Wohnprojekt in der Warteschleife

Was ist mit dem Mehrgenerationenhaus im Brüser Berg?

Geplantes Mehrgenerationenhaus Fahrenheitstr. kommt nicht voran.

Geplantes Mehrgenerationenhaus Fahrenheitstr. kommt nicht voran.

Brüser Berg. Manchmal besteht die Arbeit des Kommunalpolitikers im Bohren ganz dicker Bretter, und die Übung heißt Geduld. Wie im Fall des geplanten Mehrgenerationenhauses auf der Wiese an der Riemannstraße – das letzte noch unbebaute große Grundstück im Stadtteil.

In einer großen Anfrage haben CDU und Grüne, die in der Bezirksvertretung die Mehrheit bilden, das Thema Anfang noch einmal in Erinnerung gebracht und einen Fragenkatalog formuliert. Unter anderem wollen die Politiker wissen, wie viele Investoren sich für die Verwirklichung eines Mehrgenerationenhauses gemeldet haben und ob die Verwaltung bei der Konzeptvermarktung selbst aktiv geworden ist. Eine Antwort blieb die Verwaltung allerdings zur Sitzung des Bezirksvertretung am Dienstagabend schuldig.

Seit 2009 ist CDU-Ratsfrau Birgitta Jackel am Ball, die Idee auch in die Tat umzusetzen. Und verzweifelt langsam. Während das Projekt „Celsius“, das derzeit an der Celsiusstraße gebaut wird und altersgerechtes Wohnen für Senioren anbieten wird, dank des Privatinvestors Peter Brings gut vorankommt und die Vermietung im August starten soll, wartet man bei Jackels „Lieblingsprojekt“ vergeblich auf Fortschritt. Dabei ist das 3000 Quadratmeter große Gelände an der Ecke Riemannstraße/Fahrenheitstraße, auf dem auch ein neuer Kindergarten entstehen soll, im Besitz der Stadt Bonn. 2015 votierte der Planungsausschuss einstimmig für das Projekt.

Danach sollte die Verwaltung auf Basis der erarbeiteten Konzepte, die auch eine Mindestquote von 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau berücksichtigen, eine Vergabe vorbereiten. 2016 fand auf Einladung des Planungsamts eine Ideenbörse statt, an der sich viele Bürger auch mit eigenen Vorstellungen beteiligten. Ein Jahr später wurde eine Beschlussvorlage für die Gremien erarbeitet. Die Bezirksvertretung Hardtberg votierte einstimmig dafür. Und heute? „Derzeit wird die Ausschreibung des Areals seitens der Fachverwaltung vorbereitet“, teilt das Presseamt auf Anfrage mit.

Personalnot im Planungsamt

„Das muss man doch alles nicht so kompliziert machen“, hält Jackel dagegen. Zumindest über den Sachstand, ob das „Liegenschaftsamt in Bezug auf die Ausschreibung handlungsfähig ist oder ob noch zu viele Fragen offen sind“, sollte die Verwaltung kurzfristig eine Information liefern können. Oder auf die Frage, wer notwendige Absprachen der Ämter unter-einander koordiniert.

Kritik an der „Langsamkeit der Verwaltung“ hat Jackel bereits vor drei Jahren geübt. Damals fand sie es „unglaublich“, dass es von der ersten Überlegung bis zur Realisierung des Projekts neun bis zehn Jahre dauert. Inzwischen wird man noch ein paar Jährchen drauflegen können, denn bis Bauarbeiter anrücken und die Eröffnung gefeiert wird, kann es gut und gerne das Jahr 2022 ins Land ziehen.

Auch SPD-Stadtverordnete Gabi Mayer moniert, „dass es so lange dauert. Der Bedarf an Mehrgenerationenwohnen ist enorm. Und das Projekt passt bestens auf den Brüser Berg“, sagt sie. Schließlich habe das Quartier als Reißbrettstadt, die damals schon altersgerecht gebaut wurde, immer auch Vorzeigecharakter gehabt. „Uns war wichtig, auch die Einwände der Nachbarn gegen das Projekt aufzunehmen. Das ist längst geschehen. Also, warum geht es nicht weiter?“

Das Mehrgenerationenhaus ist nicht die einzige Maßnahme, auf die Politiker warten, dass die Verwaltung die Sache vorantreibt. Die argumentiert unter anderem mit Personalnot im Planungsamt. Dafür zeigt Mayer wiederum Verständnis.