Grundsteinlegung am Ackerrand

Vor 50 Jahren wurde die Matthäikirche in Bonn eingeweiht

Die evangelische Matthäikirche vor 50 Jahren: Damals stand sie am Rand der Bebauung und gehörte zur Johanniskirchengemeinde.

Die evangelische Matthäikirche vor 50 Jahren: Damals stand sie am Rand der Bebauung und gehörte zur Johanniskirchengemeinde.

Duisdorf. Mit einem Gottesdienst feierten die Protestanten der Matthäikirche den Jahrestag der Einweihung ihres Gotteshauses am 1. Advent vor 50 Jahren. Damals diente sie auch als Garnisonskirche für Soldaten in Bonn.

Für Detlev Witzke war der Einzug in die neue Kirche zur Grundsteinlegung ein ganz besonderer Augenblick. Er war noch im Hermann-Ehlers-Haus konfirmiert worden, danach wurde die Matthäikirche gebaut – damals noch am Rand eines Ackers hinter der ehemaligen Volksschule, die nach Johannes Gutenberg benannt war. Die Autobahn, die Agentur für Arbeit, all das gab es da noch nicht.

„Wir sind festlich in die Kirche eingezogen“, erinnert er sich. „Damals gab's noch nicht das Dach.“ Das war immerhin schon da, als Walter Deggen nach Duisdorf zog, um der erste Küster des neuen Gotteshauses zu werden. Er wohnte erst im Hermann-Ehlers-Haus, zog dann in das Küsterhaus um. „Das war vor der Kirche fertig.“ Sohn Hartmut hatte als kleiner Junge zugesehen, wie die Bodenplatten in der Kirche verlegt wurden.

50 Jahre ist das jetzt her, am ersten Advent 1967 wurde der Eröffnungsgottesdienst gefeiert. Am Sonntag wurde dieses Jubiläum mit einem festlichen Gottesdienst begangen, der von den Pfarrern Wolfgang Harnisch, Georg Schwikart und Caroline Tippmann geleitet wurde.

Kindergartenkinder und die Kantorei hatten Lieder vorbereitet, und die ganze Gemeinde sang ihrer Kirche ein Geburtstagsständchen. Danach gab es ein gemeinsames Mittagessen mit Adventsbasar des Kreativen Arbeitskreises, Fair-Trade-Stand, Plätzchen vom Förderverein der Kita Zauberkiste und Bücherflohmarkt in der Bücherei, zu dem viele Gemeindeglieder blieben.

Kirche einst für Soldaten vorgesehen

Denn die Kirche war mal wieder richtig voll. Heute sei sie eigentlich ein wenig zu groß, meinte Witzke. „Aber damals wurde sie sehnlichst erwartet.“ Denn das Hermann-Ehlers-Haus, in dem die Protestanten des damals neuen Siedlungsgebietes bis dahin zum Gottesdienst gegangen waren, platzte nahezu aus allen Nähten.

Die Matthäikirche, erzählte Olaf Bach, war auch als Garnisonskirche für Soldaten und Mitarbeiter des Bundesministeriums der Verteidigung vorgesehen. Auch deshalb war es gut, dass sie so groß ist. Regelmäßig hielten Militärpfarrer Gottesdienste, so Bach, der mit seiner Frau vor 40 Jahren zur Gemeinde stieß. Sie leitet heute die Gemeindebücherei, er war von 2004 bis 2008 Kirchbaumeister.

„Die wichtigste Entscheidung in meiner Zeit war die Entscheidung das Hermann-Ehlers-Haus aufzugeben“, sagte Bach. Man wollte näher an die Kirche rücken, um für Veranstaltungen nach den Gottesdiensten nicht mehr erst 450 Meter bis zum Haus am Schieffelingsweg gehen zu müssen. Das habe immer einen Schwund bedeutet. Der Neubau des Gemeindezentrums direkt an der Kirche, in der am Sonntag gefeiert wurde, habe auf das Gemeindeleben einen positiven Einfluss gehabt, so Bach.

Am Freitagabend stand der Namensgeber der Kirche im Mittelpunkt: 28 Personen lasen die 28 Kapitel des Matthäusevangeliums aus 28 unterschiedlichen Werken von der Lutherbibel von 1545 bis zum „Evangelium in leichter Sprache“ von 2017. Das dauerte knapp vier Stunden, erstaunlich viele Zuhörer hielten bis zum Schluss durch.