Lokale Kulturszene

Wie das Theater im Keller in Bonn eine feste Größe wurde

Im Theater im Keller: Arnold Sitte und Felicitas Jung stehen nicht nur auf der Bühne, sondern kümmern sich darum, dass der Laden läuft.

Im Theater im Keller: Arnold Sitte und Felicitas Jung stehen nicht nur auf der Bühne, sondern kümmern sich darum, dass der Laden läuft.

Duisdorf. Seit bald 50 Jahren hat das Theater im Keller seinen festen Platz in der Bonner Kulturszene. Seit 1996 ist Arnold Sitte künstlerischer Leiter des Theaters an der Rochusstraße.

„Die meisten sind überrascht. Sie kommen über einen tristen Schulhof, müssen dann eine ebenso triste Treppe hinunter und fragen sich, wohin bist du denn hier geraten“, lacht Arnold Sitte mit der vollen Überzeugung, dass sich spätestens beim Öffnen der Türe zum Theater im Keller (tik) bei den Besuchern ein nachhaltiger Überraschungseffekt auftut.

Aus einem 1969 in der Ludwig-Richter-Schule unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft Darstellendes Spiel“ angebotenen Volkshochschulkurs unter der Leitung von Lothar Zernott ist im Laufe der Jahrzehnte ein besonderes Kleinod der Bonner Theaterszene geworden. Im Gästebuch des tik hat schon vor Jahren, neben einem lobenden Eintrag von Daniela Schadt und Joachim Gauck, ein „Friedrich G.“ den vermutlich viele Besuchermeinungen zusammenfassenden Satz hinterlassen: „Es hat sich gelohnt, zum Lachen in den Keller zu gehen.“

Professionelle Bedingungen durch städtische Hilfe

Spätestens 1974 mit dem Umzug in den namensgebenden Keller des heutigen Berufskollegs, der die Einrichtung von zwei Bühnen, Künstlergarderoben, Requisitenräumen, Werkstatt und einer Theaterbar möglich machte, hatten die Amateurschauspieler einen Spielort gefunden, der fortan Produktionen unter professionellen Bedingungen möglich machte. Als sich dann etwa zehn Jahre später der damalige Bezirks- und heutige Ehrenvorsitzende des tik-Vereins, Gerhard Lorth, im Rat der Stadt Bonn für den Erhalt des tik stark gemacht hatte, konnte man durch eine städtische Investition von damals 250.000 D-Mark (etwa 128.000 Euro) das tik 1988 allen Ansprüchen, die auch baulicherseits an ein Theater mit Publikumsverkehr gestellt wurden, gerecht werden.

„Da waren wir dann plötzlich ein richtiges Theater geworden“, erinnert sich Felicitas Jung, die damals wie heute auf der Bühne, hinter der Bar oder beim Einlass zu finden ist. Denn seit das tik ab 2004 auf die jährliche Unterstützung von 5000 Euro der Stadt verzichten musste, gründete sich 2005 der Verein, dessen heute rund 35 Mitglieder den gesamten Theaterbetrieb vom Spiel auf der Bühne über Requisitenbau, Bar und Verwaltung ehrenamtlich betreiben. Neben der Probenarbeit, die sich in der Regel über zehn Monate hinzieht, in denen man sich wöchentlich trifft, verpflichtet sich jedes Vereinsmitglied zu etwa 30 Stunden zusätzlichem „Dienst“ hinter den Kulissen. Alles „aus Spass an der Freud‘“, wie Jung sagt. Nachwuchssorgen hat der Verein jedenfalls nicht.

„Theater im Bonsai-Format“

Wer vor 18 Jahren zum Beispiel schon in Sittes Jahrhundertrevue „Bewegte Zeiten“ als Kind auf der Bühne stand, spielt demnächst vielleicht den Täter in dem gerade zur Probe anstehenden Durbridge-Thriller und kann sich über den eigenen Nachwuchs freuen, der bereits auf die „Bretter“ will, die auch im tik die Welt bedeuten. „Wir sind ein Theater im Bonsai-Format“, freut sich Arnold Sitte über die vielen Möglichkeiten, die das tik hat, alles zu machen, was man möchte. Der 65-jährige ehemalige Pressesprecher der Rheinenergie wollte schon immer zum Theater, hat jedoch ein Berufsleben lang die Sicherheit einer Festanstellung dem oft prekären Leben von Berufsschauspielern oder Regisseuren vorgezogen.

Als nebenberuflicher Sprecher in Rundfunkanstalten hat er sie kennengelernt und weiß, dass es nur ganz wenige schaffen, auskömmlich von ihrer Kunst zu leben. „Mit 59 bin ich zum Rentner geworden“, sagt er und ist seitdem mehr denn je im tik anzutreffen. Alle laufenden Produktionen hat Sitte inszeniert; in manch einer spielt er mit. Aktuell stehen auf dem Spielplan die Komödien „Der Vorname“ und „Offene Zweierbeziehung“ sowie der Kabarettabend „Alles Liebe oder was?“. Und auch „Kunst“ das Erfolgsstück von Yasmina Reza steht nach zwei Jahren wieder auf dem Programm, nachdem der Verlag die Aufführungsrechte den Bonner Kammerspielen gegeben und damit dem tik entzogen hatte.

Große Nachfrage für Theaternacht im Mai

In der Bonner Theaternacht am 9. Mai wird eine gekürzte Fassung von „Offene Zweierbeziehung“ ab 19.30 Uhr und ab 20.40 Uhr zu sehen sein. Auch die Revue „Bewegte Zeiten“ wird monatlich einmal mit 20 Darstellern über die Bühne wirbeln. Woody Allens Einakter „Riverside Drive“ und „Old Saybrook“ sind in einem Doppelpack in Vorbereitung sowie im Moment auch an der Komödie „Die Zoogeschichte“ von Edward Albee geprobt wird. Auch wenn die intime Atmosphäre des tik viele Besucher begeistert, birgt sie den Nachteil in sich, dass die 50 zur Verfügung stehenden Plätze schnell ausverkauft sind. So ist für diesen Samstag „Der Vorname“ schon ausverkauft. Und wer „Alles Liebe oder was“, das Kabarett für Fortgeschrittene am Sonntag (18.18 Uhr) sehen möchte, sollte nicht zögern, sich Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen oder über www.bonnticket.de zu besorgen.

Weitere Informationen zum Theater im Keller, Rochusstraße 30, auf der Internetseite oder per 0228/502010.