Alexander Simon

Duisdorfer gründete vor fünf Jahren eine Mittelaltergruppe

Schweißtreibendes Freizeitvergnügen: Ritter Alexander von Duisdorf (links) alias Alexander Simon im Zweikampf mit einem anderen Ritter. FOTO: STEFAN KNOPP

Schweißtreibendes Freizeitvergnügen: Ritter Alexander von Duisdorf (links) alias Alexander Simon im Zweikampf mit einem anderen Ritter.

DUISDORF. Ritter Alexander von Duisdorf ist erschöpft. Ein Schwertkampf im schweren Kettenhemd ist eine schweißtreibende Angelegenheit, deshalb lässt er sich von einem Bediensteten ein Getränk einschenken und nimmt an der Tafel neben seiner Gattin Platz.

Er beobachtet das Treiben: Ihm gegenüber zerpflückt ein Knecht ein weich gekochtes Huhn für einen Eintopf, ein paar Meter weiter fertigt eine Magd an einem Spinnrad Wolle.

Wieder an einer anderen Stelle interessieren sich Kinder für Waffen, Werkzeuge und Rüstungen, wie man sie einst verwendet und getragen hatte. Zugetragen hatten sich diese Szenen beim Derletalfest, als die Besucher mit Hunden, Kameras und Luftballons durch sein Lager zogen.

Im wahren Leben heißt der Ritter Alexander Simon. Er und seine Frau haben vor fünf Jahren die "Rheinischen Raubritter" gegründet, eine Gruppe von Menschen, die sich der Nachbildung des Spätmittelalters verschrieben haben, genauer gesagt der Zeit um 1310.

"Wir versuchen, Landadel darzustellen", sagt er. Das passe zu Duisdorf. Zur Gruppe zählen inzwischen zwei Ritter - den zweiten hat Simon selber geschlagen - sowie acht Gefolgsleute.

Sie verwenden so viel Zeit wie möglich auf ihr Hobby. "Nach Möglichkeit machen wir alles wie früher", sagt Simon. Kleidung, Mobiliar, Trinkgefäße und dergleichen gestalten sie nach historischen Abbildungen und Beschreibungen, vieles aus dem Codex Manesse, einer berühmten Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Viel Zeit wird auch für Recherchen im Internet aufgewendet. "Das ist ein unwahrscheinlicher Zeitaufwand." Der Keller seiner Wohnung in Duisdorf sei bereits ziemlich vollgestopft mit Sachen für die Mittelalterdarstellung, sagt Simon. Dort befindet sich sozusagen die Zentrale der Raubritter-Gruppe.

"Ich fand es immer schön, auf Mittelaltermärkte zu fahren." Er selbst hatte bei einem Besuch eines Marktes der Veytaler Ritterschaft Feuer gefangen. Schnell konnte er weitere Menschen für die Idee einer eigenen Gruppe begeistern. Inzwischen sind die Raubritter auf vielen Märkten vertreten, so auch seit drei Jahren beim Derletalfest. Im Kastel Schaloen in den Niederlanden sind sie die Hausgruppe, dort treten sie mehrmals im Jahr auf.

Das Konzept der Raubritter unterscheidet sich von dem der Gruppen, denen man nur zuschauen darf: "Bei uns kann der Besucher an den Tisch kommen, mit uns reden und alles anfassen." Dann merkt man, dass die Kettenhemden wirklich aus Metall bestehen und die Helme stabil und schwer sind - und von den Freikämpfen verbeult.

Diese unterscheiden sich von Schaukämpfen insofern, dass sie etwas ruppiger sind und auch schon mal ein Treffer mit den Waffen gelandet wird. Man stellt fest, dass die Wolle, die verarbeitet wird, selbst gefärbt ist, und dass nur nach original mittelalterlichen Rezepten gekocht wird: keine Kartoffeln und Nudeln, dafür sehr gewürzlastig.

Auch auf dem Endenicher Mittelalterfest waren die Raubritter vertreten. Und am 23. November wollen sie bei der Nachstellung der Krönungsfeier Friedrichs des Schönen vor 700 Jahren im Bonner Münster teilnehmen. Kontakt haben sie schon aufgenommen. Dort sei Authentizität gewünscht, sagt Simon. Und damit können die Rheinischen Raubritter dienen.