Die Vogelfreunde Lengsdorf werden 50 Jahre alt

Koko gurrt, keckert und flötet meisterlich

Man versteht sich: Wolfgang Schmelzer mit Quatschkopf und Graupapagei Koko.

Lengsdorf. Aufgeregtes Vogelgezwitscher empfängt Wolfgang Schmelzer, als er die Türe der Voliere hinter sich schließt. "Koko, mach Platz", kräht eine heisere Stimme am hinteren Ende des Gangs. "Halt den Schnabel, alter Quatschkopf", brummt Schmelzer, wobei er vergnügt mit den Augen zwinkert, dass die Lachfalten sich noch ein bisschen tiefer eingraben.

Schmelzer zwängt sich durch den Gang und öffnet den Käfig. Ein grauer Papageienkopf guckt um die Ecke, mit kurzen, ruckartigen Bewegungen dreht sich der Kopf in alle Richtungen, schwarze Pupille auf gelber Iris mustert den unbekannten Gast aufmerksam-misstrauisch. Dazu gurrt, keckert und flötet der Vogel ohne Unterlass.

Versonnen betrachtet Schmelzer seinen Graupapagei Koko und blinzelt wieder vergnügt mit den Augen. "Die Graupapageien sind meine Lieblinge, das sind imposante Tiere, anhänglich und intelligent, mit denen kann man sprechen", sagt Schmelzer. Doch Koko und seine Partnerin Kiki sind nur zwei von vielen Vögeln Schmelzers. Wie viele sind es eigentlich?

Lachfältchen, Schulterzucken. "Weiß ich nicht so genau, zwischen 80 und 100 Vögel." Schmelzer ist Geschäftsführer der Vogelfreunde Lengsdorf. "Seit meiner Schulzeit züchte ich Vögel", sagt Schmelzer. Zunächst waren es Zebrafinken, Wellensittiche und Kanarienvögel, heute züchtet der 62-Jährige auch viele Exoten, deren Pflege mehr Wissen und Erfahrung braucht. Sie leben in großen Volieren im Garten hinterm Haus des 62-Jährigen. 1978 kam Schmelzer zu den Vogelfreunden, die sich 1963 gründeten und damit in diesem Jahr 50 Jahre alt werden. Der genau Gründungstag sei nicht mehr nachvollziehbar, aber dass es damals elf Vogelliebhaber waren, die den Verein aus der Taufe hoben, da sind sich die Vereinschronisten sicher.

21 Mitglieder zählt der Verein heute. Das ist nicht gerade viel und ein Hinweis darauf, dass dieses Hobby nicht viele Freunde hat. "Ach doch, Züchter gibt es schon eine Menge", meint der 62-Jährige. Nur die Vereine täten sich schwer, Mitglieder zu finden. "Früher gab es Vogelzuchtvereine in Tannenbusch, Friesdorf, Beuel, Bornheim und Königswinter", sagt Schmelzer. Diese Vereine gebe es alle nicht mehr: "Wir sind auf Bonner Gebiet der einzige Vogelverein, der noch existiert." Das stimmt laut Vereinsregister des Amtsgerichts Bonn nicht ganz, demnach gibt es zumindest noch seit 1985 die "Kanarienfreunde Röttgen".

Tatsache ist aber auch, dass diese Vereine verschwinden. Warum? "Die Leute interessieren sich nicht mehr dafür, ich weiß nicht, warum. Zu viel Aufwand oder Verantwortung?" Schmelzer selbst kann dem Hobby immer wider neues abgewinnen, liebt es, das Verhalten der Tiere zu beobachten oder ihre Farbenvielfalt. Aber der Nachwuchs bleibt aus, auch wenn die Kinder jedes Mal von den Ausstellungen des Vereins "begeistert" seien. Die fanden zunächst in "Schlössers Jupp" statt, 1982 ging es in die Mehrzweckhalle Lengsdorf. 2009 mussten die Züchter jedoch umziehen, die Miete in der Kreuzberghalle wurde zu hoch. Seitdem finden die Ausstellungen im Bürger- und Vereinshaus statt.

Dort soll Anfang November auch die Ausstellung zum 50. Geburtstag des Vereins stattfinden. "Wir haben das Vereinshaus für anderthalb Wochen gemietet", sagt Schmelzer. Denn der Auf- und Abbau der Käfige sei sehr aufwendig: "Wir zeigen die Vögel in naturgestalteten Biotopvolieren." Dabei können sich auch die Züchtungen Schmelzers durchaus sehen lassen, für besonders schöne Farbvarianten hat auch er schon erste Preise kassiert.

Allerdings wendet Schmelzer auch viel Zeit und Geld für sein Hobby auf. Zu viel, finden manche. "Meine Frau meint schon ab und zu, dass ich die Tiere abschaffen soll", meint er. Und die Lachfältchen sind wieder da.