Renaturierung in Lengsdorf

Ein Bachbett, das stets trocken ist

LENGSDORF.  Wenn man in der Grächt in Lengsdorf eines vergebens sucht, dann ist es Wasser. Dabei verläuft dort, zwischen den Häusern "In den Weingärten" und der Lärmschutzwand der A 565, ein künstlich angelegter Bachlauf, der ganz offensichtlich mit viel Aufwand entstanden ist.
Mit viel Aufwand wurde der Bachlauf zwischen der Lärmschutzwand der A 565 und der im Jahr 2009 errichteten Wohnsiedlung 'In den Weingärten' in der Grächt künstlich angelegt.
							Foto: Rolf Kleinfeld
Mit viel Aufwand wurde der Bachlauf zwischen der Lärmschutzwand der A 565 und der im Jahr 2009 errichteten Wohnsiedlung 'In den Weingärten' in der Grächt künstlich angelegt. Foto: Rolf Kleinfeld

Naturnah sieht das aus, mit vielen künstlichen Biegungen, bloß: Wasser fließt hier keines. "Ich wohne seit zwei Jahren hier, aber da war noch nie Wasser drin", sagte ein Anwohner dem GA. Eine Nachbarin kann sich dunkel erinnern, dass mal von einem Bach die Rede war, der fließen sollte: "Aber da warten wir bis heute drauf."

Das Neubaugebiet ist seit zwei Jahren fertig, ebenso der Bachlauf, doch vom Hohnderfeldbach - so die Bezeichnung - ist nichts zu sehen. Das Rauschen, das die Anwohner hier ständig im Ohr haben, kommt jedenfalls nicht vom Bach, sondern ist das Hintergrundgeräusch der Autobahn - woran auch eine Erhöhung des Lärmschutzwalls von vier auf zwölf Meter nicht viel änderte.

Gebaut und bezahlt wurde der Bachlauf von der Deutschen Reihenhaus AG im Auftrag der Stadt Bonn - was nach Auskunft von deren Pressesprecher Achim Behn 28 250 Euro gekostet hat. Warum der Bach kein Wasser führt, weiß er nicht. Von der zuständigen Stadt Bonn war bisher keine Auskunft dazu zu erhalten. Die Lengsdorfer Bachfreunde meinen zumindest zu wissen, dass der alte Hohnderfeldbach noch wie früher in einem Kanalrohr verlaufe, so Vorsitzender Norbert Düx. "Warum er bis heute nicht ins neue Bett umgeleitet ist, weiß ich aber auch nicht", sagte er gestern dem GA.

Doch der neue Bachlauf wurde sogar noch weiter verlängert, unter der Autobahnzufahrt hindurch bis hinein ins Wäldchen an der Provinzialstraße, das die Lengsdorfer "Insel" nennen. Dort wurde der Bachlauf ebenfalls offen gelegt, wovon aber niemand etwas hat, weil es hier keine Spazierwege gibt. "Wir haben damals auch nicht verstanden, warum der Bach hier offen verlaufen soll und nicht direkt ins Rohr geht", sagte Anwohner Wolfgang Schick. "Aber das wollten die Naturschützer so."

Immerhin ist dort schon mal etwas Wasser angekommen, was nach seiner Ansicht daher kommt, dass hier das Überlauf-/Regenwasser des neuen Wohngebietes in der Grächt ankommt. Seitdem", so erinnert sich Schick, "ist zweimal für jeweils eine halbe Stunde Wasser zehn Zentimeter hoch hier entlang geflossen." Doch dieser Teil der Bachgestaltung war besonders teuer. Laut Rheinhaus-Sprecher Behn kostete die Maßnahme für die "Insel" 152 500 Euro. Gezahlt habe den Betrag die Stadt Bonn.

Bachentwicklungsplan:
Früher ging es bei Bächen nur darum, dass das Wasser möglichst schnell und schadlos abfließt. Seit Anfang der 1980er Jahre wird aber auch deren ökologische Funktion stärker beachtet. Im Bonner Bachentwicklungsplan von 1988, der die Bäche als wertvolle Ökosysteme erhalten und ihren Wert verbessern will, sind alle Bachläufe aufgelistet.

Allen Bächen in Bonn ist gemein, dass an ihnen in irgendeiner Form bauliche Maßnahmen vorgenommen wurden, indem man sie begradigte oder Ufersicherungen errichtet hat. In Extremfällen sind Bäche in Rohre oder Betonrinnen gelegt worden und damit aus dem öffentlichen Bild verschwunden. Der Hohnderfeldbach entspringt oberhalb der alten BGS-Halle, nahe der Julius-Leber-Straße, ist 1,2 Kilometer lang und verläuft zu mehr als 50 Prozent in Rohren, bevor er unterirdisch in den Lengsdorfer Bach fließt. Im Zuge der Bebauung in der Grächt wurde dort ein neuer Bachlauf für ihn angelegt.

Abo-Bestellung
News, Informationen und Service aus dem Stadtbezirk Hardtberg

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+

Meistgelesen