Lengsdorf

Graffiti sollen Grundschüler aufmuntern

Hinter diesem Werk steckt ein Konzept: In drei bis vier Wochen wollen (von links) Eugen Schramm, Thomas Klukas, Daniel Gast und Projektleiter Wolfgang Ernst das Kunstwerk an der Hauswand der Kreuzbergstraße beenden.

LENGSDORF. Farbenfroh und sehr individuell zeigt sich eine breite Hauswand an der Kreuzbergstraße/Ecke Im Mühlenbach. Schon seit gut zehn Jahren gestalten drei junge Männer diese Fläche immer wieder aufs Neue und haben ihr jüngstes Werk jetzt zur Hälfte fertig gestellt.

Kunstlehrer Wolfgang Ernst (29) und die bildenden Künstler Eugen Schramm (33) und Thomas Klukas (31) kennen sich seit zwölf Jahren. Und seitdem verbindet sie auch die gemeinsame Aufgabe, die Hauswand von Margarete Rausch immer wieder neu zu gestalten. "Das letzte Mal war 2005, deshalb wurde es jetzt wieder Zeit", sagt Projektleiter Ernst, der selbst aus Lengsdorf stammt.

Das Spray-Projekt passiert nicht nur mit stiller Erlaubnis, sondern ausdrücklicher Zustimmung der Hauseigentümerin. Einerseits weil sie diese Art Kunst mag, aber auch um den Grundschulkindern, die jeden Tag auf dem Schulweg an der Hauswand vorbei kommen, etwas Besonderes zu bieten. "Deshalb war unsere Vorgabe auch, ein friedliches Bild aufzusprayen", sagt Projektleiter Ernst.

Dementsprechend hat sich das Trio, das von Hausbewohner Daniel Gast (17) unterstützt wird, ein aufwendiges Konzept überlegt: Es geht um den Weg der Medien vom Beginn der Buchdruckkunst bis zur Nutzung moderner digitaler Geräte in der Zukunft. Und damit verbunden sein soll das Nachdenken über eine positive und friedvolle Zukunft. "Wir wollen mit dem Bild nicht zeigen wie "schlecht" die Welt ist, sondern wie sie aussehen kann, wenn der Mensch sein Dasein in der Welt reflektiert", erklärt Eugen Schramm.

Damit auch Lokalkolorit eine Rolle spielt, werden Motive des Lengsdorfer Bachs aus früheren Zeiten zu sehen sein. Die Künstler beteiben die Sache ehrenamtlich, wollen aber auch Werbung für sich selbst machen. "Wäre das eine Auftragsarbeit, würde das rund 20 000 Euro kosten", sagt Ernst. 20 Tage haben sie für ihre Arbeit vor Ort veranschlagt, zehn Tage haben sie noch vor sich. Unterstützt werden sie neben der Hauseigentümerin von drei Sponsoren. Dokumentiert wird das Wachsen des Bildes von zwei Fotografen, Chris Zeilfelder und Till Rachold.

"Das Bild ist inzwischen im oberen Teil fast fertig, so dass wir jetzt das Gerüst zurückgeben können", sagt der Projektleiter. Unten fehlt noch einiges an Detailarbeit. Ernst rechnet damit, dass der Sprühlack die nächsten 15 bis 20 Jahre übersteht. Das Trio arbeitet aus Zeitgründen immer nur an den Wochenenden, bekommt dann aber viel Bestätigung im Dorf.

"Die Bürger kommen hier vorbei und gratulieren uns zu dem Werk", berichtet er. "Und das ist auch, was wir wollen: Dass Graffiti aus einem anderen Blickwinkel gesehen wird." Schließlich sei Spraykunst mehr als eine zusammenhanglose Ansammlung von Buchstaben und Schriftzügen, die illegal auf öffentlichen und privaten Flächen verteilt werden.