Verschlechterungen auf der Bahnlinie

RB23 bekommt einen "Humpeltakt"

Der neue Fahrplan der RB 23 bringt Veränderungen.

08.12.2014 DUISDORF/BONN. Verschlechterungen auf der Bahnlinie: Der Zug fährt nur noch alle 13 und 17 Minuten

Eigentlich sollte mit der Fahrplanumstellung am kommenden Sonntag alles besser werden auf der Regionalbahn 23, die dann zur S-Bahn umgetauft wird. Doch weit gefehlt. Zwar gehen zwei neue Haltepunkte in Betrieb (Endenich-Nord und Alfter-Impekoven) und zwischen Duisdorf und Witterschlick wird künftig zweigleisig gefahren, aber für den Fahrgast wird es schwieriger.

Denn der Fahrplan hat keinen leicht zu merkenden 15-Minuten-Takt mehr, sondern einen 17-/13-Minuten-"Humpeltakt", wie Grünen-Verkehrsexperte Rolf Beu (MdL) das nennt. "Dies spricht der gleichzeitigen Umbezeichnung in eine S-Bahn Hohn", meint er. "Nirgendwo im Bundesgebiet ist eine S-Bahn bekannt, die fahrplanmäßig in so einem »Un-Takt« verkehrt." Der Grund dafür liegt in den neuen Lint-Triebwagen, die durch ihre geringere Zahl an Türen eigentlich nicht für einen S-Bahn-Betrieb mit häufigen Stopps geeignet sind, so Beu. Besonders nachteilig sind aber ihre extrem langsamen Türöffnungszeiten.

Tatsächlich sei der neue, ungünstige Takt auf das Türproblem zurückzuführen, bestätigte Holger Klein, Sprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg. Aber nicht nur wegen der Zahl der Türen und der längeren Öffnungs- und Schließzeiten. Es gebe vielmehr auch eine neue Sicherheitsnorm.

SPD-Ratsfrau Gabi Meyer hat gehört, dass man an einer Verbesserung der Technik arbeitet und die Fahrzeiten schnellstmöglich wieder anpassen will. Doch diese Hoffnungen muss Klein enttäuschen: Zwar seien Prozesszeiten durch Optimierungen um wenige Sekunden eingekürzt worden, aber: "Die verlängerten Türöffnungszeiten werden sich nicht ändern, deshalb musste der Fahrplan ja umgestrickt werden", sagte er dem GA. Es gebe keine Alternative zu den "krummen Takten". Um den alten Takt umzusetzen, hätte die Wendezeit im Hauptbahnhof auf vier Minuten herabgesetzt werden müssen, was nicht machbar sei.

Doch auch darüber hinaus ist Beu mit den Anschlüssen unzufrieden. So solle der Zug zum Beispiel den Bonner Hauptbahnhof Richtung Duisdorf werktags zur Minute 09 verlassen, während die RB 30 aus Ahrtal/Remagen/Bad Godesberg kommend den Bahnhof fahrplanmäßig zur Minute 08 erreicht. "Ein Umsteigen innerhalb einer einzigen Minute scheint ausgeschlossen", glaubt er. In Gegenrichtung erreicht die S 23 Bonn-Hbf zur Minute 50, während die RB 30 den Bahnhof nur 1 Minute früher (Minute 49) verlassen hat. Auch aus Richtung Köln seien die "Anschlusszeiten" unakzeptabel.

Wer mit der RE 5 oder der Mittelrheinbahn aus Köln im Bonner Hauptbahnhof ankommt, müsse 14 Minuten bis zur Abfahrt der S 23 warten, weil die vorige Bahn gerade vor einer Minute abgefahren ist. Beu: "Hier noch von Anschlüssen zu sprechen, wäre vermessen." Die Bahn sagt dagegen, im Verspätungsfall werde die Anschlussstabilität deutlich zuverlässiger.

Ob die 23 mit "S" für "schnell" ihrem Namen gerecht werden kann, bezweifelt auch die SPD. "Sollte es weiter so viele Verspätungen und Zugausfälle geben wie in den letzten Wochen und Monaten, müssen die Verantwortlichen beim Zweckverband Nahverkehr Rheinland reagieren und Fehler korrigieren", fordern Werner Esser und sein Bezirkskollege Wolfgang Groß. Ziel müsse sein, dass die Züge in der alten Qualität und wieder so pünktlich fahren, dass man die Uhr danach stellen könne. (Rolf Kleinfeld)