Helmholtz-Gymnasium

Schüler stellen Kunst-Klausuren aus

In den Koffern haben die Schüler das Leben von fiktiven Personen mit Bildern und anderen Gegenständen ausgebreitet.

In den Koffern haben die Schüler das Leben von fiktiven Personen mit Bildern und anderen Gegenständen ausgebreitet.

Duisdorf. Gut sieben Milliarden Menschen gibt es auf der Welt, und man kann nicht alle Biografien darstellen. Die Schüler des Kunst-Leistungskurses am Helmholtz-Gymnasium versuchen es im Kleinen.

Im Kulturzentrum Hardtberg sieht man seit dem Wochenende Lebensabschnitte verschiedener Menschen, Kriminalakten von Verbrechern, Menschen hinter Fenstern, Porträts und die Kindheitsgeschichten der Nachwuchskünstler.

„Einer von 7 Milliarden“ heißt die Werkschau, angelehnt an einen deutschen Songtitel. Dazu zählt auch Luisa Vogt, die ihre Kindheit als Hüpfkasten auf dem Parkettboden ausgebreitet hat. Vom Plüschhandy zum Smartphone, bunte T-Shirts, Schulbücher und ein Schoko-Kuchen, Pippi Langenstrumpf hier, eine Spritze und ein Pflaster da.

Die Kindheit wird als Spurensuche dargestellt, „aber es gibt keine klare Grenze zwischen Fiktion und Wahrheit“, erklärte Luisa bei der Vernissage am Sonntag. Bei anderen Schülern passt die Kindheit in eine Box oder in einen Koffer.

Ebenfalls in Koffern werden Biografien fiktiver Charaktere vorgestellt, mit Fotos, Accessoires, Zeichnungen und selbst hergestellten Kleidungsstücken, die aus Mülltüten, Zeitungen oder Spielkarten bestehen. Ihnen gegenüber an der Wand sieht man Einblicke durch Fenster in die privaten Lebensräume von Menschen: der mürrische Mann, der ständig am Fenster hockt und hinaus starrt, ein Mädchen hinter einem Vorhang, Partygäste und Gemüse in einer Küche.

Auch ein Kursportrait haben die Oberstufenschüler erstellt. Es zeigt ein zerschlissenes Sofa neben einem Tisch, auf dem Künstlerbücher liegen. Unter anderem habe man Bücher von Anne Frank und Adolf Hitler gegenübergestellt, erklärte Julia Nußbaum. Texte, Bilder, Judensterne lagen hier, Hakenkreuze dort, beide Bücher wurden aus eigenhändig geschöpftem Papier hergestellt. Zum Porträt gehörten weiterhin gebastelte Bücher, Tuschezeichnungen, eine Feldaufstellung des „FC Kunst LK“ und vieles mehr. Die „Asservatenkisten“ stehen laut Kurslehrerin Martina Schmidtke beispielhaft dafür, wie in einem Kunst-Leistungskurs Klausuren aussehen. Die Schüler sollten fiktive Verbrechen präsentieren, mit Steckbrief, Beweismaterial, Fingerabdrücken und weiteren Details.

Zu sehen war auch das Video von einer Kunstaktion beim Bundesministerium für Verteidigung. Drei Schüler waren dafür kurz vor den Sommerferien 2016 an drei Tagen auf der Hardthöhe gewesen und hatten das dort stehende Stück der Berliner Mauer gestaltet (der GA berichtete). Man habe politisch-kritische Motive anbringen wollen, sagte Luis Mühlenschulte, sei aber gebeten worden, darauf zu verzichten. Also sieht man jetzt Mauersteine mit Berlin-Graffiti und einem Durchbruch, durch den man ein Stück der Bonner Skyline erkennen kann.

Die Schüler haben die Werkschau selber gestaltet – vom Flyer bis zur Vernissage. Die wurde musikalisch hervorragend von Jasmin Cürück, Anna Falderbaum und Henrik Muders begleitet.

Die Ausstellung im Kulturzentrum, Rochusstraße 276, ist auch am 5. und 12. Februar vor und während der Konzerte der Reihe „Hardtberger Frühling“ zu sehen.