Kleine Ehrenamtsmeile auf dem Brüser Berg

Die meisten Helfer sind Senioren

BRÜSER BERG.  "Einmal kam eine alte Frau zu mir und bat mich, den PC ihres verstorbenen Mannes zu knacken. Er hatte das Passwort nämlich mit ins Grab genommen." Solche und ähnlich kuriose Geschichten hat Bernd Wulff als ehrenamtlicher Leiter des "Internet(t)-C@fes" auf dem Brüser Berg schon oft gehört. Er lädt seit zehn Jahren "Damen und Herren jeden Alters" zu Kaffee und Computernutzung in die Emmaus-Kirche ein.
Kleine Ehrenamtsmeile: Die Besucher informieren sich im Nachbarschaftszentrum über das breitgefächerte Engagement auf dem Brüser Berg.
								Foto: Roland Kohls
Kleine Ehrenamtsmeile: Die Besucher informieren sich im Nachbarschaftszentrum über das breitgefächerte Engagement auf dem Brüser Berg. Foto: Roland Kohls

"Zum Kaffee trinken kommen alle, die Computer nutzen nur manche", sagt Wulff, "es gibt aber auch kein festes Programm. Wichtiger ist das Beisammensein." Wulff ist nur einer von über 100 Menschen am Brüser Berg, die sich ehrenamtlich engagieren. Gestern stellten sich anlässlich des Internationalen Tags des Ehrenamts im Nachbarschaftszentrum an der Fahrenheitstraße unterschiedliche Einrichtungen aus dem Stadtteil vor, die alle ehrenamtlich arbeiten.

Für Monika Tessmer ist es besonders wichtig, in ihrem Eine-Welt-Café eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. "Ich wohne seit 30 Jahren auf dem Brüser Berg", sagt sie, "und es gibt immer weniger junge Leute hier. Dafür gibt es immer mehr Senioren. Für die ist mein Café in St. Edith Stein ein beliebter Treffpunkt." Tessmer ist selbst pensioniert und organisiert den Treff ebenfalls ehrenamtlich. "Neue Mitarbeiter sind mir herzlich willkommen, dann könnten wir wieder öfter aufmachen", hofft sie. "Wir hatten bis vor Kurzem noch jede Woche geöffnet, aber das wurde meinem Team zu viel. Morgens Kuchen backen, dann Kaffee kochen und den Laden herrichten, abends aufräumen - da ist der Tag schon gelaufen. Und wenn man pensioniert ist, will man ja nicht mehr so viel arbeiten", sagt Tessmer.

"Manches klappt nicht mehr so gut, wenn man älter ist, zum Beispiel Kisten schleppen", sagt Melitta Nonn. Sie veranstaltet jährlich einen Kunstmarkt für Stadtteilkunst auf dem Brüser Berg. "Dafür suche ich junge, kräftige Helfer", erklärt sie. Auch die Nachbarschaftshilfe Brüser Berg sucht kräftige Helfer. "Die meisten der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die bei uns registriert sind, sind Senioren", meint auch Petra Grünwald-Schiffer. Sie ist Koordinatorin der Ehrenamtlichen im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg. "Das ist aber auch kein Wunder, denn für die Arbeit als Ehrenamtlicher braucht man Zeit, und davon haben Senioren sehr viel." Das Nachbarschaftszentrum befindet sich im Ortszentrum Brüser Berg. "Es gibt bei uns auch nicht nur alte Leute, sondern auch einen Babytreff, den eine junge Mutter anbietet", sagt Grünwald-Schiffer.

Wenn Ehrenamtler selbst in eine hilfsbedürftige Lage geraten, ist Bea Boslak zur Stelle. Sie ist Seniorenberaterin im Nachbarschafszentrum. "Vor kurzem hatte ich ein schönes Erlebnis", erzählt sie, "ich habe ein Seniorencafé in Medinghoven veranstaltet. Eine alte Dame hat den Weg dahin nicht gefunden. Da hat sie eine junge Frau angesprochen, und die hat sie bis zum Café begleitet. Ich habe die Gelegenheit ergriffen und die junge Frau gefragt, ob sie nicht Lust hat, das Seniorencafé mit zu organisieren. Sie hat zugesagt!"

Auf der "Kleinen Ehrenamtsmeile" stellten sich in gemütlicher Atmosphäre auch der Förderverein Brüser Dorf, die Pfadfinder, das Jugendzentrum und die Offene Ganztagsschule Brüser Berg, die Nachbarschaftshilfe, das Ökumenische Familienzentrum, das Diakonische Werk und einzelne ehrenamtliche Mitarbeiter vor.

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