Saxophon begleitet ihn zeitlebens

Horst Bachmann aus Duisdorf kam 1975 nach Bonn

Vom Alter will Horst Bachmann nicht sprechen, aber von all dem, was es noch zu tun gibt.

Vom Alter will Horst Bachmann nicht sprechen, aber von all dem, was es noch zu tun gibt.

Duisdorf. Die Liste seiner Ehrenvorsitze ist lang. Er war lang in der Bonner Kommunalpolitik aktiv und 25 Jahre lang Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Seit Längerem hat sich der Duisdorfer Horst Bachmann in erster Linie der Kultur verschrieben.

Nur mit dem Versprechen, nicht den Geburtstag zum Anlass zu nehmen, wollte Horst Bachmann einem Interview zustimmen. Sein Alter sehe er nicht als Verdienst, sondern als eine Gnade. „Ab einem gewissen Alter wird man sofort abgehakt“, ist sich Bachmann sicher und fügt hinzu, „aber ich will noch einiges tun.“ Und niemand, der ihn kennt oder kennenlernt, wird bezweifeln, dass ihm dies auch gelingen wird. „Einiges zu tun“, hat sein Leben bis heute bestimmt und offensichtlich gibt es keinen Grund dafür, dass es nicht so bliebe.

„Ich könnte ja mal in den Blöcken Kindheit, Ausbildung, Beruf, Kommunalpolitik, Rundfunk und Karneval über mich erzählen“, beginnt Bachmann das Gespräch. Damit offenbart der Jurist dem aufmerksamen Zuhörer schon mit seinen ersten Worten, dass er nichts dem Zufall überlassen würde. Bachmann hat sein Leben lang gestaltend vorgegeben, wie etwas zu geschehen hat. Seine Ideen und Vorstellungen konnte er aus der Summe seines Wissens und der erworbenen Erfahrungen auch gegen Widerstände vertreten und durchsetzen.

Wenn er heute resümierend feststellt, dass er selbst den politischen Gegner nie als einen Feind betrachtete, ist es eine Haltung, die ihn als diplomatischen Vermittler zwischen den Fronten und als klugen Strategen charakterisiert. Zwischen die Fronten kam der im schlesischen Namslau (polnisch: Namysłów) geborene Jurist und Volkswirtschaftler schon früh. Anfang 1945 floh die Familie Bachmann mit ihren beiden Söhnen nach Blankenburg (Harz) und baute sich dort mit zwei Brunnenbetrieben eine neue Existenz auf, die der älteste Sohn Horst kurz nach seinem bestandenen Abitur durch einen „Streich“ hätte zum Scheitern bringen können: Zusammen mit einem Freund hatte sich Horst Bachmann nachts Zugang zu seiner früheren Schulaula verschafft, in der tags zuvor ein überdimensionales Gemälde Stalins für die anstehenden Volkskammerwahlen der DDR aufgehängt worden war.

Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks

Die beiden zerstörten das Bild, das bei der Öffnung des Wahlbüros zum Entsetzen der Blankenburger nur noch in Fetzen im Rahmen hing. Auch wenn die Übeltäter zunächst unentdeckt blieben, kam ihnen Bachmanns Vater auf die Schliche. Wegen dieses Aktes hätte die ganze Familie ein schweres Leben gehabt. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion sorgte Bachmann Senior dafür, dass Horst – bis heute unerkannt - nach West-Berlin fliehen konnte. Dort begann er sein Jurastudium. „Es war eine harte Zeit“, erinnert sich Bachmann, der sich in Berlin mit jedem sich anbietenden Job über Wasser hielt. Sein Saxofonspiel in Jazzclubs und Bars gehört dabei zu den schönen Erinnerungen.

1957 kam er als Studierendenvertreter nach Bonn. Das zeitraubende politische Engagement sollte ihn nicht nur von seiner begonnenen Promotion abhalten, sondern auch sein weiteres Leben bestimmen. Seine Fähigkeit, die passenden Menschen zum richtigen Zeitpunkt zusammenzubringen, verbunden mit seinen sozialen Wertevorstellungen machte ihn mit Ernst August Blanke zu einem der Väter des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BaföG).

Ein großer Schritt zur Chancengleichheit, durch den Studienwillige einen Rechtsanspruch auf Ausbildungsförderung bekamen. „Ich bin heute stolz darauf, das geschafft zu haben. Genauso, wie ich stolz darauf bin, dass heute auch die Studentenwerke in den Universitäten nicht mehr wegzudenken sind“, sagte Bachmann, der 25 Jahre lang Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks war. Ebenfalls stolz könnte er auf seinen Einfluss bei der Gründung des deutsch-französischen Studentenwerks sein oder auf die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und der zweimaligen Auszeichnung mit Frankreichs „Ordre des Palmes Académiques“.

Kreis schließt sich mit dem Saxofon

Das große Vorbild des Sozialdemokraten Bachmann – „Ich komme aus der Ecke von Johannes Rau und Gustav Heinemann“ – war Helmut Schmidt. Dessen Lebensmaxime, „Recht, Vernunft, Glaube und Frieden“, hat sich Bachmann schon früh zum Leitbild seines Handelns gemacht. Damit war er hoch geachtet im Aufsichtsrat des WDR und der Bavaria-Film. Er war Mitglied im Rat der Stadt Bonn, Vorsitzender im Sportausschuss sowie stellvertretender Vorsitzender im Kulturausschuss. Mit den Grundsätzen Schmidts konnte er nicht nur als Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zwischen den Ansprüchen der Ministerpräsidenten vermitteln, sondern auch fast 20 Jahre lang das durchaus diffizile Präsidentenamt im Festausschuss Bonner Karneval ausüben.

Die Liste der Mitgliedschaften und Ehrenvorsitze ist lang. All das hätte er nicht ohne Unterstützung durch seine Frau Gudrun, alias Bonna Gudrun II. von 1980, seine Tochter und die beiden Söhne tun können, wie Bachmann betont. „Sie haben mir den Rückhalt für die zeitraubenden beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten gegeben und tun es noch“, sagt er. Denn seit 2010 ist er im Vorstand des Vereins Hardtberger Kultur engagiert.

So schließt sich der Kreis mit dem Saxofon, das ihm in Berlin ein Einkommen verschaffte und ihn für das Kulturzentrum auf die Idee der kostenlosen Jazz- und Klassikveranstaltungen brachte. Dafür wurde er mit dem Duisdorfer Esel ausgezeichnet, der es immerhin in sein Arbeitszimmer geschafft hat. Dieses Privileg bekamen nur wenige seiner Ehrungen.