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Mit Herz und Wucht
Bonner Orchester feierte unter Stefan Bluniers Leitung die traditionelle "Beethovennacht"
Von Bernhard Hartmann
BONN. Es ist zwar nicht überliefert, an welchem Tag genau Ludwig van Beethoven in Bonn das Licht der Welt erblickte. Aber es kann nicht sehr viel früher als der Tauftag am 17. Dezember 1700 gewesen sein. In der sehr gut besuchten Beethovenhalle feierte das Beethoven Orchester seinen Namenspatron nun am Vorabend der 242. Wiederkehr dieses besonderen Tages mit der mittlerweile schon Tradition gewordenen langen "Beethovennacht".
Blumen für Henning Kraggerud (links) und Stefan Blunier. Foto: Martina Reinbold
In Bonns Generalmusikdirektor Stefan Blunier fand diese Feier einen idealen Zeremonienmeister. Unter seiner Leitung spielt das Orchester mittlerweile einen so mitreißenden und überzeugenden Beethoven wie lange nicht mehr. Die wenigen Minuten der "Fidelio"-Ouvertüre waren schon eine ziemlich aussagekräftige Visitenkarte. Man stürzte sozusagen mit der Tür ins Haus, spielte pointiert und rhythmisch überaus prägnant. Man hätte nicht wenig Lust gehabt, danach noch die komplette Oper zu hören, die ja in Bonn seit Jahren nicht mehr auf dem Spielplan steht.
Statt dessen gab es nach der Ouvertüre etwas sperrigere Kost, wegen der sich Blunier ausnahmsweise mit ein paar erklärenden Worten ans Publikum wandte. Gegenstand seines kurzen Vortrags war die ursprünglich für Streichquartett komponierte Große Fuge op. 133, die in einer Streichorchester-Bearbeitungg von Felix Weingartner auf dem Programm stand. Blunier hob die Radikalität der Komposition hervor: "Man könnte genauso gut etwas von Anton Webern spielen", sagte er. Das Orchester spielte diese intellektuelle und emotionale Kraftübung mit Wucht und Herz.
Insgesamt richtete sich die Programmdramaturgie des Abends ein bisschen nach den großen Akademien der Beethoven-Zeit, die munter Orchester- und Kammermusik mischten. Hier nun folgte nach der ersten Pause ein Lieder-Komplex mit dem großartigen Bariton und Lied-Interpreten Matthias Goerne, den Tamara Stefanovich am Klavier begleitete. Gesungen wurden das hymnische "Adelaitde" sowie "Wonne der Wehmut", "An die Hoffnung" und der Liederzyklus "An die ferne Geliebte".
Zuvor hatte der Schauspieler Bernt Hahn noch mit der Rezitation des Briefes "An die Unsterbliche Geliebte" in den Themenkreis eingeführt. Goerne nahm die Beethoven-Lieder sehr zart, sehr lyrisch und war sich darin mit der Pianistin einig, die in den Überleitungen des Zyklus die Stimmungswechsel subtil moderierte.
Nach einer weiteren Pause stand noch Beethovens Violinkonzert auf dem Programm. Der jazzliebende Norweger Hendrik Kraggerud nahm das hohe Tempo, das Blunier und das Beethoven-Orchester anschlugen, souverän auf und begeisterte mit seinem virtuosen Spiel, dessen erstes Gebot leidenschaftlicher Ausdruck war und nicht makellose Schönheit.
Die inspirierten Kadenzen stammten übrigens vom Geiger selbst, was im Fall des Beethoven-Konzertes eine absolute Rarität darstellt. Nach einem draufgängerischen Schluss-Rondo gab es viele Bravo-Rufe und eine hübsche Zugabe.
Artikel vom 18.12.2012
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