Zwei Seelsorger erzählen

Leben mit Krankheit und Tod

Die Patres Victor Gisbertz (l.) und Gottfried Michelbrand in der Kapelle des Malteserkrankenhauses.

Die Patres Victor Gisbertz (l.) und Gottfried Michelbrand in der Kapelle des Malteserkrankenhauses.

Hardtberg.

Als der damalige Verwaltungschef des Malteser-Krankenhauses vor 43 Jahren die beiden Dominikaner Pater Gottfried Michelbrand (71) und Pater Victor Gisbertz (76) in seinem Haus willkommen hieß, ließ er die beiden Ordensleute wissen, dass er sie gerne als Seelsorger oder Sozialarbeiter einstellen würde. „Doch was Sie hier machen sollen, kann ich Ihnen nicht sagen“, entgegnete er ihnen damals.

„Es war die Zeit“, sagt Pater Victor, „in der die Themen Tod und Sterben in Krankenhäusern noch tabuisiert wurden.“ Und es war 1975 die Zeit, in der Konflikte im Walberberger Dominikanerkonvent zur Schließung der dortigen Philosophisch-Theologischen Hochschule führten, an der auch die beiden Patres studiert hatten.

„Als wir anfingen, da war das Malteser-Krankenhaus noch ein Haus auf der grünen Wiese. Aber modern und mit vielen zukunftsweisenden Ansätzen“, erinnert sich Pater Gottfried. Es gab schon eine Kita, eine Fünftagewoche und kleine Gruppenpflegeeinrichtungen statt großer Stationen. Doch unter Krankenhausseelsorge verstand man vor allem das Spenden der einst sogenannten Sterbesakramente. Den universal gebildeten Patres, die neben Philosophie und Theologie auch auf ihr Wissen als Diplom-Psychologen zurückgreifen konnten, lag es von Anbeginn ihrer Tätigkeit am Krankenhaus fern, die kranken oder leidenden Menschen auf ihrem Sterbebett zu bekehren.

43 Jahre lang waren sie die oftmals schon vertrauten Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte von Patienten, Personal und Ehrenamtlern sowie für ihre Gemeinde, die sich oft mit bis zu 250 Gläubigen bei den Gottesdiensten in der Krankenhauskapelle versammelte. Gut möglich, dass Pater Victor und Pater Gottfried in ihrer empathischen Zugewandtheit auch ein Vorbild für junge Menschen sind, die sich – wie sie selber vor mehr als 50 Jahren – aufgrund ihrer guten Vorbilder für den Eintritt in das Kloster entschieden.

Beide Patres stammen aus kinderreichen Familien: Victor Gisbertz aus Moers, Gottfried Michelbrand aus Rechterfeld bei Oldenburg. „Ich wollte damals alles andere als Arzt werden“, sagt Pater Victor, der aus einer Ärztefamilie stammt und nun auf ein Berufsleben im Krankenhaus zurückblickt. „Die größte Sünde, die meine Eltern begangen haben“, erzählt Pater Gottfried, sei es gewesen, ihn auf ein Internat zu schicken. Er habe dort in dem Kolleg der Dominikaner in Vechta, nur wenige Kilometer von seinem Elternhaus entfernt, „Heimweh ohne Ende“ gehabt.

Doch nach dem Abitur 1968 entschied er sich, wie auch sein Mitbruder Victor, für ein Noviziat im Warburger Dominikanerkloster. Anfang der 1970er Jahre wurden beide Patres in Walberberg zum Priester geweiht. Wenn sie nun nach über vier Jahrzehnten in der nahezu täglichen Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod ihren Arbeitsplatz an den indischen Pater Jaimon Vengacheriyil Kora übergeben, werden sie der Zeit nicht nachtrauern.

„Es war nicht immer einfach, tagtäglich mit dem unsäglichen Leid, mit Schmerzen und dem Tod umzugehen“, erzählt Pater Gottfried. Pater Victor wird die Ruhe im Dominikanerhaus Giersberg zu nutzen wissen, während Pater Gottfried für einige Wochen sein Patenkind in Neuseeland besucht.

Beide blicken auf eine vielfältige und in all ihren Facetten kaum zu ersetzende Arbeit zurück, in der sie deutliche Spuren hinterlassen haben. In Menschen und an Orten. Pater Gottfried wird vielen jungen Ärzten im Gedächtnis bleiben, der ihnen in seinen Ethikseminaren Einsichten vermittelt hat, mit denen sie in Grenzsituationen ihrer Arbeit umzugehen gelernt haben. Die Patres konnten mit ihnen über den Umgang mit Schwerkranken, Sterbenden, Verstorbenen und ihren Angehörigen sprechen; ihnen die Aufklärung und Begleitung von Tumorpatienten oder den Umgang mit Suizidpatienten vermitteln. „Manchmal ist schon das Zuhören das Wichtigste“, sagen beide.

Zudem standen sie auch bei Konflikten mit Ärzten, Pflegenden oder schwierigen Patienten zur Verfügung. Über Jahre haben die Brüder Schulungen für mehrere Krankenhäuser durchgeführt und ethische Konzepte erarbeitet. Auch die Palliativstation im Malteserkrankenhaus geht auf eine Initiative der beiden Dominikaner zurück. „Was wir richtig gut gemacht und früh erkannt haben“, resümiert Pater Gottfried, „ist, dass man alleine nichts machen kann.“ Auch Pater Jaimon wird auf die Unterstützung der zurzeit etwa 60 seelsorgerisch tätigen Ehrenamtlichen bauen können, wenn er im Februar seine Arbeit als neuer Krankenhausseelsorger des Malteser-Krankenhauses aufnehmen wird.