie etwas abgeben". Wie ein Interessensausgleich bewerkstelligt werden soll, darüber sagt Milner nichts. "Wir haben kein Problem, Gespräche zu führen", meint er, letztendlich habe sich aber nichts getan. Immerhin: "Die Politik ist uns etwas entgegen gekommen, wir haben jetzt wieder den Stand von vor drei Jahren."

Auch Kösters sieht beim Verteilungskampf zwischen Sport und Kultur Politik und Verwaltung in der Pflicht. "Jeder sollte für sich seine Sachen fordern und nicht auf den anderen zeigen", sagte er dem GA. "Ich möchte Frieden haben." Von einer andauernden "Kannibalisierung" hält er ebenso wenig wie vom "Blödsinn, auf totalitäre Systeme zu verweisen". Gunter Duvenbeck, hatte sich im "Köln-Bonner Musikkalender" zu derlei Vergleichen hinreißen lassen. Opernfreund Kösters kritisierte "die unglückseligen Aussagen unseres Herrn Duvenbeck". Der scheint allerdings nicht einsichtig zu sein. In einem Brief an die PSB rechtfertigte er seine "ganz bewusst" gewählten scharfen Formulierungen.

Das wiederum hat jetzt den Landessportbund NRW mit Sitz in Duisburg zu einer Reaktion gereizt. "Wir benötigen eine engagierte Diskussion darüber, wie sich das Zusammenleben in unseren Kommunen künftig gestalten soll", schreiben der Präsident Walter Schneeloch und der Vorstandsvorsitzende Christoph Niessen und bieten eine Vermittlung zwischen Sport und Kultur an (Brief im Wortlaut unter www.ga-bonn.de).

Die Vorlage aus Duisburg dürfte Kösters gefallen. Der setzt nach wie vor auf ein "klärendes Gespräch" mit der Sportinitiative, die "berühmte dritte Halbzeit". Inhaltlich sieht er bei der Kultur allerdings keine Spielräume, da sei schon zu viel gespart worden.

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