Ausbau der Lingsgasse

Lengsdorfer Dorffeste sind gefährdet

Aus der Luft: Oben sieht man die Pfarrkirche St. Peter mit Friedhof, darunter den zum Parken genutzten Dorfplatz. Links davon liegt der Hünten-Hof mit Fachwerkhaus und der früheren Scheune. Der freie Bauplatz liegt davor und am bewachsenen Hang zur Lingsgasse.

Aus der Luft: Oben sieht man die Pfarrkirche St. Peter mit Friedhof, darunter den zum Parken genutzten Dorfplatz. Links davon liegt der Hünten-Hof mit Fachwerkhaus und der früheren Scheune. Der freie Bauplatz liegt davor und am bewachsenen Hang zur Lingsgasse.

Lengsdorf. Die Hardberger Politiker stimmter einem Vorentwurf zur Verbreiterung der Lingsgasse zu. Das Tauziehen um eine Bebauung neben dem Hünten-Hof könnte Auswirkungen für alle Dorffeste in Lengsdorf haben.

Der Ausbau der schmalen Lingsgasse in Lengsdorf ist seit Jahren auf die lange Bank geschoben. Ein Grund dafür ist: Die Stadt hat Probleme mit einem privaten Baugrundstück oberhalb der Straße.

Dabei hätte alles so einfach sein können. Die Stadt, die zur Verbreiterung der Straße auf eigene Kosten eine rund 120 000 Euro teure Stützwand bauen will, bräuchte nur das von einem Investoren-Trio gewünschte Mehrfamilienhaus für sechs Parteien neben dem historischen Hünten-Hof genehmigen und wäre fein raus. Dann könnte sie die Kosten der Stützwand sparen, weil statt dessen die Außenmauern der geplanten privaten Tiefgarage den Hang sichern würden. Auch der Eingang zum Neubau würde dann in der Lingsgasse liegen.

Hätte, könnte, würde: Die Stadt fände die Tiefgarage prima, lehnt das Bauvorhaben im Hang aber als zu massig ab. Außerdem verlangt sie, den Neubau nicht frei zu stellen, sondern direkt an die sanierte Backsteinwand der alten Hünten-Scheune anzubauen, berichten die drei privaten Eigentümer Michael Tapella, Iris Sonneborn und Klaus Schöler. Und das kommt wiederum für sie nicht in Frage: „Das verschandelt das Denkmal“, finden die drei.

Nächster Punkt: Bei deutlich geringerer Baumasse, etwa für ein Ein- oder Zweifamilienhaus, würde sich der Bau einer Tiefgarage wirtschaftlich nicht mehr rechnen. Damit taucht gleich das nächste Problem auf, das die Lengsdorfer Vereine wohl am brennendsten interessieren dürfte. Denn für das Baugrundstück besteht ein eingetragenes Wegerecht.

Im Detail: In einem Grundstücksvertrag von 1966 ist verfügt, den Eigentümern des Hünten-Hofs sei ein solches Recht im Grundbuch notariell zu sichern. Und zwar über die Fläche, die heute der Lengsdorfer Dorfplatz ist. Das Investoren-Trio, das die damals brach liegenden Ruine 2011 kaufte und denkmalgerecht sanierte, könnte darauf zurückgreifen. Sie müsste es sogar, wenn nur ein Ein- oder Zweifamilienhaus oben auf der Hangkante möglich wäre.

Gespräche mit der Stadt laufen seit eineinhalb Jahren

Und das wiederum bedeutet nicht nur, dass sechs bis acht Parkplätze auf dem Dorfplatz entfielen, damit eine Zufahrt gebaut werden kann, sondern dass auch bei künftigen Festen die Rettungswege zum Neubau frei bleiben müssten. Ergo: Jedes Dorffest wäre damit in Gefahr. „Aber das wollen wir nicht“, versichern die Investoren. „Schließlich haben wir ja selbst schon hier mitgefeiert und die Atmosphäre genossen.“

Seit eineinhalb Jahren laufen die Gespräche mit der Stadt, ohne Ergebnis. Und die Investoren verlieren langsam die Geduld, weshalb sie die Öffentlichkeit suchen. „Wir wollen jetzt auch mal darstellen, woran es aus unserer Sicht hapert und welche Schwierigkeiten auf die Dorffeste zukommen könnten, wofür wir aber nicht verantwortlich sind“, sagen sie.

Was das Wegerecht angeht, macht die Stadt noch keine Aussagen für die Zukunft: „Wie die Zufahrt zu dem Gebäude vorzunehmen ist, kann erst in Zusammenhang mit einer konkreten genehmigungsfähigen Planung geklärt werden, die nicht vorliegt“, teilte das Presseamt auf Anfrage des GA mit. Auch zum Wegfall von Parkplätzen auf dem Dorfplatz und die Auswirkungen auf künftige Feste sei eine Aussage erst möglich, wenn diese Planung vorliege.

Dabei drängt die Politik auf eine gütliche Lösung. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg wurde die Verwaltung beauftragt, dem Investor Möglichkeiten zur genehmigungsfähigen Planung des Bauvorhabens aufzuzeigen, um städtische Kosten für die Stützmauer zu reduzieren. Doch im Stadthaus will man einen anderen Weg gehen und hat sich damit abgefunden, die Mauer alleine zu bauen und zu bezahlen: „Der Ausbau ist nun für 2019 ohne Investorenbeteiligung geplant“, so die Auskunft des Presseamtes.

Auch die Möglichkeit, den alten Bebauungsplan aufzuheben, um das Bauprojekt möglich zu machen, hält das Bauordnungsamt für nicht zielführend. Denn selbst dann würde sich der Neubau nicht in die Umgebung einfügen. Im übrigen sei eine Aufhebung zeitlich genauso aufwendig wie eine Änderung des Bebauungsplanes. Die Investoren dagegen stellen zur Baumasse klar: „Das Gebäude würde nicht größer als das der VR-Bank schräg gegenüber.“