Flüchtlinge in der Schmitthalle

In den Turngruppen sind auch syrische Kinder

Turnstunde in der Schmitthalle: Den Kindern macht das Spaß, die Eltern können neue Kontakte knüpfen. FOTO: ROLAND KOHLS

Turnstunde in der Schmitthalle: Den Kindern macht das Spaß, die Eltern können neue Kontakte knüpfen. FOTO: ROLAND KOHLS

16.02.2016 DUISDORF. Die Mitteilung der Stadt Bonn, bis Ostern keine neuen Flüchtlinge aufzunehmen, hat auch dem Turn- und Kraftsportverein (TKSV) Luft verschafft, was die Nutzung der Schmitthalle anbelangt.

In der sollen bekanntlich Flüchtlinge untergebracht werden. Das Problem ist aber nur nach hinten verschoben: Wenn im April die ersten Flüchtlingsfamilien einziehen, ist dort kein Platz mehr für die Bewegungsangebote des Vereins.

Das betrifft wöchentlich rund 160 kleine Kinder wie Khaled, der am Freitag drei Jahre alt wird und montags beim Mutter-Kind-Turnen seinen Bewegungsdrang ausleben kann. Seine Mutter Naoual Ballaali hat ihn im Januar angemeldet. „Wir sind zweimal hingegangen, und jetzt gibt es bald keine Möglichkeit mehr“, sagte sie am Montag beim Turnen. Sie wohnt in Duisdorf, wenige Gehminuten von der Mehrzweckhalle entfernt, das war praktisch für sie und ihren Sohn. „Er braucht dieses Abbauen. Nach einer Stunde ist er geschafft.“ Das mache ihn zu Hause ruhiger.

Bernd Kreuder, der mit Marlene (3) das Turnen besucht, will sich nicht abmelden. Die Alternativen seien alle besetzt. „Außerdem haben sich hier Freundschaften gebildet.“ Marcus (3) trifft dort seine Kindergarten-Kameraden wieder, auch deshalb sei das für ihn wichtig, sagte seine Mutter Heike Busch. Zudem könne er in der Halle rennen und von hohen Geräten springen, das wäre zu Hause nicht möglich. „Es ist klasse so, wie es ist. Und es hat sich auch im Wochenplan so eingepegelt.“

Die Sportlichkeit der Kinder sei dahin, wenn dieses Angebot jetzt jahrelang nicht verfügbar ist, befürchtete Monika Schmidt. Sie begleitete ihre Enkelin Lara (3) zum Turnen. „Meiner Schwiegertochter ist das so wichtig, dass ich dafür extra aus Paderborn komme.“ Natürlich nicht regelmäßig, aber immer dann, wenn es nötig ist.

In Paderborn habe die Stadt eine andere Lösung gefunden, indem sie Wohnungen für die Flüchtlinge anmiete. Die Stadt Bonn füllt stattdessen die Turnhallen. „Die Hardtberghalle steht als nächstes auf der Liste“, so TKSV-Schriftführerin Susanne Mockenhaupt. Das, sagte Turnübungsleiter Hartmut Bünger, werde dann für die Ringerabteilung zum Problem, immerhin das nationale Aushängeschild des Vereins. Denn die Ringer trainieren dort.

In den Turngruppen sind auch syrische Kinder

Bünger betreut alleine montags rund 100 Kleinkinder in fünf Gruppen, gibt ihnen Raum zum Rennen und Klettern. Darunter seien auch zehn syrische Kinder. „Wir würden ja mehr integrieren, wenn wir Planungssicherheit hätten.“ Für sie, aber auch für andere Abteilungen werde es schwer, Ersatz zu finden, so die TKSV-Vertreter. Für die Cheerleader etwa benötige man eine hohe Halle, damit sie Hebefiguren und Würfe üben könnten. Außerdem brauche man eine Halle mit Geräten. „Wir haben von der Stadt die Zusage, dass sie sich kümmert“, sagte Mockenhaupt. Aber Genaueres wisse man bislang nicht, auch Anfragen bei anderen Einrichtungen mit Turnhalle seien unbeantwortet geblieben.

Auch Fußballer, Kunstradfahrer und andere nutzen die Halle, vom Schulsport ganz zu schweigen. Daneben hätten aber auch andere Nutzer ein Problem, so Bünger. Mehrere Karnevalsveranstaltungen sind für 2017 schon terminiert, das Oktoberfest und der Seniorennachmittag müssen ausfallen – daran hängen auch Einnahmen für gute Zwecke. Aber besonders in Sachen Sport sieht es dann schlimm aus in Duisdorf, denn, so Bünger, „wenn die Halle weg ist, ist sie weg, und wer weiß, wann wir sie wiederkriegen“. (Stefan Knopp)