Flexibler als die menschliche Hand

Roboter DaVinci im Malteser Krankenhaus Bonn

Überzeugt von ihrem neuen "Kollegen" (von links): Martin Milde, Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses, mit den Chefärzten Carsten Ohlmann, Joachim Schmidt und Peter Gaßmann.

Überzeugt von ihrem neuen "Kollegen" (von links): Martin Milde, Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses, mit den Chefärzten Carsten Ohlmann, Joachim Schmidt und Peter Gaßmann.

MEDINGHOVEN. Drei Fachabteilungen im Malteser Krankenhaus arbeiten jetzt bei Operationen mit dem Roboter DaVinci zusammen. Der "neue Kollege" kommt gut an, denn er hilft, wo menschliche Fähigkeiten an ihre Grenzen stoßen.

Die Digitalisierung ist bereits in vielen Bereichen etabliert. In Bonn hat sie mit modernster Robotertechnik nach den Operationssälen auf dem Venusberg und im Johanniter Krankenhaus nun auch das Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg erreicht. Auch wenn dort der „neue Kollege“ namens DaVinci schon seit Anfang Mai mit mehr als hundert erfolgreichen Operationen im Einsatz ist, wurde er erst jetzt den niedergelassenen Ärzten der Region vorgestellt.

„Der Roboter ersetzt selbstverständlich nicht den Arzt, sondern unterstützt ihn“, so der Urologie-Professor und Leiter des Malteser Robotikzentrums, Carsten Ohlmann, der bereits mehr als 800 roboter-assistierte Operationen durchgeführt hat. Dabei steht der Arzt nicht mehr am OP-Tisch, sondern sitzt in der Nähe des Patienten an einer Konsole. Von dort steuert er den Roboter und bekommt dabei einen äußerst präzisen dreidimensionalen Blick auf das Operationsgebiet. Diese technische Unterstützung übertrifft bei Weitem das menschliche Auge und die operierenden Hände. Dabei ergänzt der Roboter immer dort, wo menschliche Fähigkeiten an ihre Grenzen kommen.

So kann die Darstellung des Kamerabildes extrem vergrößert werden und damit einen präzisen Blick auf Gewebestrukturen und Nerven zeigen. Auch die Gelenke der Roboterarme können an Stellen dreidimensionale Bewegungen ausführen, wo eine menschliche Hand passen müsste. Etwa 80 Prozent der robotergestützten Operationen im Malteser Krankenhaus finden zurzeit noch im urologischen Bereich statt. Doch zunehmend werden auch Eingriffe in der Thoraxchirurgie (Lungenchirurgie) und der Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) mit Unterstützung des Operationsroboters durchgeführt. „Besonders profitieren dabei Patienten, die aufgrund eines schlechten Allgemeinzustandes, Vorerkrankungen oder eines hohen Alters ein höheres Risiko für eine Operation haben“, so Joachim Schmidt.

Roboter kostet eine Million Euro

Der Chefarzt der Thoraxchirurgie setzt dabei genauso auf minimalinvasive Techniken wie sein Kollege Peter Gaßmann, der schon seit einigen Monaten Darmkrebs-Patienten mit Unterstützung von DaVinci operiert. Das Fazit der drei Chefärzte nach einem halben Jahr mit dem Roboterkollegen am OP-Tisch ist eindeutig: Die Patienten sind schneller wieder fit und haben deutlich weniger Beschwerden nach der Operation. „Auch wenn die Krankenkassen im Moment noch nichts zur Amortisation der robotergestützten OPs beitragen“, so Martin Milde, der Geschäftsführer der Malteser Gesellschaft, „ist es für uns eine Investition in die Zukunft.“

Den Anschaffungspreis des aus den Vereinigten Staaten kommenden Roboters beziffert Milde auf rund eine Million Euro. Die Tatsache, dass sich damit auch das Malteser Krankenhaus in die erste Reihe der High-Tech-Häuser einreiht, die einen Besuch in entferntere Städte unnötig macht sowie die Möglichkeit, mit dieser Technik auch der zunehmenden Operationshäufigkeit mit schnelleren OPs und kürzerer Verweildauer im Krankenhaus etwas entgegenzusetzen, scheinen die hohe Investition zu rechtfertigen.