Jesuskind und Stall sind neu

Krippe in Kapelle an Uniklinik ist wieder vollständig

Die Heilige Familie hat wieder ein Dach über dem Kopf: Pfarrer Müller (links) mit Wolfgang Mans an der Krippe.

Die Heilige Familie hat wieder ein Dach über dem Kopf: Pfarrer Müller (links) mit Wolfgang Mans an der Krippe.

Venusberg. Der Holzkünstler Wolfgang Mans hat die Familie in der Krippe auf dem Venusberg wieder vervollständigt. Ab Heiligabend ist sie in der Kapelle zu bestaunen.

Die jungen Eltern haben in den vergangenen Jahren wirklich viel durchgemacht: Josef fehlten die Schuhe, Maria konnte nicht mehr sitzen, und seit einiger Zeit war auch noch ihr Kind verschwunden. Doch jetzt ist die Familie in der Krippe wieder vereint und hat dazu noch ein neues Dach über dem Kopf. Zu verdanken hat sie das einem leibhaftigen „Schutzengel“.

Als Personenschützer hat Wolfgang Mans aus Ippendorf viele Jahre auf das Leben der früheren Bundestagspräsidentin Annemarie Renger achtgegeben. Heute schnitzt und drechselt der ehemalige GSG-9–Beamte in seiner Werkstatt Krippen und Engel für die Weihnachtszeit. Dort ist in den vergangenen Wochen nicht nur ein neuer Stall für die Krippe in der Kapelle der Uniklinik gezimmert worden, sondern Mans hat bei seinem Urlaub in Südtirol auch ein passendes Jesuskind entdeckt, es „adoptiert“ und ins heimische Rheinland mitgenommen.

„Endlich ist unsere Krippe wieder vollständig“, freut sich Pfarrer Bernd Müller vom Seelsorgeteam der Kliniken. Allerdings musste Mans kosmetische Feinheiten an dem Knaben vornehmen, damit er optisch zu seinen Eltern passt. An der Werkbank waren außerdem ein paar „chirurgische“ Eingriffe an den Eltern nötig, um sie erneut fit zu machen.

Neuen Stall gezimmert

Deutlich in die Jahre gekommen war zudem der Stall, der einst in der Schreinerwerkstatt der Klinik entstanden war. Mans zimmerte der Familie eine neue Unterkunft im alpenländischen Stil. „Das Besondere ist die Kombination aus Holzelementen und verputzten Flächen“, erklärt Wolfgang Mans. Besonders stolz ist er auf die Holzschindeln, die alle in Handarbeit in seiner Werkstadt am Wurzelbusch in Ippendorf entstanden sind.

„So hat doch noch alles ein gutes Ende genommen“, präsentiert Pfarrer Müller die neu gestaltete Krippe, die ab Heiligabend in der Kapelle stehen wird. Obwohl – und dabei müssen der Pfarrer und der Schnitzer schmunzeln – Maria und Josef mittlerweile das vierte Kind in ihren Armen wiegen. „Mitte der 1990er Jahre wurde das Jesuskind aus der Krippe gestohlen“, erinnert sich Lucia Oleveira, die sich seit Jahren um die Kapelle kümmert. Nachdem man zunächst mit einer scheußlichen Plastikpuppe vorlieb nahm, wurde diese irgendwann durch eine Wachsfigur ersetzt. „Aber wir hatten ständig Angst, dass sie in der warmen Kapelle schmilzt“, sagt Oleveira.

Pfarrer Müller ist von der neuen Krippe so fasziniert, dass er überlegt, sie in diesem Jahr an einem anderen Ort zu platzieren. „Bisher stand sie immer auf einem Tisch in einer Seitennische. Aber ich glaube, dass sie direkt unter dem Altar viel besser zur Geltung kommt“, überlegt er. Schließlich sei die Weihnachtsgeschichte eine Stütze des Glaubens und der Platz unter dem Altar somit von symbolischer Bedeutung.

Besonderer Ort

Für Bernd Müller ist die kleine Kapelle, die gerade einmal Platz für 36 Gläubige hat, sowieso ein ganz besonderer Ort. Während die Gottesdienste sonntags und an Feiertagen auch von Bewohnern der umliegenden Wohngegend besucht würden, sei das „Kapellchen“ für Patienten, Angehörige und die Mitarbeiter ein einmaliger Rückzugsort.

„Viele kommen hierhin, weil ihr Leben plötzlich eine andere Wendung nimmt. Sie suchen Hilfe und stellen ihr Leben infrage. Hier finden sie den Resonanzboden für unterschiedliche Lebensthemen“, sagt er und ergänzt: „Jede Krise ist eine Chance. Und jede Krankheit ist nun einmal eine Krise.“ Deshalb nehmen Kapelle und Kirche auf dem Klinikgelände eine besondere Stellung ein. „Sie sind rund um die Uhr geöffnet, um jedem Zuflucht zu bieten. Sie stehen Tag und Nacht zur Einkehr offen. Das ist eine Besonderheit.“

Unmittelbar nach Kriegsende sind die beiden Gotteshäuser auf dem Venusberg gebaut worden. „Früher war die Kapelle ein dunkler Ort“, erinnert sich Lucia Oleveira. Vor einigen Jahren habe man den Raum neu gestaltet. Eine Mauer im Bereich des Altars wurde eingerissen, die Wände hell gestrichen. Schüler der Glasfachschule Rheinbach schufen die modernen Kirchenfenster sowie den gläsernen Altar. Mittelpunkt ist eine Kreuzigungsszene hinter dem Altar, die ebenfalls auf Glas verewigt wurde.