Christian Weiler

JU-Vorsitzender hält Plädoyer für die Hardtbergbahn

Duisdorf. In Zeiten, in denen Bürgerinitiativen für ihre individuellen Ziele streiten, gibt es auch den Gegenentwurf – junge Leute, die sich für das Gemeinwohl engagieren und sich in Jugendorganisationen der etablierten Parteien einbringen.

Christian Weiler ist einer der Nachwuchspolitiker. Der 23-jährige Student der Volkswirtschaft trat mit 18 Jahren in die Junge Union ein, als er Abitur am Helmholtz-Gymnasium machte, ein Jahr später auch in die CDU. Seit 2016 ist er Vorsitzender der JU Hardtberg, die 40 Mitglieder zählt.

Politisches Interesse sei da vorausgesetzt, auch wenn die JU-Aktionen nicht direkt mit handfester Kommunalpolitik zu tun haben. Altersgemäß sind aber die Vorstellungen: „Wir sind dafür, mehr Flächen für legale Graffiti zur Verfügung zu stellen“, beschreibt er ein Thema. Das verhindere illegales Besprühen und man spare Geld für die Reinigung der bemalten Flächen.

Auch das Thema Verkehr sei immer wieder virulent bei den jungen Leuten in der Partei, vor allem das Fahrradfahren. Einen guten Schritt sieht Weiler in dem kürzlich eingeführten Fahrradverleihsystem in Bonn. Und die Hardtbergbahn, die seit Jahrzehnten geplant werde, aber nicht vorankomme, ist in seinen Augen ein absolut notwendiges Verkehrssystem für den Stadtbezirk. „Aber ich bin auch familiär vorbelastet, mein Vater und mein Bruder sind Lokführer“, sagt er. „Für uns als JU macht die Hardtbergbahn aber nur Sinn, wenn sie neben dem Autoverkehr her läuft und am Stau vorbei führt.“ Dass dafür Tunnel in der Weststadt nötig sind, die für Widerstand gesorgt haben, ist ihm bewusst.

Großprojekte, das weiß der junge Mann auch schon aus Erfahrung, sind in dieser Stadt schwer umzusetzen. Statt dessen sind viele Partikularinteressen vorhanden, die in Bürgerinitiativen gebündelt sind. Trotzdem hat der 23-Jährige sich für die klassische Politikstruktur entschieden, denn. „Eine Partei bietet immer ein Gesamtangebot, und das erfordert Kompromisse“, so Weiler. „Ich bin auch nicht unbedingt mit allem in der CDU einverstanden.“

Kleinere Erfolge schreibt sich die JU Hardtberg auf ihre Fahnen. Als es um die Straßenbenennung des Neubaugebiets der Ex-Gallwitz-Kaserne ging, habe die CDU-Nachwuchsorganisation Fritz-Bauer-Straße vorgeschlagen, nach einem SPD-Widerstandskämpfer. „Das hat für uns thematisch gepasst. Und dann hat die Stadtverwaltung das per Zufall ebenfalls vorgeschlagen. Das war für uns ein Erfolgserlebnis.“

Seit einem halben Jahr darf Weiler an Sitzungen der CDU-Bezirksfraktion teilnehmen und ist ehrlich: „Da gibt es auch weniger interessante Themen für mich. Aber es ist ein guter Einstand, um das Handwerk zu lernen.“ Und ein Wunsch der JU war es überdies, den die Mutterpartei damit umsetzte. Ansonsten gebe es sechs JU-Vorstandssitzungen pro Jahr, und man versuche jeden Monat eine Veranstaltung anzubieten.

Insgesamt agiere die JU mehr im Hintergrund, versuche sich mit diesen internen Veranstaltungen ein Bild zu machen, habe auch beim Bäderentscheid vor dem Hardtbergbad mit Bürgern diskutiert und eine Führung durch das Weck-Werk gemacht. „Vielleicht entstehen dadurch ja gute Ideen, für die man kein Geld benötigt“, ist die Hoffnung.

Eine JU-Idee ist das jährliche Fußballturnier, das man ausrichte sowie eine weitere Aktion, nämlich die Nikolausgeschenke für Obdachlosen, die jedes Jahr in der Adventszeit überreicht werden. „Wir haben zwölf Aktive in unserem Vorstand und damit viele, die auch vieles machen wollen“, berichtet Weiler. Die Aktivierungsquote sei entsprechend hoch. Was für ihn den Ausschlag für die CDU gegeben habe? „Das war die Familienpolitik als Zentrum der Gesellschaft“, meint er und räumt ein: „Aber auch die FDP war in der engeren Wahl.“

Ob er irgendwann für ein Gremium kandidiert, ist unklar, weil er nicht weiß, wie die berufliche Situation sich entwickelt. Der 23-Jährige will nach seinem Master-Abschluss 2020 erst mal einen Job finden, am liebsten in einem Bundesministerium. „Ich würde gerne hier bleiben, aber das ist nicht einfach.“