Erinnerung an Bombenangriff auf Lengsdorf vor 70 Jahren

"Frieden ist ein zerbrechliches Gut"

Zum Klang der Harfe gedenken die Besucher in der Petruskirche der Opfer des Bombenangriffs auf Lengsdorf vor 70 Jahren.

Zum Klang der Harfe gedenken die Besucher in der Petruskirche der Opfer des Bombenangriffs auf Lengsdorf vor 70 Jahren.

LENGSDORF. Zwar hatte die Bonner Flugabwehr das Führungsflugzeug der Alliierten noch abschießen können. Aber zuvor, so erzählt ein Zeitzeugenbericht, habe es noch ein Signal für den Bombenabwurf absetzen können.

Und so gingen am 28. Dezember 1944 ab 19 Uhr auf Lengsdorf die Bomben nieder. 70 Jahre danach gedachten am Sonntagabend die Lengsdorfer in der Kirche Sankt Peter dieses Ereignisses.

Einige derer, die der Veranstaltung beiwohnten, hatten Angehörige und Vorfahren im Bombenhagel verloren. Karl Schneider hat die "unendlich langen 15 Minuten" überlebt und seine Erinnerungen daran niedergeschrieben. Weinkönigin Juliane I. Wirtz-Matern las daraus vor :"Man hörte genau, wie die Flieger von Westen nach Osten ihre Bombenlast abwarfen. Die Kellerwände wackelten und den neben mir stehenden Kanonenofen hielt ich fest, weil ich sonst befürchtete, dass der umkippte".

Der damals 14-Jährige und seine Familie hatten Glück. Mehr als 60 Tote verzeichnete Herbert Weffer in seiner Dorfchronik, davon allein 25 in einer Möbelfabrik. Viele Gebäude waren zerstört, einige Bombenkrater waren sehr tief, eine Fliegerbombe wurde erst 1997 entschärft. In der Kirche waren auch Bilder von den Zerstörungen zu sehen. An solche Ereignisse müsse man sich erinnern, sagte Christoph Schada vom Heimat- und Verschönerungsverein, der die Gedenkfeier initiiert hatte. Denn sonst würden die Lehren der Geschichte vergessen.

"All das macht eines deutlich: Frieden auf Erden und den Menschen Wohlgefallen ist ein rares und zerbrechliches Gut", so Schada mit Blick auf aktuelle Krisenherde in Syrien, der Ostukraine, Afrika "und manchmal auch mitten in unserer Gesellschaft". Er sprach sich für "Achtung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen" aus.

"Wir versuchen, uns zu erinnern, versuchen, uns der Geschichte zu stellen", sagte Pfarrvikar Ronald Klein. In Lengsdorf sei die Erinnerung noch lebendig, stellte Bürgermeister Reinhard Limbach fest, der den erkrankten Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vertrat. "Das ist gut so." Er erinnerte auch an die weiteren Angriffe, die Lengsdorf betrafen. Der stellvertretende Hardtberger Bezirksbürgermeister Christian Trützler stimmte ein Totengedenken an und plädierte für Versöhnung unter den Völkern.

Die Feier wurde von Harfenspieler Peter Fischer von der Musikschule Bonn begleitet. Zum Abschluss legte Schada auf dem Friedhof an der Kirche am Ehrenmal ein Gesteck nieder.