"Tag der Bundeswehr"

Friedensbündnis will Bundeswehr-Fest stoppen

Direkter Kontakt erwünscht: Die Truppe stellt ihre Berufszweige auf dem Marktplatz vor. Hundetrainer sind auch dabei. FOTO: MICHAEL MANDT

Direkter Kontakt erwünscht: Die Truppe stellt ihre Berufszweige auf dem Marktplatz vor. Hundetrainer sind auch dabei.

BONN. Der "Tag der Bundeswehr" auf dem Bonner Marktplatz stößt nicht überall auf Gegenliebe. So haben diverse Bonner Gruppen extra für den morgigen Samstag ein Friedensbündnis "Keinen Tag der Bundeswehr" gegründet. Die Aktivisten stören sich an Ort und Art der Veranstaltung.

Hinter dem Bündnis stünden rund zehn Gruppen, teilte Martin Singe auf GA-Anfrage mit. Darunter seien unter anderem das Netzwerk Friedenskooperative Bonn, Die Linke, viele Grüne und der Bonner Ableger der katholischen Pax-Christi-Bewegung. In Letzterer engagiert sich Singe.

Hatte die Gruppe zunächst angekündigt, den Tag mit lauten und kreativen Protesten begleiten zu wollen, ging sie zwischenzeitlich noch einen Schritt weiter. Sie forderte die Stadt Bonn auf, den Tag abzusagen. "Eine Veranstaltung der Bundeswehr auf dem Mahnmal der Bücherverbrennung ist pietätlos und nicht hinnehmbar", teilte das Bündnis mit. Es sei skandalös und völlig unverständlich, dass die Stadt Bonn dazu ihr Einverständnis gebe. "Das Gedenken an die Verbrennung von Werken Bertha von Suttners und Kurt Tucholskys durch die Nationalsozialisten wird so nicht nur mit Füßen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes mit Soldatenstiefeln getreten", meint Philipp Ingenleuf vom Netzwerk Friedenskooperative.

Was die Mitglieder zudem stört, ist, dass die "politische Selbstdarstellung" der Bundeswehr im öffentlichen Raum stattfinde. "Auf dem Marktplatz kommen Kinder und Jugendliche zum Beispiel mit Panzern in Berührung und werden gezielt rekrutiert", sagte Singe. Diese Rekrutierung Minderjähriger widerspreche jedoch der UN-Kinderrechtskonvention. Die Veranstaltung gehöre, wenn überhaupt, auf die Hardthöhe. "Und es wäre sicher besser, wenn es keine Propagandaveranstaltung wäre, sondern wenn es um Sicherheitspolitik ginge."

Für Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ist die Kritik nicht nachvollziehbar: "Die Bundeswehr wird als Veranstalter von der Stadt behandelt wie jede andere Organisation auch, die den Marktplatz nutzt." Die Bundeswehr sei eine verfassungskonforme Organisation, die ihre Aufträge ausschließlich vom Bundestag bekomme. "Deshalb ist sie in Bonn willkommen", sagte Nimptsch.

Ferner stehe sie an dem bei allen Veranstaltungen vorgesehenen Standort; sie überbaue - wie zum Beispiel auch beim UN-Tag, beim Beethovenfest oder beim Fest der Begegnung - einige der Buchrücken des Mahnmals. Nach der Absage für die geforderte Absage hält das Friedensbündnis an seinem Plan fest, die Veranstaltung mit "normalem demokratischem Protest" zu begleiten. "Wir bauen eine Bühne am Rande des Marktplatzes auf und stellen alternative Formen der Sicherheitspolitik vor", kündigte Singe an. Dazu zählen für ihn der Umbau zur Defensivarmee wie auch in einem weiteren Schritt die Gewaltmonopolabgabe an die UN. Singe rechnet mit 100 Mitstreitern aus dem Bündnis.

Tag der Bundeswehr

Vor 60 Jahren überreichte der damalige Verteidigungsminister Theodor Blank in der Bonner Ermekeilkaserne den ersten Freiwilligen ihre Ernennungsurkunden. Aus diesem

Anlass gibt es am morgigen Samstag an 15 Standorten bundesweit erstmals den "Tag der Bundeswehr". Von 11 bis 18 Uhr präsentieren sich die Streitkräfte auf dem Bonner Marktplatz mit sämtlichen Abteilungen und einem Unterhaltungsprogramm. Das Friedensbündnis "Keinen Tag der Bundeswehr" lädt für den gleichen Zeitraum zu einer Gegenveranstaltung an der Ecke Marktplatz/Bonngasse ein. Auf einer Bühne gibt es Informationen zu alternativen Formen der Sicherheitspolitik. Daneben plant das Bündnis nach eigener Auskunft friedliche Protestaktionen auf dem Marktplatz.