Große Schäden nach Brandstiftung

Wirt startet Neuanfang nach Brand in der Rochuspassage

Die halbe Theke ist verkohlt, aber zu retten. Trotzdem ist der finanzielle Schaden für Werner Roos beträchtlich.

Die halbe Theke ist verkohlt, aber zu retten. Trotzdem ist der finanzielle Schaden für Werner Roos beträchtlich.

Bonn. Das Bistro "Seventy Seven" in der Rochuspassage war bei einem Brand im Juni zu großen Teilen beschädigt worden. Der Inhaber war nicht versichert, Gäste und Freunde kündigen nun Hilfe an.

Die Nacht vom 24. auf den 25. Juni wird Werner Roos so schnell nicht vergessen. In diesen Stunden hat ein Brandanschlag sein Leben umgekrempelt - denn da waren Unbekannte in sein Bistro "Seventy Seven" in der Rochuspassage eingebrochen und hatten es angesteckt. "Ich hatte es um 0.30 Uhr verlassen", sagt der Inhaber. Ein paar Stunden später wurde er von der Polizei geweckt und über das Feuer informiert. "Die Löscharbeiten waren aber schon beendet."

Es sei im Endeffekt gut gewesen, dass so viel Wasser durchs Lokal gelaufen sei, so habe sich das Feuer nicht auf die Nachbarschaft ausbreiten können. "Es war definitiv Brandstiftung", ist der 57-Jährige überzeugt.

Diese Einschätzung bestätigt die Bonner Polizei. "Wir gehen von Brandstiftung aus, weil unsere Experten Hinweise auf Brandbeschleuniger gefunden haben", sagte eine Sprecherin der Polizeibehörde und rief Zeugen dazu auf, sich beim Kommissariat 34 unter 02 28/1 50 zu melden.

Schaden von rund 20.000 bis 30.000 Euro

Laut Roos muss es in jener Nacht so abgelaufen sein: Die Täter hätten erst mit einem Stein die Scheibe ein- und dann einen Spielautomaten schrottreif geschlagen. Ihr Pech dabei war nur: Das Gerät habe an dem Tag zuvor das ganze Geld an einen glücklichen Gewinner ausgeschüttet. Auch an den Zigarettenautomaten kamen die Diebe laut Roos auch nicht ran - weder an die Ware noch ans Geld. "Wenn die 20 Euro mitgenommen haben, war das viel", glaubt er.

Vermutlich aus Frust hätten die Einbrecher an mehreren Stellen im Bistro Feuer gelegt und als Brandbeschleuniger Feuerzeugbenzin und Spray benutzt. Die halbe, vor 14 Jahren selbst gebaute  Theke habe in Flammen gestanden. Man könne und wolle sie aber wieder reparieren.

 

Roos schätzt seinen Schaden auf 20 000 bis 30 000 Euro, für die er aber keine Versicherung habe. Die Schäden am Gebäude des Vermieters - bis zu 70 000 Euro - seien aber abgesichert. Seit Montag sind Arbeiter nun mit der Sanierung beschäftigt, was ungefähr einen Monat dauern wird. "Ein Teil des Mobiliars ist Gott sei Dank unversehrt geblieben", sagt Roos. Die Elektrogeräte und Musikanlage seien aber unbrauchbar geworden.

Bistro gibt es seit 19 Jahren

Das Bistro gibt es seit mittlerweile 19 Jahren. Die ersten fünf befand es sich an der Julius-Leber-Straße. "Die meisten Kunden kommen aus dem Dartsport", sagt Roos, der seit 35 Jahren in Duisdorf lebt. 16 Mannschaften aus drei Ligen würden bei ihm spielen. Es gebe kaum eine andere Gaststätte in NRW, die so viele Teams beheimate, ist der Wirt überzeugt.

Roos ist sich auch sicher, dass in der Tatnacht keine Profieinbrecher am Werk waren. Da habe jemand die schnelle Mark machen wollen. Er vermutet, dass die Einbrecher aus dem Stadtbezirk kommen. Mit einem Handstreich habe man seine Existenz gefährdet, was Roos ihnen mit einem Aushang am Lokal vor Augen führte.

Ab spätestens September muss es für ihn weitergehen, weil dann die Dartligen wieder beginnen und Roos die Teams nicht woanders hin ziehen lassen will. Viele Kunden wollen ihm helfen, selbst einige, die er schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen hat. "Ich bin überrascht über dieses Engagement. Ich frage mich manchmal, womit ich das verdient habe", sagt der 57-Jährige und freut sich über die große Solidarität der Dartszene.