60 Jahre BMVg auf der Hardthöhe

Geburtstag ohne Ministerin

Bonn. Das Bundesverteidigungsministerium ist seit 60 Jahren auf der Hardthöhe. Die Mitarbeiter begingen dieses Jubiläum mit einer Feierstunde und einer Ausstellung. Allein die Chefin Ursula von der Leyen war nicht nach Bonn gekommen.

Als vor drei Jahren das Bundesamt für Infrastruktur aus der Ermekeilkaserne auf die Hardthöhe zog, gab es den „großen Bahnhof“: Der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière kam zur symbolischen Schlüsselübergabe in die Südstadt, denn das Bundesamt verließ die Kaserne als letzte Behörde.

Und viel wurde damals von „Geschichtsträchtigkeit“ gesprochen. Kaum weniger interessant, aber deutlich bescheidener ist am Dienstag in einer Feierstunde das 60-jährige Bestehen der Hardthöhe im dortigen Besucherzentrum begangen worden. Ohne Beteiligung von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) oder ihren Staatssekretären. Im Mittelpunkt stand eine von Mitarbeitern erarbeitete Ausstellung. Vier Wochen ist sie zu sehen, allerdings nicht für die Öffentlichkeit. Angedacht sind Führungen für Schulklassen.

Federführend hat Ingo Derz, als Ministerialrat seit 1999 auf der Hardthöhe tätig, die Organisation übernommen. Der 53-Jährige ist noch mit „alten Hasen“ über das Gelände gegangen und hat sich Anekdoten angehört. „So entwickelt man Interesse an einer Liegenschaft“, sagt er.

Einen Wandel durchlebt

Die Hardthöhe hat zweifelsohne einen Wandel durchlebt. Aus der Kaserne („Tausend-Mann-Kaserne“), die dort 1956 und damit ein Jahr nach der Bundeswehrgründung an den Start ging, ist ein eigener Stadtteil geworden (150 Fußballfelder groß), in dem man sich leicht verlaufen kann.

Deshalb kam ein Mitarbeiter auf die Idee, eigene Straßenbezeichnungen einzuführen, um die Post leichter zustellen zu können. Für ausländische Besucher existierte ein Hubschrauberlandeplatz mit Zöllnerbereich für die formale Grenzüberquerung. Nach einer Bauaktion am Zaun stand auf einmal ein Rehbock auf dem Grundstück, der fortan blieb und versorgt wurde. „Wohl nicht wissend, dass er sich für das ewige Zölibat entschieden hatte“, wie Derz anmerkt.

Und heute? Die Hardthöhe ist erster Dienstsitz des Verteidigungsministeriums vor dem Bendlerblock in Berlin. „5150 Beschäftigte haben hier oben ihre Heimat“, betont Ministerialdirektorin Alice Greyer-Wieninger. Die Befürchtungen, der Hauptstadtumzug würde zu einer Erosion der Mitarbeiterschaft auf der Hardthöhe führen, seien nicht eingetreten.

Kunst am Bau

Andere Standorte des Bundesverteidigungsministeriums wurden allerdings im Gegenzug aufgegeben. Obwohl die Liegenschaften vergleichsweise jung sind, befinden sich auf dem Gelände Bauten aus den 50er Jahren, die unter Denkmalschutz stehen. In die heterogen mit ihren wachsenden Aufgaben gewachsene Infrastruktur hinein haben Künstler immer wieder Impulse gesetzt. Der Bildhauer Ansgar Nierhoff hat Bodenskulpturen entworfen. Eine Spirale ziert das Kasino Süd.

Der Ministerbungalow im Norden existiert zwar noch, aber er wird lange schon nicht mehr benutzt. Wolfgang Schäuble kam als letzter in den Genuss. Er war zwar nie Verteidigungsminister, aber nach dem Attentat auf ihn im Jahr 1990 griff man aus Sicherheitsgründen auf den Bungalow zurück und baute ihn barrierefrei aus.

Als erster Bewohner zog 1964 Kai-Uwe von Hassel (1913-1997) ein. Seine spätere Frau Monika lauschte am Dienstag den Ausführungen von Ingo Derz und findet: „Die Hardthöhe ist Bonner Geschichte, deutsche Geschichte und zugleich Militärgeschichte.“ Als besonderer Hort gilt seit 1972 der Kindergarten. „Kaum ein Kind verlässt ihn, ohne schwimmen zu können“, erklärt Derz. Die Nähe zum Hardtbergbad erleichtert da vieles. Ein geladener Gast ergänzt folgenden Satz in schöner Doppeldeutigkeit: „Vorerst wird hier also keiner untergehen.“