Gutachten gefordert

Sind Bonner Frisbeespieler eine Gefahr für die Natur?

Die Frisbees in der Hand, versammeln sich die Disc Golfer hinter ihrem Ziel – einem Korb, den sie mit ihrem Spielgerät treffen müssen.

Die Frisbees in der Hand, versammeln sich die Disc Golfer hinter ihrem Ziel – einem Korb, den sie mit ihrem Spielgerät treffen müssen.

Duisdorf. Der Naturschutzbeirat fordert ein teures Gutachten von den Frissbeespielern des Vereins Bonnsai Bonn, um im Derletal Metallkörbe aufstellen zu dürfen. Politiker und Sportler sind darüber verärgert.

Die Pläne für den Bau einer Frisbee-Anlage im Derletal laufen auf eine Auseinandersetzung zwischen dem Stadtrat und dem Naturschutzbeirat hinaus. Der Beirat fordert von dem Verein Bonnsai Frisbeesport Bonn zunächst ein rund 3200 Euro teures Gutachten einzuholen, ob nicht die Vogel- und Tierwelt im Derletal durch das Vorhaben beeinträchtigt wird. Bisher hat der Beirat es zweimal abgelehnt, vorher die erforderliche Befreiung vom Landschaftsschutz zu erteilen. Im Stadtrat am nächsten Donnerstag, 8. November, gibt es nun eine Beschlussvorlage, sich darüber hinwegzusetzen.

Die Politik hat nämlich auf die Forderung nach einem Gutachten mit Unverständnis reagiert. „Die abermalige Ablehnung befremdet mich“, sagte FDP-Ratsherr Frank Thomas. „Das Derletal ist als Erholungsgebiet ausgewiesen, und die Wiesenflächen können für den Sport betreten werden.“ Von dem Verein jetzt ein Artenschutzgutachten für 3200 Euro zu fordern, sei an Frechheit nicht zu überbieten, findet Thomas: „Dem Beirat wäre bei seinen Entscheidungen mehr Bürgernähe zu wünschen“, fügt er in seiner Pressemitteilung sarkastisch hinzu.

Auch Ratsherr Christos Katzidis (CDU), zugleich Vorsitzender des Sportausschusses und ebenfalls ein Befürworter der Planung, ist aufgebracht. Ihm sei mitgeteilt worden, bei der Begründung für das Gutachten sei die Aussage gefallen, dass es ein solches noch nicht gebe und dieses alleine deshalb „interessant“ sei. „Wenn das stimmt, würde ich das als ein Unding bezeichnen, einem Verein rein „aus Interesse“ so ein Gutachten aufzuerlegen“, so Katzidis. Er wäre dann bereit, die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Naturschutzbeirates zu stellen.

In dem Gremium sitzen Vertreter der Naturschutzverbände, aber auch der Landwirtschaft und von Jagd und Forst. Wie umstritten die Forderung nach dem Gutachten dort intern war, zeigt das Abstimmungsergebnis. Drei Mitglieder stimmten für das Gutachten, zwei dagegen, drei enthielten sich.

Stadt unterstützt Frisbee-Kurs

Auch die Stadtverwaltung unterstützt die Pläne für einen Frisbee-Kurs, der aus neun Metallkörben und neun Abwurfmarken mit Schildern besteht. „Die Parkanlage bietet sich für diese Anlage an“, so das Urteil.

Der Park sei nämlich bereits für die Freizeitnutzung freigegeben, die Wiesen dort dürften schon immer betreten werden. Außerdem: „Die geplante Anlage wird sich nur auf den Bereich der Wiese erstrecken; die Waldflächen wurden ausgespart. Es müssen weder Bäume noch Gehölze für die Anlage entfernt werden.“ Insgesamt handele es sich um verhältnismäßig geringe bauliche Eingriffe.

Der Verein Bonnsai, dem 59 Mitglieder angehören, hat der Stadt gegenüber deutlich gemacht, dass er aus seinem Vereinsvermögen zwar die Anlage für rund 7500 Euro bauen könnte, aber für das Gutachten kein Geld da sei. „Die Summe für das geforderte Gutachten macht rund 45 Prozent der Gesamtkurskosten aus und ist für uns als kleiner Verein nicht tragbar und unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu den Gesamtkosten“, sagt Sprecherin Dorothea Klein. „Das geforderte Gutachten würde aufgrund derzeit fehlender Spenden unseren Eigenbeitrag mehr als verdoppeln und fast die Hälfte unseres Vereinsvermögens aufbrauchen. Und dies für ein Gutachten, das keinerlei Gewähr bietet, dass es wirklich zur Realisierung des Kurses führen wird.“

Der Verein weist darauf hin, man habe die Bahnen schon etwas abseits der Wege geplant, um eine Gefährdung von Parkbesuchern auszuschließen. Die Laufrichtung zwischen den Bahnen sei so gewählt, das man sich größtenteils auf Wegen oder Rasen bewegt.

Sollte die Meinung der Stadtverwaltung am nächsten Donnerstag im Rat eine Mehrheit finden und man sich über das Votum des Naturschutzbeirates hinwegsetzen, wandert die Sache zur Oberen Naturschutzbehörde. Diese sitzt bei der Bezirksregierung in Köln und hätte dann das letzte Wort.