Städtische Tochter soll helfen

Vebowag soll Sozialwohnungen bauen

Ein verwunschenes Gelände: Schon vor vier Jahren besichtigten Bürger bei einem Rundgang auf Einladung der SPD die alte Kaserne. Damals hieß es, die Abrissbagger kämen 2012. Daraus ist aber nichts geworden, das Objekt ist jetzt erst in die Vermarktung gegangen.

Ein verwunschenes Gelände: Schon vor vier Jahren besichtigten Bürger bei einem Rundgang auf Einladung der SPD die alte Kaserne. Damals hieß es, die Abrissbagger kämen 2012. Daraus ist aber nichts geworden, das Objekt ist jetzt erst in die Vermarktung gegangen.

BONN. In Bonn wird geförderter Wohnraum dringend benötigt. Da sind sich die Kommunalpolitiker einig. Doch wo gibt es noch geeignete Flächen? Mit der Ermekeil-Kaserne in der Südstadt und der Gallwitz-Kaserne in Duisdorf tun sich neue Chancen auf.

Doch private Investoren lecken sich nicht gerade die Finger nach Förderungen, weil die sich wegen niedriger Zinsen nicht mehr lohnen. Zumal die Mieten entsprechend niedrig sein müssen. Nun wird der Ruf laut, dass sich in Duisdorf die Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG (Vebowag) engagieren soll.

Wie berichtet, läuft die Ausschreibung für das 7,6 Hektar große Areal der 1936 erbauten Gallwitz-Kaserne. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) möchte dafür 12,8 Millionen Euro haben. Das bis 2003 genutzte Gelände befindet sich zwischen Julius-Leber-Straße und der A 565.

Wie bei allen ehemals militärisch genutzten Liegenschaften hat die Stadt den Erstzugriff beim Verkauf. Doch muss sie den in Anspruch nehmen? "Im Ratsbeschluss steht nicht drin, dass die Stadt das Gelände kaufen soll", sagt SPD-Ratsmitglied Helmut Redeker. Vielmehr gehe es darum, dass die BImA das Gelände nun nach einem gutachterlich ermittelten Verkehrswert verkaufen müsse und nicht an den Höchstbietenden.

In diesem Sinne argumentiert auch die Stadt, die preiswerten Wohnraum ohne Erstzugriffsoption realisieren will - und zwar, wie berichtet, über einen städtebaulichen Vertrag. Darin wird später geregelt, dass der Käufer beim Bau der 400 bis 450 Wohnungen in Duisdorf mindestens 30 Prozent mit Fördermitteln errichten muss.

"Die Mischung muss stimmen."

Die Ratskoalition hat nun einen Antrag gestellt, der die häufigere Nutzung städtebaulicher Verträge vorschlägt und konkret wird: Alle für sozialen Wohnungsbau geeigneten Flächen werden zuerst der Vebowag angeboten, an der die Stadt 93 Prozent der Gesellschaftsanteile hält.

Vebowag-Vorstand Michael Kleine-Hartlage zeigt Interesse an der Gallwitz-Kaserne und kann sich vorstellen, dass ein Investor das Areal entwickelt, und die Vebowag den Anteil an Sozialwohnungen übernimmt. Mehr als 30 Prozent sollten es laut Kleine-Hartlage nicht sein. "Die Mischung muss stimmen." Er hat sich kürzlich auf dem Kasernengelände, das ein starkes Gefälle hat, umgesehen. "Die Erschließung wird aufwendig", sagt er.

Außerdem müsse der Preis stimmen. Die BImA selbst spricht bei ihrer Kaufpreisvorstellung von einer "Orientierungshilfe". Die Ausschreibung hält CDU-Fraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger für einen gangbaren Weg. Die Stadt müsse sich um genug andere Dinge kümmern. "Das eigentlich Ärgerliche hier ist, dass sich das Bebauungsplanverfahren so lange verzögert hat", sagt Hartwig Lohmeyer (Grüne) - und das werde wohl auch noch zwei Jahre dauern. "Auch bei der Ermekeil-Kaserne zieht es sich ja hin wie Gummi." Frank Thomas (FDP) hofft, dass alles klappt, "ohne städtisches Geld in die Hand nehmen zu müssen".