Flüchtlingsunterkünfte in Bonn

Sportvereine gehen auf die Barrikaden

Notunterkunft für Flüchtlinge - Turnhalle Schiffelingsweg

Notunterkunft für Flüchtlinge - Turnhalle Schiffelingsweg

19.01.2016 Hardtberg/Bonn. Bei den Bonner Sportvereinen brodelt es, die Stimmung ist inzwischen ziemlich gereizt, weil die Stadt weitere Turnhallen mit Flüchtlingen belegen will und die Vereine um ihren Fortbestand fürchten. 19 Bonner Clubchefs haben sich zusammengetan.

Nicht nur der Stadtsportbund sieht die Schmerzgrenze erreicht, auch die Vereine selbst gehen jetzt auf die Barrikaden und fordern: „Keine weitere Zweckentfremdung von Sporthallen.“

Dies machten sie am Dienstag in einem gemeinsamen Brandbrief an Oberbürgermeister Ashok Sridharan deutlich. Das Besondere daran, was es bisher noch nie in dieser Form gab: Insgesamt haben 19 Vereine durch ihre Vorsitzenden oder Geschäftsführer diesen Brief unterzeichnet.

Darunter Vertreter vom Hardtberg und dem Bonner Westen wie der TKSV und der Ortsfestausschuss Duisdorf, der VfL Lengsdorf, Rot-Weiß Röttgen, der Spielmannszug Duisdorf, der HTC Schwarz-Weiß, FV Endenich und Rot-Weiß Lessenich, aber auch Clubs aus anderen Stadtteilen wie Blau-Weiß Friesdorf, SSF Bonn, TV Geislar, der Beueler Judo Club, der TGV Bonn und die HSG Geislar-Oberkassel.

Das bedeutet: Es hat sich eine Allianz gegründet – ausdrücklich nicht gegen Flüchtlinge, aber angesichts der Gerüchte, dass demnächst auch die Hardtberghalle und die Sporthalle Schmittstraße requiriert werden und für die übliche Nutzung ausfallen, gegen die Bereitstellung weiterer Sporthallen als Flüchtlingsunterkünfte.

„Wir Sportvereine, Schulen und Vereine sprechen uns entschieden dagegen aus“, schreibt TKSV-Vorsitzender Heinfried Wege. Andere Vereinsvertreter haben identische Briefe mit ihrem eigenen Namen unterzeichnet. „Jede weitere Zweckentfremdung von Sporthallen, die dem Allgemeinwohl dienen, darf keine Lösung sein, sondern ist der falsche Weg“, so der Appell.

Bekannte Argumente

Dabei bemüht man die schon bekannten Argumente: Die Sporthallen seien die Basis der Vereine, hier finde Integrationsarbeit, Gesundheitsförderung und Gesunderhaltung statt, außerdem sei hier der Leistungs- und Hochleistungssport zu Hause. „Hier wird insbesondere Kindern und Jugendlichen zur schulischen und beruflichen Belastung ein körperlicher Ausgleich durch vielfältige Bewegung und Spiele angeboten“, heißt es weiter. Auch würden viele Hallen für Veranstaltungen gesellschaftlicher und politischer Art genutzt.

Unterm Strich richten die 19 Vereine und Organisationen daher die dringende Bitte an die Verantwortlichen: Die Sporthallen werden für bereits terminierte Sportwettkämpfe sowie andere Veranstaltungen benötigt. Nicht alle Sportarten könne man ins Freie verlegen.

„Wir möchten zu bedenken geben, wenn die Vereine sterben, stirbt auch das große Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter“, formulieren die Unterzeichner. „Diese sind äußerst motiviert, ihre Arbeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, in dem sie Flüchtlingskinder und auch Kinder aus schwierigen Verhältnissen betreuen.“

Die Vereine fordern die Verantwortlichen in Behörden und Ämtern auch auf, weiterzudenken als nur das nächste halbe Jahr. Die Vereine holen Kinder und Jugendliche „von der Straße“. Aber, so Wege: „Was passiert mit diesen Kindern und Jugendlichen, wenn ihnen der Ausgleich durch unsere Angebote nicht mehr möglich ist? Wie werden sie ihre freie Zeit verbringen?“

In der Not müssten alle für Kompromisse bereit sein

Wie schon der Stadtsportbund fordert die Allianz der Vereine, alternative Immobilien wie die Bundeswehrliegenschaft Rochusstraße neben dem Berufskolleg, die frühere Gallwitz-Kaserne, das Bonn-Center, das Landesbehördenhaus und das Landesstraßenbauamt in Lengsdorf stärker in die Überprüfung einzubeziehen

Auf den Appell hat CDU-Planungssprecher Bert Moll am Dienstag bereits reagiert. Man sei sich der Problematik sehr wohl bewusst, und er habe in der CDU-Fraktionssitzung erneut thematisiert, warum nicht eine Unterbringung in leer stehenden Gebäuden des Bundes und des Landes in Bonn vorrangig vor einer weiteren Belegung von Sporthallen infrage komme.

„Erklärungen, dass Sanierungs- und Umbaumaßnahmen für die Nutzung als Wohnunterkunft mit der Freilegung von Asbest und anderen Belastungen verbunden sein könnten, kann und werde ich so undifferenziert nicht hinnehmen“, so Moll.

Hier müssten alle möglichen Spielräume genutzt werden; in der Not müssten alle für Kompromisse bereit sein. Er kündigt an, die CDU werde am Freitag mit der Verwaltung über mögliche Lösungen sprechen und genau prüfen, warum bestimmte Objekte angeblich nicht infrage kommen. (Rolf Kleinfeld)