Brüser Berg

Weihbischof begeistert von den Helfern

Können allmählich wieder lachen: Ahmad Kiwan und seine Frau Kathleen (Mitte) mit ihren Familienangehörigen. Hinter ihnen Weihbischof Ansgar Puff und Guido Zernack.

BRÜSER BERG. Die Erleichterung ist Ahmad Kiwan und seiner Frau Kathleen anzusehen. 16 Familienangehörige, unter ihnen acht Kinder, konnten bereits aus dem Kriegsgebiet in Syrien fliehen und sind mittlerweile in Deutschland angekommen. Unter ihnen auch Kiwans kranker Vater.

"Ich bin so froh, dass er endlich hier ist", erzählt der 37-jährige Wirtschaftsinformatiker, der sich um den 75-Jährigen in den letzten Wochen besonders große Sorgen gemacht hat. "Mein Vater ist sehr krank. Er baucht nicht nur dringend ärztliche Hilfe, sondern er benötigt auch Medikamente", so der Syrer, der mit seiner Frau auf dem Brüser Berg lebt. Beides habe er weder in Syrien, noch in den Flüchtlingslagern Jordaniens bekommen. "Aber jetzt wird ihm geholfen, da bin ich mir ganz sicher."

Mit seinen Sorgen, Ängsten und finanziellen Nöten steht er nicht alleine da. Denn Ahmad Kiwan kann sich seit Wochen auf die Hilfe und Unterstützung von Freunden, den Menschen auf dem Brüser Berg und vor allem der Katholischen Kirchengemeinde St. Rochus und Augustinus verlassen. Nachdem im Weihnachtsgottesdienst auf das Schicksal der Familie aufmerksam gemacht worden war, lief eine große Hilfsaktion an. Momentan sind rund 53 000 Euro auf einem Spendenkonto eingegangen.

Dazu kamen Kleidung, Möbel und Spielzeug für die Kinder. Koordiniert wird alles vom Duisdorfer "Netzwerk Syrienhilfe". Auch wenn das Ergebnis mehr als beeindruckend ist, genug ist es noch nicht. "Wir sind noch lange nicht am Ziel", sagt Pastoralreferent Guido Zernack, der die Hilfsaktion der Kirchengemeinde organisiert. Denn um das Leben der ganzen Familie für den Anfang zu sichern, werden etwa 100.000 Euro benötigt.

So viel Engagement, Solidarität und fast grenzenloser Einsatz begeisterte auch Weihbischof Ansgar Puff. Spontan besuchte er bei seiner Visitationsreise jetzt das Arbeitstreffen der Helfer auf dem Brüser Berg. "Ich bin sehr beeindruckt von ihrer Arbeit. Sie haben nicht weggeschaut, sondern sie haben sich solidarisch erklärt und Nächstenliebe in die Tat umgesetzt. Großartig!", bedankte er sich.

Berührt ist vor allem auch Kathleen Kiwan. "Ich hätte nie gedacht, dass Menschen, die wir bisher nicht kannten, uns so viel Liebe, Mut und Hilfe schenken. Das ist die emotionalste Erfahrung meines Lebens. Das werde ich nie, niemals vergessen". Und auch die komplette Familie von Ahmad Kiwan war an diesem Abend gekommen, um sich zu bedanken. "Wir sind sehr froh, dass wir jetzt in Sicherheit sind. Das wurde erst durch ihre Hilfe möglich", zeigte sich auch Kiwans Schwager Mohammad Al-Rebalawi sehr berührt.

Mittelweile kehrt so ganz allmählich ein Stück Normalität in das Leben der Familien ein. Die sechsjährige Sara wird im nächsten Jahr die Grundschule auf dem Brüser Berg besuchen, die kleineren Kinder bekommen einen Platz im Kindergarten. Zusätzlich haben alle einen Bonn-Ausweis beantragt.

Ahmad Kiwan hat nur noch einen Wunsch: "Ich hoffe, dass jetzt auch die übrigen Familienmitglieder schnell ein Visum erhalten und ausreisen dürfen. Erst wenn alle hier sind, dann bin ich beruhigt."