Hardtberg-Gymnasium

Leiterin geht nach 24 Jahren

Im Garten mit dem grünen Klassenzimmer: Schulleiterin Inge Stauder geht in den Ruhestand.

Im Garten mit dem grünen Klassenzimmer: Schulleiterin Inge Stauder geht in den Ruhestand.

Brüser Berg. Mit 65 Jahren ist es nun Zeit zu gehen, auch wenn Schulleiterin Inge Stauder gerne noch weitergemacht hätte, wie sie sagt. Die Oberstudiendirektorin verabschiedet sich am 7. Juli offiziell.

Beim Gang über den Schulhof oder durch den Garten merkt man schnell, wie sehr Inge Stauder an ihrem Hardtberg-Gymnasium hängt. Nach fast 24 Jahren Dienst im Haus hat sie eine enge emotionale Bindung aufgebaut: zu den Schülern, Kollegen und Eltern.

Ihre Ziele hat sich Inge Stauder immer hoch gesteckt: „Nachhaltige Bildung liegt mir sehr am Herzen.“ Sie will die Jugendlichen zu „Persönlichkeiten erziehen, die heute und auch in Zukunft umweltbewusst mit unseren Ressourcen umgehen“. Sie denkt dabei an Wasser, Luftreinhaltung, den Boden und überhaupt einen umweltbewussten Lebensstil. Doch wie es an einer Schule üblich ist, wird das den Jugendlichen anhand konkreter Beispiele beigebracht, etwa wenn es um den Plastikmüll in den Weltmeeren geht. Gern gehen die Biolehrer auch ins noch recht neue grüne Klassenzimmer im Schulgarten oder an den Teich. Stauder ist stolz auf zahlreiche Gütesiegel fürs Lernen, die musische und sprachliche Erziehung, die Ernährung und die Naturwissenschaften.

Letztere sind ihr Spezialgebiet: Die gebürtige Düsseldorferin kam mit zwölf Jahren nach Bad Godesberg, wo sie 1970 ihr Abitur am Clara-Fey-Gymnasium machte und sich dann an der Bonner Uni zum Chemie- und Mathestudium einschrieb. Nach dem Referendariat in Wuppertal kam sie 1978 für 14 Jahre ans Niederkasseler Kopernikus-Gymnasium und dann ans Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Kessenich (heute das Bonner Weiterbildungskolleg). Mit ihrem Mann zusammen am Friedrich-Ebert-Gymnasium zu unterrichten, kam für Inge Stauder nicht infrage. „Wir wollten das Private und den Beruf trennen“, sagt die quirlige Mutter einer Tochter und eines Sohnes – mittlerweile auch zweifache Oma.

So war es dann das vierzügige Hardtberg-Gymnasium mit heute 950 Schülern. Ein bisschen durcheinander ging es 1993 los, erst als kommissarische Vizedirektorin, dann echte Vizedirektorin. Auch die Schulleitung übernahm sie bis Anfang 1994 nur kommissarisch. „Es war nicht immer eine einfache Zeit“, blickt Inge Stauder zurück und denkt dabei an die drohende Schließung 1996, als aus dem Gymnasium sowie der Real- und Hauptschule nebenan eine Gesamtschule mit 1600 Schülern werden sollte.

Es gab jede Menge Widerstand. Am Ende gab es nur 48 Erstanmeldungen, 112 wären nötig gewesen. „Die zweite Herausforderung war die PCB-Verseuchung“, sagt die Schulleiterin. Trakt A, B und C wurden kurz nach der Jahrtausendwende innerhalb von vier Jahren komplett erneuert. Ständig mussten alle umziehen. „Ich habe dann auf dem Schulhof experimentiert und den Campingkocher aufgebaut“, sagt die Direktorin, die heute in Bad Godesberg wohnt. Im Freien ließ sie Schwefel mit Kupfer in einem Reagenzglas reagieren, auf das ein Luftballon gesteckt war. Das Warten hatte sich gelohnt: Aus dem dunklen Betonbau ist nach der Sanierung eine helle Schule mit einem völlig neuen Raumprogramm geworden. Seit 1970 ist das Gymnasium bilingual mit Französisch. Die Schüler können das französische Pendant zum Abitur erwerben, das Baccalauréat.

Immer nur lernen, geht aber auch nicht: Nicht nur die Direktorin, auch ihre Schüler erinnern sich gern an die Skitouren nach Pfunds. Mit Mitte 50 machte Stauder noch eine Skilehrerprüfung. Zudem hat Stauder eine klassische Gesangsausbildung, mag aber auch Rock und Pop: „Stampfrhythmen weniger.“ Ihr Engagement in der Politik, etwa als CDU-Bezirksverordnete, habe sie immer strikt von ihrem Beruf getrennt, sagt sie. Heute ist sie sachkundige Bürgerin im Schulausschuss.

Die Schüler haben sich verändert: „Es gab gesellschaftskritischere Generationen“, sagt sie. Früher sei man häufiger gegen etwas gewesen, heute sei die Jugend dafür konstruktiver. „Die Urteilsfähigkeit wird heute stärker geschult“, sagt Stauder. „Der Lehrer wird immer mehr zum Moderator von Lernprozessen.“ Aber auch zum Opfer der Schüler, etwa bei den Abigags. „Da musste ich mal auf einem Pferd reiten und ein bockiges Schaf an der Leine führen“, sagt die Direktorin. Das hat sie damals gern gemacht.

Froh ist sie, dass ihre Nachfolge „auf einem guten Weg ist“. Näheres will sie dazu noch nicht sagen. Aber für ein paar Wochen ist die Schulleitung ja noch ihr Job – und solange auch Berufung.