Ein Ort der Einkehr und Dankbarkeit

Grotte am St. Marien Hospital bietet Zufluchtsort

Lourdesgrotte

Lourdesgrotte

Venusberg/Poppelsdorf. Bei Patienten und Angehörigen ist die Grotte am St. Marien Hospital seit Jahrzehnten beliebt. Es ist eine Insel für stille Einkehr oder dankbare Gebete.

Der Weg ins Leben war für Alexander offenbar sehr beschwerlich. Doch als der Kleine im Oktober 2010 schließlich das Licht der Welt erblickte, war die Freude umso größer. Aus tiefer Dankbarkeit ließen Eltern und Großeltern eine kleine Marmorplatte an der Lourdes-Grotte am St. Marien Hospital auf dem Venusberg anbringen. „Danke Gottesmutter für die Geburt unseres Sohnes Alexander“, ließen sie in den weißen Stein meißeln und mit goldener Farbe hervorheben.

Seit Jahrzehnten ist die Marien-Grotte ein beliebter Zufluchtsort für Patienten und verzweifelte Angehörige, eine Insel für stille Einkehr oder dankbare Gebete. Die beiden Parkbänke unter den alten Eichenbäumen laden zum Innehalten ein. Seit gut einer Woche kommt Margarete H. regelmäßig her. „Es tut mir einfach gut. Hier tanke ich Kraft und genieße die Ruhe“, erzählt die 67-Jährige, die seit einiger Zeit stationär behandelt wird. „Der Krankenhausalltag ist hier an der Grotte ganz weit weg“, fügt sie leise hinzu. Während sie anfangs noch gepflegt werden musste und das Bett nicht verlassen konnte, ist sie jetzt wieder einigermaßen auf den Beinen. „Ich freue mich immer, wenn ich am Arm meiner Tochter zur Grotte gehen kann. Das tut mir einfach gut“, erzählt sie.

Auf der Liste bedeutender Lourdes-Grotten

Ebenerdig wurde in der Grotte eine größere Höhle herausgearbeitet. Dort steht ein Tisch, auf dem Gläubige Kerzen entzünden. Die verschiedenen Blumengestecke – teilweise mit weihnachtlichen, teilweise mit österlichen Dekorativen – zeigen, dass der Ort das ganze Jahr über rege besucht wird. Einige ältere, teilweise verwitterte Marmortafeln zeugen zudem von der tiefen Dankbarkeit ehemaliger Patienten. Zwar sind die Inschriften verblasst und längst nicht mehr zu lesen, das Datum 1956 ist an einem der Steine jedoch noch deutlich zu erkennen.

Bereits im Jahr 1914 gab es eine Grotte auf dem Klinikgelände. Der genaue Standort ist jedoch nicht mehr feststellbar. 1927 wurde schließlich der heutige Gebetsort errichtet. Ob es sich dabei um einen veränderten Neubau oder um eine Rekonstruktion der alten Anlage handelt, das lässt sich nicht mehr feststellen. Errichtet wurde der jetzige Andachtsort von dem Bad Godesberger Grottenbauer Johann Krämer. Heute ist der Andachtsort auf der „Liste bedeutender Lourdes-Grotten“ in Deutschland bei Wikipedia genannt.

Lavaschlacke aus der Vulkaneifel wählte Krämer seinerzeit als Baumaterial. Mehrere kleinere Höhlen wurden dabei errichtet. Oberhalb thront in rund zwei Metern Höhe eine Marienstatue. Die Madonna ist der Figur nachempfunden, die nach der Beschreibung der Kinder von Lourdes von dem französischen Bildhauer H.J. Fabisch angefertigt wurde. Langsam erobert die Natur das Areal zurück: In den Steinfugen hat sich bereits Efeu breitgemacht, die Lavaschlacke ist an vielen Stellen von Moos überzogen.

An diesem Tag spielt der zweijährige Tom auf dem Vorplatz der Grotte. Er sammelt Steine und bringt sie seiner Mutter. „Nach einem Fieberkrampf ist er letzte Woche eingeliefert worden. Wir haben uns große Sorgen gemacht“, erzählt seine Mutter erleichtert. „Aber wenn ich ihn jetzt wieder spielen sehe, dann bin ich unendlich dankbar.“

Hoffnung auf Trost prägt auch die Inschrift auf einem Schild an der Grotte. „Möge Maria hier zu vielen Menschen sprechen und das Vertrauen auf den dreieinigen Gott und auf ihre Fürsprache wecken und stärken.“