Polizei ermittelt am Brüser Berg

Kinder und Jugendliche stehlen säckeweise Post

Diesen Ablagekasten an der Ecke Celsius-/Riemannstraße haben die jugendlichen Diebe mit einem gestohlenen Schlüssel geöffnet und dann die darin liegende Postsendungen mitgenommen. FOTO: ROLAND KOHLS

Diesen Ablagekasten an der Ecke Celsius-/Riemannstraße haben die jugendlichen Diebe mit einem gestohlenen Schlüssel geöffnet und dann die darin liegende Postsendungen mitgenommen.

BONN. In Bonn kam es zuletzt immer wieder zu Post-Diebstählen. Verdächtigt werden Kinder und Jugendliche. Die jungen Diebe räumen vor allem auf dem Brüser Berg Ablagekästen leer. Die Polizei ermittelt.

Die Gelegenheit scheint günstig gewesen zu sein, und so stahlen zunächst unbekannte Täter einem Briefträger kurz vor Pfingsten auf dem Venusberg Schlüssel und Post aus seiner Tasche. Danach suchten sie diverse Ablagekästen der Deutschen Post auf, zu denen der Schlüssel passte, und ließen dort zwischengelagerte Briefsäcke mitgehen.

Was schnell erzählt ist, dürfte für manchen Bonner, der vielleicht noch immer auf angekündigte Post aus dieser Zeit wartet, Nachwirkungen haben. Auch ein Leser vom Brüser Berg, der den General-Anzeiger auf diesen Fall aufmerksam machte, zählte zu den Betroffenen. Ihm blieb nichts anderes übrig, als beim Absender um eine erneute Ausfertigung des Briefes zu bitten.

Die Polizei Bonn bestätigte den Vorfall auf Anfrage. "Da die Ermittlungen noch andauern, können wir noch nicht über Details sprechen", sagte Polizeisprecherin Daniela Lindemann. Unter Tatverdacht stünden mehrere Kinder und Jugendliche, die in wechselnder Besetzung unterwegs gewesen seien - mit Schwerpunkt auf dem Brüser Berg.

Den Ablagekasten an der Ecke Celsius-/Riemannstraße hatte auch der GA-Leser genannt. Ob die Kinder (also unter 14-Jährige) und Jugendlichen in der Nachbarschaft wohnen, wollte Lindemann nicht kommentieren. "Wir gehen aber davon aus, dass sie die Post nach Wertsachen und Bargeld durchsucht haben." Zeugenhinweise hätten dem Tun nach wenigen Tagen ein Ende bereitet. "Wir haben Wohnungen durchsucht, dort Post aufgefunden und sichergestellt." Zum Teil sei diese den Adressaten zugestellt worden, zum Teil würden noch Spuren gesichert.

Als "ganz außergewöhnlich" bezeichnete Achim Gahr, Sprecher der Deutschen Post in Düsseldorf, die Vorkommnisse in Bonn. Ablagekästen gebe es auf der Straße oder in Geschäften. Darin liege die im Briefzentrum Troisdorf vorsortierte Post. "Gemäß der Gangfolge ordnet der Briefträger seine Sendungen, die dann von einem Dritten zu den unterschiedlichen Punkten gefahren werden", erklärte Gahr.

Er habe vorher noch nicht von so einem Diebstahl gehört, denn: "Was ist in den Briefen schon drinnen?" Geld gehöre nicht hinein. "Wer das macht, verstößt sogar gegen unsere Geschäftsbedingungen, denn der normale Brief dient der Nachrichtenübermittlung." Wer - außerhalb der Streikzeit - einen Brief erwartet, der nicht angekommen ist, den bittet er, sich an die Polizei zu wenden.

Zumindest in einem Punkt hat der GA-Leser - glücklicherweise - Unrecht behalten. "Es ist fast vorauszusehen, dass die Täter nie ermittelt werden", schrieb er dem General-Anzeiger.