Hitzewelle und Tropennächte

Klimaexperte warnt vor Überhitzung in Bonn

Karsten Brandt warnt vor einer Bebauung des Meßdorfer Feldes, das als Frischluftschneise für Bonn dient.

Karsten Brandt warnt vor einer Bebauung des Meßdorfer Feldes, das als Frischluftschneise für Bonn dient.

Duisdorf. Der Bonner Meteorologe Karsten Brandt hat in einem Vortrag vor den Klimafolgen einer Bebauung von Frischluftschneisen wie das Meßdorfer Feld gewarnt. In seiner Abhandlung erklärte Brandt auch für die Temperatur in Bonn: „Die Erwärmung geht schneller voran als erwartet.“

Eine Bebauung des Meßdorfer Feldes würde eine Erwärmung der Stadt Bonn um ein Grad nach sich ziehen, prognostiziert der Bonner Klimatologe Karsten Brandt. Das klingt nicht nach viel, aber das führe zu klimatischen Verhältnissen, wie man sie bislang 700 Kilometer weiter südlich antrifft. Für die Menschen, denen er das am Donnerstagabend im Kulturzentrum Hardtberg erläuterte, war das wohl die Kernaussage des Vortrags über die Bedeutung von Frischluftschneisen wie die zwischen Endenich und Duisdorf für das Bonner Klima.

„Wir sollten sehen, dass diese große Freifläche erhalten bleibt“, ist der Wetterexperte überzeugt. Damit sprach er den Veranstaltern aus der Seele: Eingeladen hatte die Bürgerinitiative zur Erhaltung des Meßdorfer Feldes, die sich seit Jahren gegen eine weitere Bebauung des „Lorth-Zipfels“ (benannt nach dem ehemaligen Bezirksvorsteher Gerhard Lorth) und anderer Bereiche des Feldes einsetzt. Und auch die Zuhörer stimmten Brandt zu.

In seiner Abhandlung erklärte Brandt für die Temperatur in Bonn: „Die Erwärmung geht schneller voran als erwartet.“ Er stellte eine Prognose vor, die er selbst 2005/06 erstellt hatte: Danach hat die Jahresdurchschnittstemperatur in Bonn mit 12,8 Grad schon jetzt annähernd den Wert erreicht, den er damals für 2040 errechnet hatte. Brandt betonte, „dass der Sommer 2018 eine Blaupause für das ist, was uns in den nächsten Jahrzehnten erwartet“. Hitze- und Schwületage sowie Tropennächte würden künftig zunehmen.

Bonn als Stadt in Kessellage mit Umkehrwetterlagen brauche die Frischluftschneisen, damit die Luft in Bewegung bleibt und sich Schadstoffe verteilen können, so Brandt. Gegen die Überhitzung müsse man in Bonn viele Bäume pflanzen – am besten eine Million – und Dächer begrünen. „Wir sollten die Stadt zu einer Oase machen.“ Der Wetterfachmann bedauerte, dass die Stadtverwaltung im Konflikt zwischen Wohnungsbedarf und Erhalt des Stadtklimas meistens ökonomischen Interessen den Vorrang gebe. Er appellierte an die Bürger, selbst aktiv zu werden, wie es die Bürgerinitiative vormache, und sich auch nicht auf Politiker zu verlassen. „Die Politik drückt sich auch ein bisschen“, meinte er.

Allerdings fordert der Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr, der an diesem Samstag sein 100-jähriges Bestehen feiert, mehr bezahlbaren Wohnraum und hält mit Blick auf das Ausweisen von neuen Grundstücken auch Teile von Grünflächen wie das Meßdorfer Feld nicht für unantastbar.

„Ich möchte das Meßdorfer Feld in Gänze nicht infrage stellen, aber dort könnte man an eine ganze Reihe machen“, so der Vorsitzende Bernhard von Grünberg (SPD). In diesem Zusammenhang äußerte er auch sein Unverständnis darüber, dass das Areal der Ex-Stadtgärtnerei nicht bebaut werde. Den Gegnern einer Bebauung des Meßdorfer Felds, die auf die Bedeutung der Fläche als Frischluftschneise hinweisen, hielt von Grünberg entgegen, dass es durch das Wohnungsproblem in Bonn viel Pendelverkehr gebe, der für eine hohe Klimabelastung mitverantwortlich sei.