Investor schlägt Tauschgeschäft vor

Weiter Diskussion um Ausbau der Lingsgasse in Lengsdorf

Auf diesem Grundstück oberhalb der Lingsgasse, neben der früheren Scheune des Hüntenhofs, will die Eigentümergemeinschaft bauen. Über das Bauvolumen gibt es allerdings kein Einvernehmen.

Auf diesem Grundstück oberhalb der Lingsgasse, neben der früheren Scheune des Hüntenhofs, will die Eigentümergemeinschaft bauen. Über das Bauvolumen gibt es allerdings kein Einvernehmen.

LENGSDORF. Wie kann der Umbau der Lingsgasse in Lengsdorf günstiger werden? Ein Vorschlag von CDU und FDP fand keine Mehrheit. Dabei ist ihre Idee nicht ganz neu.

CDU und FDP haben mit einem gemeinsamen Antrag versucht, den Umbau der Lingsgasse in Lengsdorf für die Stadt kostengünstiger zu gestalten. In der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses fanden sie dafür aber keine Mehrheit. Die Idee der Antragsteller Bert Moll (CDU) und Frank Thomas (FDP) ist nicht ganz neu: Für die Verbreiterung der engen, auch von Bussen befahrenen Lingsgasse ist eine Stützwand am unteren Ende notwendig.

Dort will der Investor, die Hüntenhof GbR, ein Mehrfamilienhaus bauen. Auch eine Tiefgarage ist geplant – sofern das für den Investor wirtschaftlich ist. Deren Außenwand könnte die Stützwand überflüssig machen. Dafür möchte der Bauherr allerdings ein Stück öffentlichen Raum übertragen bekommen. Bisher sind Stadt und Investor aber bei der Planung nicht zusammengekommen.

CDU und FDP schlugen nun erneut vor, das Gespräch über die Details des Bebauungsplans zu suchen, um einen Kompromiss zu finden. Es gehe immerhin um geschätzte 200 000 Euro, die die Stadt nicht für eine eigene Wand ausgeben müsste, sagte Moll im Ausschuss. Des Weiteren solle die Stadt klären, ob es möglich sei, zum geplanten Haus nicht über den Dorfplatz, sondern über die Lingsgasse zu gelangen. „Es ist eine seit langer Zeit festgefahrene Situation“, erklärte Moll.

Genau deshalb lehnte die beispielsweise SPD den schwarz-gelben Antrag ab. „Wir müssen das Verfahren beschleunigen, weil sich in der Lingsgasse auch die Frage der Sicherheit stellt“, begründete Gabi Mayer (SPD). Sie ärgerte sich auch darüber, dass der Vorstoß nicht abgesprochen war. „Wir können den vorhabenbezogenen Bebauungsplan nicht über etliche Schleifen ziehen und noch mehr Zeit verlieren“, so Mayer.

In der Lingsgasse arrangieren sich täglich auf schmalem Raum Autos, Busse, Radler und Fußgänger, um aneinander vorbeizukommen. Sie liegt für viele Lengsdorfer Kinder auf dem Schulweg. Stadtbaurat Helmut Wiesner sagte zum Verfahren: „Der Investor hat es in der Hand.“ Derzeit prüfe das städtische Rechtsamt das Wegerecht an der Lingsgasse.

Auch nach einer Besprechung zwischen Bauordnungsamt und dem Architekten der Hüntenhof GbR scheint die Sache festgefahren. Eine Bebauung in den von der Stadt aufgezeigten Grenzen mache den Bau einer Tiefgarage wirtschaftlich unmöglich, teilten die Bauherren mit. „Demzufolge wird eine Bebauung unseres Grundstücks in deutlich geringerem Umfang, mit einer Inanspruchnahme unseres Wegerechts vom Dorfplatz aus, nachdem die Stadt Bonn den Hang auf ihre Kosten abgefangen und eine Spundwand errichtet hat, nach dem jetzigen Stand der Dinge immer wahrscheinlicher“, teilte Grundstückseigentümer Michael Tapella mit.

Die SPD hat eine andere Sicht der Dinge. „Der Grundstückseigentümer will offenbar deutlich größer und höher bauen, als dies an der Stelle gestattet ist“, konstatiert Dominik Loosen, Vorsitzender der SPD-Bezirksfraktion. „Das alte Wegerecht soll jetzt zusammen mit den Kosten für die Stützmauer zur Aushebelung des Baurechts genutzt werden und dem Eigentümer auch noch die Kosten eines eigenen Änderungsverfahrens sparen.“

Auch SPD-Ratsfrau Mayer ist froh, dass der CDU-Antrag abgelehnt wurde. „Die Verwaltung konnte nicht erklären, warum es genau in diesem Fall sinnvoll sein soll, dem Bauherrn auf Kosten der Stadt eine mundgerechte Lösung zu servieren.“ Auch sie sieht es so, dass die Prüfungen zu Umfang und zur rechtlichen Durchsetzbarkeit des Wegerechts über den Dorfplatz noch nicht abgeschlossen sind.