Versteckte Ecken

Hier kam das Korn mit Eseln an

LESSENICH/MESSDORF. Die Knappenmühle in Lessenich ist heute das Wohnhaus der Familie Pinsdorf und Veranstaltungsort. Vom Wasserrad ist nur ein verrostetes Gestänge übrig.

Die Geschichte von den Duisdorfer Äsele wurde schon oft erzählt: Wenn die Duisdorfer Bauern ihre Esel mit Getreide zur Lessenicher Mühle schickten, wussten die Lessenicher, dass jetzt Mittag ist. "Lur ens, da sin die Duisdorfer Äsel, jetzt is Mittag!" So kamen die Duisdorfer am Ende zu ihrem Spitznamen und Wappentier. Aber wo befindet sich eigentlich die Lessenicher Mühle, zu der die Esel das Getreide trugen?

Die Mühle - jedenfalls das Gebäude - gibt es noch heute und wird von der Familie Pinsdorf bewohnt. Die Knappenmühle liegt hinter der Bahnhofstraße am Hardtbach, der die Wasserkraft für die Mühle bereitstellte. Friedel Klein ist Nachbar der Pinsdorfs und Schwiegersohn des letzten Müllers, der die Mühle betrieben hatte. Der heute 77-Jährige ist seinem Schwiegervater früher oft zur Hand gegangen und weiß, wie die Mühle funktionierte. Zufällig hieß der letzte Müller auch Pinsdorf, Theo mit Vornamen. Neben dem Schacht hängt heute noch sein Meisterbrief.

"Hier ist die Waage", sagt Ursula Pinsdorf, die mit ihrem Mann Bartholomäus die ehemalige Mühle vor mehr als 20 Jahren gekauft hat. Daneben ist ein Schaft, aus dem damals das Mehl aus dem oberen Stockwerk in die Säcke rutschte. Heute ist hier ein Partyraum eingerichtet. Die alten Einrichtungen bilden das gemütliche Ambiente dazu.

In dem Raum dahinter verbirgt sich weitere alte Technik. "Hier drehten sich die Mühlsteine", zeigt Klein auf die runde Einfassung. Und hinter der Außenmauer befand sich das Wasserrad, das die Mühle angetrieben hatte. Später wurde sie elektrisch betrieben.

Der Motor verbirgt sich im Boden der Küche. Man kann durch eine Klappe an ihn rankommen: Wellen und Getriebe sind zu sehen. Eine Welle geht auch durch Küche und Dusche im Wohnhaus. Die hatte eine Bohrmaschine angetrieben, die im Innenhof noch an der Wand hängt. Daneben stand früher noch eine Kreissäge, erinnert sich Klein.

Der Mühlstein im Innenhof dient nur noch als Tisch für die gelb leuchtenden Sonnenblumen. "Ich weiß noch, wie ich den Stein habe schärfen müssen", sagt Klein.

Von dem Wasserrad sind nur noch die Nabe und ein verrostetes Gestänge übrig. "Das Wasser lief durch einen langen Kanal parallel zum Hardtbach, der neben dem Grundstück verläuft. Oberhalb des Bachlaufs war ein Mühlenteich angelegt, der die Wasserversorgung auch bei längerer Trockenheit sicherstellte.

Die Familie Pinsdorf stellt den Hof der Knappenmühle heute für Veranstaltungen des Lessenicher Kulturvereins zur Verfügung. "In unserem Ort gibt es heute leider kaum noch Möglichkeiten", sagt Ursula Pinsdorf. Aktuell sind jedoch keine Konzerte oder Vorträge geplant.

Die Serie

In der Reihe "Versteckte Ecken" stellen wir besondere Orte vor. Die Leute aus der Nachbarschaft werden sie kennen - die Treffpunkte um die Ecke, ein besonders schönes Haus oder den geliebten Spazierweg. Haben Sie selbst Vorschläge aus Ihrem Viertel? Dann schreiben Sie uns doch eine kurze Beschreibung an hardtberg@ga-bonn.de. Die Serie erschein in loser Folge.