Trüffelsuche in Hardtberg

Willi soll seine Nase verfeinern

HARDTBERG. Hunde begeben sich auf Trüffelsuche. Die Pilze sind auch in unseren Breiten zu finden, man darf sie aber nicht sammeln.

Lola wollte nicht aufgeben. Unter der Erde war noch etwas, also buddelte die Lagotto-Dame weiter im Waldboden herum. Und sie fand tatsächlich noch ein Riechholz, das einer der Teilnehmer am Trüffelsuch-Workshop vergraben hatte. Sie hat es wohl in den Genen: Laut Frauchen Barbara Sümpfer stammt sie von italienischen Trüffelhunden ab.

Lola war einer der zehn Hunde, deren Besitzer sich am Wochenende mit Sabine Hörnicke und ihrer Hundedame Jule am Rand des Kottenforsts trafen. Im Vereinshaus des Tennisvereins Blau-Weiß Duisdorf erzählte ihnen die Rodenkirchener Trüffelexpertin vieles über den Pilz, seinen Aufbau, Lebensräume und dergleichen mehr. Wer denke, dass Trüffel nur in Frankreich und Italien wachsen, der irre sich, so Hörnicke. Auch in Deutschland könne man den Pilz überall finden. Ihr ungewöhnlichster Fundort: Mitten in Köln grub Jule weiße Trüffeln aus.

Hunde eignen sich für die Suche besser als Schweine, denn während die ihre Funde gerne selbst verspeisen, kann man Hunde abrichten, die Pilze freiwillig abzugeben. Dafür müsse man sie aber jeden Tag trainieren, so Hörnicke, und zwar mindestens ein halbes Jahr lang. Dafür biete es sich auch an, das Lieblingsspielzeug des Hundes mit Trüffelöl zu versehen. Beim Gassigehen solle man immer wieder Suchspiele spielen. "Das Ziel ist die Gewöhnung an den Geruch bis zum Reflex."

Den Hunden kann man die Suche nur mit praktischen Übungen im Wald beibringen. Wichtig dabei: "Man sollte immer darauf achten, dass die Hunde nicht überfordert werden", so Hörnicke. Es ging darum, die Tiere für den Geruch zu sensibilisieren. Zur Übung versteckten ihre Besitzer Trüffelproben und Riechhölzer im Waldboden, die die Vierbeiner finden sollten. Das klappte auch meistens recht gut. Als Abschlussprüfung sollten die Hunde Trüffel finden, die die Hörnickes vergraben hatten. Hündin Jule war dabei ganz besonders eifrig: Während Frauchen Pilze versteckte, buddelte sie einen wild wachsenden Trüffel aus.

Hörnicke bildet Hunde aus, um nachzuweisen, "dass Trüffel keine bedrohte Art in Deutschland ist". Jäger Erich Berger war überrascht: "Ich habe nicht gewusst, dass die überall wachsen." Mit seinem Parson-Russell-Terrier Willi war er beim Workshop, um die Nase seines Jagdhundes zu verfeinern. Auch Catahoula-Weibchen Paula sei ein Jagdhund, sagte Frauchen Hanne Hörsch. "Ich will aber nicht, dass sie jagt." Sie wolle Abwechslung in die Waldspaziergänge mit Hund bringen.

Für Barbara Sümpfer ist es wichtig, dass Lolas Nase gut funktioniert: Die ist ein Diabetiker-Warnhund und darauf trainiert, zu riechen, wenn Frauchen unterzuckert ist. "Die Trüffelsuche ist Nasentraining und Nasenausgleich", so Sümpfer. Wie Lola ist auch der Australian Shepard Ilton Nachkomme eines Trüffelhundes. Das habe er aber nur zufällig erfahren, sagte Halter Steffen Hirschelmann. "Es macht Spaß, mit dem Hund in der Natur zu sein und ihn gleichzeitig zu beschäftigen." Zu Trüffeln habe er nur einen Bezug, sagt er: Er esse sie gerne.

Trüffel

In Deutschland werden alle unterirdisch wachsenden Pilze (Hypogäen) als Trüffeln bezeichnet. Sie Wachsen an Wurzeln von Bäumen und anderen Gewächsen. Weltweit gibt es etwa 2800 Arten, hierzulande etwa 300. Rund 280 davon darf man in Deutschland suchen und entnehmen. Die restlichen etwa 20 Arten gehören der Gattung "Tuber" an. Sie stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gesammelt werden. Kulinarisch sind die Trüffeln der Gattung Tuber die interessantesten.