Zu wenig Freiwillige

Stadt löst Feuerwehr Lessenich auf

Der letzte öffentliche Auftritt: Im Januar 2011 erhielt die Löscheinheit Lessenich ein neues Tanklöschfahrzeug, das von Pfarrer Hermann Bartsch vor der Kirche gesegnet wurde. Schon damals war das Personalangebot der Feuerwehrleute überschaubar.

LESSENICH. Die Freiwillige Feuerwehr in Lessenich steht vor dem Aus, die Löscheinheit wird geschlossen. Das teilte die Stadt Bonn am Freitag mit. Gründe: Es gebe keine Führungskräfte, wenig Einsatzkräfte und keine Aussicht auf eine baldige Verbesserung der Situation.

Das ist das Ende eines Abwärtstrends, der schon vor einigen Jahren einsetzte. Erst im Frühjahr hatte die örtliche Löscheinheit in Sachen Nachwuchswerbung die Trommel gerührt. "Doch das hat leider nicht den erwünschten Erfolg gebracht", sagt Carsten Schneider, stellvertretender Leiter des Feuerwehr- und Rettungsdienstes. Zuletzt habe die Einheit nur noch zehn Mitglieder gehabt. "Und die teilweise auch nur auf dem Papier", so Schneider. Die Sicherheit des Ortes Lessenich bleibt laut Stadt trotzdem gewährleistet. Die Einsätze werden von den benachbarten Löscheinheiten Duisdorf und Dransdorf übernommen, die nur einen bis eineinhalb Kilometer vom Lessenicher Standort entfernt sind.

Seit Oktober 2012 war der damalige Löschzugführer Jürgen Kümpel nicht mehr im Amt. Die Löscheinheit wurde geführt von zwei Führungskräften der Berufsfeuerwehr, nachdem die Mitgliederzahl und damit auch die Verfügbarkeit bei Einsätzen über mehrere Jahre stark zurückgegangen war.

Alle Versuche zur Verbesserung der Situation seien erfolglos geblieben. "Die neue Löscheinheitsführung konnte zwar innerhalb eines Jahres die Aus- und Fortbildung aufrecht erhalten und die Löscheinheit weiterhin im Ortsleben integrieren", so die Stadt. Aber nur zwei neue Mitglieder hätten sich für die ehrenamtliche Feuerwehrarbeit begeistern lassen. "Auch mit der zukünftigen Unterstützung des Nachwuchses aus der Jugendfeuerwehr können wir nicht die erforderliche Mannschaftsstärke erreichen", erklärt Bonns oberster Feuerwehr-Chef Jochen Stein.

Fast alle der verbleibenden aktiven Einsatzkräfte und Mitglieder der Jugendfeuerwehr würden ihren Feuerwehrdienst in den benachbarten Löscheinheiten weiterführen wollen. Die Fahrzeuge und die Einsatzgeräte finden für Aus- und Fortbildung und Reserveausstattung eine neue Verwendung. Die Schließung der Löscheinheit ist laut Stadt ein bedauerlicher Verlust für das Gesamtsystem der Feuerwehr in Bonn und das Lessenicher Ortsleben. Die Entscheidung sei der Stadtspitze und der Feuerwehrführung nicht leicht gefallen. "Eine schlagkräftige Freiwilligentruppe ist für uns sehr wichtig", sagt Schneider.

Wegen der Präsenz vor Ort, dem schnellen Eintreffen sowie den Ortskenntnissen seien die Freiwilligen Feuerwehren für die Berufsfeuerwehr sehr wichtig. "Deswegen ist es auch unser Ziel, die 18 verbleibenden Einheiten zu erhalten", so Schneider. Die Gefahr, dass weitere Einheiten schließen müssen, sieht Schneider derzeit nicht.

Nachdem erst kürzlich die Gaststätte "Zur Linde" schloss und es keinen Treffpunkt mehr im Ort gebe, dazu der Meßdorfer Karnevalsclub kaum Aktivitäten zeigt, ist nun auch für den Vorsitzenden des Ortsausschusses, Bruno Euskirchen, ein vorläufiger Tiefpunkt erreicht. "Es ist traurig, aber wahr. Wir müssen jetzt das Beste daraus machen." Positiv sei, dass sich in Lessenich ein Verein der Förderer des Feuerwehrwesens gegründet habe, der die Interessen der Feuerwehr weiter vertreten will.

Was das Domizil der Löscheinheit an der Laurentiusschule angeht, ist Unklarheit angesagt. "Ich hätte da schon einige Ideen, was man mit dem Gebäude machen könnte", sagte Euskirchen. Zum Beispiel könne man es als Versammlungsraum nutzen. "Aber ein Kindergarten hätte natürlich Priorität", so Euskirchen.