Diplomatenschule Ippendorf

Stadt quartiert bis zu 50 Flüchtlinge ein

Ippendorf. In die seit Ende 2005 leer stehende frühere Diplomatenschule am Gudenauer Weg kommt wieder Leben: Die Stadt Bonn hat den Verwaltungstrakt umgebaut und will ab 20. Juni dort bis zu 50 Flüchtlinge einquartieren, und zwar vorwiegend Familien.

Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstag nächster Woche will die Stadt die Fragen der Bürger dazu beantworten. Die entsprechenden Bürgerbriefe mit der Einladung werden ab heute an die Haushalte verteilt.

Damit ist aber auch klar: Die Zahl von bis zu 400 Flüchtlingen, die für die Unterbringung in der Ex-Diplomatenschule zuerst im Gespräch war und bei einigen Ippendorfern für Kopfzerbrechen sorgte, wird nicht annähernd erreicht.

„Diese Entscheidung ist so wegen einer Kombination aus Schadstoffen, Zeit und Kosten getroffen worden“, erklärten Annette Boehmer und Jan Völzgen vom städtischen Gebäudemanagement (SGB) gestern bei einer Ortsbesichtigung mit dem General-Anzeiger, um die unsere Zeitung schon vor einer Weile gebeten hatte.

Der Hintergrund der Entscheidung, nur 50 Flüchtlinge einzuquartieren, wurde bei der Begehung klar: Das große Altgebäude von 1972 mit den Seminarräumen, der Aula und den Appartements kam wegen der PCB-Belastung nicht in Frage. Jedenfalls nicht mit vertretbaren Sanierungskosten, stellte sich nach Probesanierungen heraus. Außerdem sollte der Bezug nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Selbstversorgung vorgesehen

So blieb das frühere Verwaltungsgebäude von 1995 übrig, ein eher kleiner Anbau mit zwei Etagen. Die Büros haben Größen von zwölf bis 25 Quadratmeter. Dennoch mussten für die Umbauten rund 500 000 Euro investiert werden, die aber erstattet werden. So wurde das offene Treppenhaus geschlossen, ein zweiter Fluchtweg über eine Gerüsttreppe installiert und vier Dusch- und Waschcontainer auf dem Parkplatz aufgestellt und angeschlossen.

Im Erdgeschoss wurde eine Küche eingebaut. „Denn für die künftigen Bewohner wird eine Selbstversorgung vorgesehen“, sagte Flüchtlingskoordinator Philipp Grünhage. Die Heizungs- und Wasserversorgung musste ebenfalls erst wiederhergestellt werden, dazu wurden neue Leitungen verlegt.

Ein neuer Eingang musste ebenfalls her, denn der Hauptzugang im Altbau bleibt verschlossen. Ein Bauzaun wird diesen Trakt von der Flüchtlingsunterkunft abtrennen. Das Ex-Verwaltungsgebäude bekommt die Stadt mietfrei vom Bund zur Verfügung gestellt, muss aber die Betriebskosten übernehmen. Das Mobiliar wird in den nächsten Tagen geliefert.

Das Verwaltungsgebäude stammt aus den 90er Jahren. Ein zweiter Fluchtweg wurde über eine Gerüsttreppe installiert.

Das Verwaltungsgebäude stammt aus den 90er Jahren. Ein zweiter Fluchtweg wurde über eine Gerüsttreppe installiert.

 

Wenn die neuen Bewohner dann ab 20. Juni einziehen, wird das Gelände wie in früheren Zeiten nicht frei zugänglich sein. Es werde einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst geben sowie Kontrollen am Eingangstor, sagte Grünhage.

Ohnehin umgibt ein hoher, stabiler Zaun das Gelände. Damit die Bewohner sich auch außerhalb des Wohngebäudes aufhalten können, wird eine Wiese auf dem Areal zu einer Spiel- und Aufenthaltsfläche umgestaltet. Damit die Bürger sich selbst ein Bild machen können, wird noch vor Ankunft der ersten Flüchtlinge ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Den Termin will die Stadtverwaltung rechtzeitig bekannt geben.

Die Informationsveranstaltung für die Bürger beginnt am Dienstag, 7. Juni, um 19 Uhr in der Aula der Engelsbachschule, Saalestraße 27.