Bahnstrecke Bonn - Euskirchen

Politik macht Druck- Mängel an der S23

Verspätungen, Ausfälle, langsame Türen: Die neuen Züge auf der Voreifelstrecke haben viel Verdruss bei den Fahrgästen hervorgerufen. FOTO: KOHLS

Verspätungen, Ausfälle, langsame Türen: Die neuen Züge auf der Voreifelstrecke haben viel Verdruss bei den Fahrgästen hervorgerufen.

12.05.2015 BONN. Die vielen Beschwerden und Proteste wegen unpünktlicher und ausfallender Züge auf der S 23-Strecke zwischen Bonn und Euskirchen, das zu geringe Platzangebot und die verlängerter Umsteigezeiten hat zu einer Reaktion des Bonner Stadtrates geführt.

In der jüngsten Sitzung wurden eine Reihe von Qualitätsverbesserungen gefordert. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und die Bonner Mitglieder in den Gremien des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR) sollen sich für eine nachhaltige Optimierung des Angebots der Voreifelbahn einsetzen, lautete der entsprechende Ratsbeschluss.

Gemeinsam mit den Vertretern des Rhein-Sieg-Kreises sollen sie sich gegenüber NVR, Bund, Land und der Deutschen Bahn (DB) für eine Reihe von Verbesserungen stark machen. Zu den Forderungen, die die Bahn kurz- bis mittelfristig umsetzen soll, zählen etwa ein besseres Taktangebot sowie eine bessere Anschlusssituation am Bonner Hauptbahnhof in beide Fahrtrichtungen. Zudem soll die Voreifelbahn pünktlicher und zuverlässiger werden, die Fahrgäste sollen besser informiert werden.

Mehr noch: Mittel- bis langfristig sind geeignete S-Bahn-taugliche Fahrzeuge einzusetzen, die Linie zu elektrifizieren und Schwachstellen in der Infrastruktur auf der Strecke und im Hauptbahnhof zu beseitigen, fordert der Rat. Außerdem unterstützt er eine entsprechende "Gemeinsame Erklärung" aller Fraktionen im Zweckverband Nahverkehr Rheinland vom 16. Januar.

Darin heißt es: "Vor dem Hintergrund der andauernden Schlechtleistungen im Dieselnetz wird die NVR-Geschäftsführung aufgefordert, mittelfristig - und nicht erst gegen Ende der 20-jährigen Vertragslaufzeit im Dieselnetz - die EU-rechtskonforme Elektrifizierung vor allem derjenigen Dieselstrecken voranzutreiben, auf denen nur der Einsatz von spurtstärkeren elektrischen Triebfahrzeugen einen verlässlichen Betrieb sicherstellt. Dies gilt vornehmlich für die Strecke zwischen Euskirchen und Bonn."

Als Folge hatte die Deutsche Bahn (DB) Regio NRW und der Zweckverband Nahverkehr Rheinland bereits angekündigt, die Fahrpläne auf der Strecke der S 23 (Voreifelbahn) zwischen Bonn und Euskirchen sowie die Eifel-Verbindungen nachzubessern und ab Mitte Juni zwei Verbindungen anzupassen, damit wieder ein "sauberer" 15-Minuten-Takt möglich wird. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember gibt es nur einen "holprigen" 13-/17-Minuten-Takt. Laut NVR sind die teils gravierenden Mängel an den Zügen vom Typ Coradia Lint mittlerweile vom Hersteller Alstom behoben.

Bewegung gibt es auch hinter den Kulissen, was die Elektrifizierung der Strecke angeht, damit keine Dieselloks mehr unterwegs sein müssen. Bei einer gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse Bonn und Rhein-Sieg-Kreis haben sich alle Mandatsträger einstimmig für die Elektrifizierung der S 23-Strecke ausgesprochen - eine wichtige Voraussetzung auf dem politischen Weg dorthin.

Bei dieser Sitzung haben sich die Verantwortlichen der Bahn, Reiner Latsch und Dirk Helfert, offiziell bei allen Bahnkunden für die Mängel der letzten Wochen und Monaten im Betrieb entschuldigt. Erfreulich fand das der Bonner Ausschussvorsitzende Rolf Beu (Grüne) und meinte: "Nun heißt es aber, nach vorne zu schauen und dieses Desaster als Chance zu nutzen, um bereits mittelfristig - und nicht erst zum Vertragsende im Jahr 2033 - eine wirkliche S-Bahn-Qualität zu erhalten. Denn bisher sind ja lediglich Haltestellenabstände und die Bezeichnungen wirklich S-Bahn-würdig."

Er glaubt, diese jeweils einstimmigen Voten für die Elektrifizierung und den Vollausbau zur S-Bahn seien ein starkes Signal der Region, "das NVR, DB, Land und Bund nicht ignorieren können", so Beu. (Rolf Kleinfeld)