Fußgängerzone in Duisdorf

Geschäftsleute sind besorgt über das Branchensterben

Duisdorf. Die 1986 eingeweihte Fußgängerzone ist in die Jahre gekommen. Doch die Ausstattung ist nicht das einzige Problem an der Rochusstraße. Ladenlokale stehen leer, immer mehr Discounter und Billigläden kommen nach Duisdorf.

Konflikte zwischen den Verkehrsteilnehmern, etwa durch Lieferverkehr, in der Fußgängerzone ist auch auf der Rochusstraße ein Dauerbrenner. Zudem durchqueren Radfahrer die Fußgängerzone recht zügig – was Anlass zu Kritik ist. Andererseits lassen Ausstattung und Aufenthaltsqualität zu wünschen übrig. Jahrelang stand in Duisdorf das sanierungsbedürftige Pflaster auf der Tagesordnung. Verkantete, lockere Steine waren mit der Zeit zu Stolperfallen geworden. Im vergangenen September rückten die Bauarbeiter im Auftrag des Tiefbauamts an und reparierten unter anderem den Einmündungsbereich der Villemombler Straße zur Rochusstraße. Kosten: 200.000 Euro. „Das war die drängendste Maßnahme in der Fußgängerzone“, sagt CDU-Ratsherr Bert Moll. Und es sei ein „ziemlicher Akt“ gewesen, bis die endlich umgesetzt und die Sturzgefahr reduziert worden sei.

Die 1986 eingeweihte Fußgängerzone ist in die Jahre gekommen. „Aber für eine Neugestaltung wird es definitiv kein Geld geben.“ Da macht sich Moll keine Illusionen. „Selbst um jede kleinere Maßnahme müssen wir kämpfen.“ Der SPD-Bezirksverordnete und Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Gisbert Weber, wird noch deutlicher: „Die Aufarbeitung des Pflasters ist Konsequenz einer vernachlässigten Instandhaltung durch die Verwaltung. Ich könnte sagen, dass ich mich über die Sanierung freue. Aber das trifft nicht den Punkt.“ Vielmehr sei die Pflasterung von Anfang an eine Fehlkonstruktion gewesen. „Daher werden immer wieder Reparaturen fällig. Außerdem ist es bei Feuchtigkeit extrem rutschig.“

Was ist mit dem Brunnen am Schickshof?

Wie sieht es mit der Ausstattung im Duisdorfer Zentrum aus, damit sich Besucher gerne und länger dort aufhalten? Bänke, Brunnen, Bäume, Plätze – alles vorhanden. Auf den Bänken sitzen bei gutem Wetter immer Gruppen verschiedenen Alters. Der Brunnen am Schickshof soll laut Verwaltung „in absehbarer Zeit“ in Gang gesetzt werden.

Dennoch gibt es Kritik. Die SPD hat nach einem Bericht der IHK, in dem fehlende Aufenthaltsqualität in der Stadt bemängelt wird, einen Antrag eingebracht, Maßnahmen zur Aufwertung zu ergreifen. Keinesfalls dürfe das äußere Erscheinungsbild vernachlässigt werden, heißt es. Mitte März verabschiedete die Bezirksvertretung Hardtberg daraufhin einstimmig einen Auftrag an die Verwaltung, die Möglichkeiten der Möblierung wie Sitzgelegenheiten, die Zahl der Abfallbehälter, die Neuanlage und Pflege von Grünflächen sowie die Sanierung von Brunnen zu prüfen.

Wie Bonnorange mitteilt, seien in der Fußgängerzone 18 Abfallbehälter aufgestellt. Sie werden viermal in der Woche geleert. In dem Turnus erfolge auch die Straßenreinigung. Nach einer Ortsbegehung empfiehlt das städtische Entsorgungsunternehmen aber, zwei weitere Behälter zu platzieren. Bei Schmuddelecken, wie etwa rund um den Parkplatz am Burgweiher, versucht die Stadt bislang vergeblich, Einfluss auf die Eigentümer zu nehmen.

Apothekerin hat nichts auszusetzen

Einige der Geschäftsleute können sich noch daran erinnern, wie es vor über 30 Jahren war, als der gesamte Verkehr über die Rochusstraße rollte. Am schlimmsten fand Apothekerin Margot Kolitscher die Lastwagen. Die 79-Jährige hat an der Fußgängerzone nichts auszusetzen. Im Gegenteil, mit Supermarkt und Fitnessstudio am Schickshof sei der Platz bis weit in die Abendstunden deutlich stärker frequentiert. Allerdings sorgt sie sich um den Fortbestand des „soliden, guten Fachhandels. Immer mehr Handelsketten siedeln sich an. Das Persönliche geht dadurch verloren“, meint sie.

Für Schuhmachermeister Uwe Mühlinger ist das eine Zeiterscheinung. „Das Problem hat jede Fußgängerzone. Wir leben nicht auf einer Insel.“ Mühlinger hat sein Geschäft seit 17 Jahren an der Rochusstraße. Ob er an einem anderen Standort oder in einer anderen Stadt mehr Umsatz machen könnte, hat er sich zwar hin und wieder überlegt, „aber hier habe ich einen treuen Kundenstamm und fühle mich wohl“. Dass die Gastronomie vor allem auch mit dem Angebot, draußen zu sitzen, wieder im Aufwind sei, findet der Reiseverkehrskaufmann Gilbert Kortendieck „sehr gut. Auch die Sauberkeit hat sich sichtbar verbessert.“ Nach dem Umzug der Ministerien nach Berlin sei es mittags still geworden in der Rochusstraße. „Die Mitarbeiter kamen in der Pause, um etwas zu essen und Besorgungen zu machen. Es hat lange gedauert, bis ihr Wegbleiben in der Fußgängerzone kompensiert wurde.“

Zukunftsfähiges Konzept muss her

Auch wenn es gute Noten für die Fußgängerzone gibt, Politiker und Geschäftsleute machen sich Sorgen wegen eines schleichenden Wandels, der am Ende noch mehr Frequenz kosten könnte: der deutliche Rückgang Inhabergeführter Geschäfte und das Branchensterben. Zum Beispiel gibt es kein Haushaltswarengeschäft mehr, und Billigmärkte und Discounter nehmen zu. „Viele Immobilienbesitzer, die hier Ladenlokale vermieten, sind gar nicht mehr vor Ort. Ihr Entscheidungskriterium ist die Höhe der Miete, nicht die Frage, was gut für eine funktionierende Fußgängerzone wäre“, sagt Gisbert Weber. Es müsse ein zukunftsfähiges Konzept her, das beispielsweise auch den Onlinehandel ins Angebot der Geschäfte einbeziehe.

Fünf Ladenlokale stehen derzeit in der Fußgängerzone leer. Ginge es nach Bert Moll müsste es beispielsweise mehr Angebote für junge Leute geben. „Durch die Wohnheime leben in Duisdorf zunehmend mehr Studenten. Eine Studi-Kneipe gibt es jedoch nicht.“