Neue Hotelbesitzer

"Wildes Schwein" in Duisdorf wird zum "Platzhirsch"

Den neuen Pächtern Michael Schlößer und Iris Kaspers (rechts) greift Sonja Schorn im Hotel nach wie vor unter die Arme.

Den neuen Pächtern Michael Schlößer und Iris Kaspers (rechts) greift Sonja Schorn im Hotel nach wie vor unter die Arme.

Duisdorf. Die Familie Schorn hat das Hotel "Zum wilden Schwein" an Michael Schlößer und Iris Kaspers verpachtet, die das Haus nächstes Jahr umtaufen wollen. Schlößer betreibt seit 2013 auch das Basecamp in Dottendorf.

Das traditionsreiche Hotel „Zum Wilden Schwein“ in der Duisdorfer Fußgängerzone steht unter neuer Leitung. Lutz und Sonja Schorn haben das Hotel mit den 24 Zimmern langfristig verpachtet, seit Januar führen deshalb Michael Schlößer (49) und seine Schwester Iris Kaspers (57) dort Regie.

„Das ist ein gut geführtes Haus mit vielen Stammgästen, und die Ministerien sind fußläufig zu erreichen“, sagt Schlößer, der mit den Schorns auch privat verbunden ist. Er will trotzdem den Betrieb nicht nahtlos weiterführen. Im Winter werden die Zimmer modernisiert, weshalb das Haus wahrscheinlich im Dezember einen Monat lang schließen wird. Ab 1. Januar 2020 soll das Hotel dann auch einen neuen Namen bekommen: Platzhirsch.

Kurzer Name für das Internet-Zeitalter

„Dieser doppeldeutige Begriff passt auch gut zu Lutz Schorn und der Jagd als sein Hobby“, erklärt Schlößer. Das Haus liege an einem Platz. Außerdem sei der alte Name sehr lang im Internet-Zeitalter. Und schließlich verbinde man Wildschweine häufig mit dem Attribut Plage.

Dabei verdankt das Hotel der Wildschweinjagd im nahen Kottenforst seinen Namen. Lutz Schorn (53), der genau wie seine Kinder im Hotel geboren wurde, und seine Frau führten es bereits in fünfter Generation. Sonja Schorn hilft auch unter den neuen Pächtern noch aus.

„Idealer kann eine Betriebsübergabe nicht laufen“, findet deshalb Michael Schlößer. Er und seine Schwester sind in der Gastro-Szene aufgewachsen. Ihre Eltern Hans-Josef und Mechthild Schlößer haben in Lengsdorf früher das Hotel Kreuzberg und das Sterne-Restaurant Le Marron betrieben, das auch viele Prominente aus der Bundespolitik zu den Gästen zählte. „Wir sind deshalb als Kinder der Gastronomie aufgewachsen“, sagt Iris Kaspers. Sie ist allerdings gelernte Arzthelferin.

Ihr Bruder Michael Schlößer hat mehrere Betriebe in Bonn. Er betreibt seit 2013 das Basecamp in Dottendorf und daneben noch das Bonnox als Boardinghouse, allerdings auch noch das Hotel Rheinland an der Kennedybrücke. Aber nicht nur als Pächter und Chef. „Ich mache auch noch selbst Dienste an der Rezeption“, berichtet er. Dass er nun vier ganz unterschiedliche Hotels mit jeweils anderer Ausrichtung führt, war so nie geplant gewesen. „Aber das passt ins Portfolio.“ Trotzdem: „Jetzt reicht es dann auch, mehr soll nicht dazukommen.“

Soldaten und Beamte als Zielgruppe

Der Wunsch, wie die Eltern Spitzengastronomie zu machen, sei übrigens nie vorhanden gewesen. Von der Ausbildung her ist Schlößer übrigens Kaufmann. Erst eine kaufmännische Lehre bei der RKG, dann dort im Verkauf von Autos tätig. „Dass ich da mit 28 Jahren gekündigt habe, um mich mit dem ersten Objekt selbstständig zu machen, obwohl ich ganz gut verdient habe, fanden viele ganz schön mutig“, berichtet er rückblickend.

Das Hotel Zum Wilden Schwein ist allerdings ganz anders gestrickt als das Base Camp mit seinen etwas skurrilen Retro-Wohnwagen, in denen man übernachten kann. „Ins Base Camp kommen die Gäste, obwohl es in Bonn ist – es ist also ein Reiseziel an sich und eher am Wochenende ausgebucht.“ Das Hotel in Duisdorf beherberge dagegen vor allem Geschäftsreisende, oftmals Soldaten, die auf der Hardthöhe zu tun haben, oder Bundesbeamte, die zu den Ministerien müssen.

Duisdorf ist für den Hotelier Schlößer auch kein unbekanntes Terrain. Hier hatte er – weil in Lengsdorf damals nichts los war – seine Jugendzeit verbracht und seine erste Wohnung gemietet. „Deshalb treffe ich heute noch bekannte Gesichter von damals, wenn ich hier in der Fußgängerzone unterwegs bin“, erzählt er.