Gunnar Sohn aus Bonn

Duisdorfer fährt mit E-Bike 3000 Kilometer durch Europa

Gunnar Sohn, seine Stieftochter Katarina und sein Stiefsohn Nikola zeigen das E-Bike, mit dem Sohn auf Europatour fährt.

Gunnar Sohn, seine Stieftochter Katarina und sein Stiefsohn Nikola zeigen das E-Bike, mit dem Sohn auf Europatour fährt.

Duisdorf. Gunnar Sohn bricht an diesem Dienstag zu einer Radtour durch und für Europa auf. Er trägt dabei das Anliegen seiner verstorbenen Frau weiter, die sich für ein vereintes Europa und gegen Nationalismus eingesetzt hatte.

Sie nannten sich die vier Musketiere und hielten immer zusammen, doch dann änderte sich von einem Tag auf den anderen alles: Gunnar Sohn, seine Stieftochter Katarina und sein Stiefsohn Nikola haben dieses Jahr den völlig unerwarteten Verlust der Ehefrau und Mutter verkraften müssen. Als Miliana Sohn plötzlich mitten aus dem Leben gerissen wurde, suchten „die drei verbliebenen Musketiere“ nach Wegen, diesen Schicksalsschlag zu bewältigen. Dabei fasste Gunnar Sohn aus Duisdorf einen Entschluss: „Ich werde das Erbe meiner verstorbenen Frau auf besondere Art fortführen“, sagte er sich.

Miliana Sohn war eine politisch sehr aktive Person, hatte sich mit ihrem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement stets für ein vereintes Europa eingesetzt, an verschiedenen EU-Projekten mitgewirkt und sich gegen Nationalismus und Rechtspopulismus gestemmt. „Sie wurde auch schon mal angegriffen, hat sich aber nie aus der Bahn bringen lassen“, sagt Sohn. Heute bricht der 58-Jährige zu einer einmonatigen Europareise auf. Mit dem E-Bike möchte Gunnar Sohn mehrere Länder bereisen und dabei mit verschiedenen Menschen ins Gespräch über Europa kommen. Inspiriert durch den Kinofilm 25 km/h hat der freiberufliche Wirtschaftsjournalist sein Auto verkauft und sich ein E-Bike angeschafft. „Das fährt tatsächlich nur 25 km/h“, sagt Sohn. Mit leichtem Gepäck – ein kleines Zelt, Isomatte und einige Klamotten müssen ausreichen – wird Gunnar Sohn vier Wochen lang quer durch Europa reisen.

Die selbst ausgearbeitete, rund 3000 Kilometer lange Route wird ihn durch die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz, Italien, Österreich, Tschechien und Polen führen. Gunnar Sohns Ziel: Mit Menschen, die seinen Weg kreuzen, ins Gespräch kommen, über Europa reden und – wie bisher seine Frau – sich für eine bunte, tolerante und offene Gesellschaft einsetzen. „Ich will nicht missionieren, ich möchte nette Gespräche führen. Ich denke, dass dabei sehr erfüllende Begegnungen zustande kommen können“, sagt Sohn.

Auf der gesamten Reise wird der freiberufliche Wirtschaftsjournalist Videotagebuch führen und täglich in Live-Streamings von seinen Reiseerfahrungen berichten. „Einige Freunde werden mich auf der Tour etappenweise begleiten“, freut sich Sohn. Die Abenteuerreise wird für ihn auch eine Art Therapie sein, eine Möglichkeit, aus dem momentan schwierigen Alltag für einige Wochen auszubrechen: „Es ist schwer, wenn man einen Menschen verliert, der einem so wichtig war“, sagt Sohn. Stieftochter Katarina und Stiefsohn Nikola sind von dem Plan, gegen den Rechtsruck in Europa zu radeln und sich für ein vereintes Europa einzusetzen, beeindruckt:

„Die Idee, unsere Mutter weiterleben zu lassen, in dem er dafür einsteht, wofür sie gestanden hat, ist einfach toll“, sagt Katarina. Gemeinsam mit ihrem 23-jährigen Bruder hat die 27-Jährige auf GoFundMe unter dem Motto „Gib Gummi Gunni“ eine Fundraising-Kampagne ins Leben gerufen. 1218 Euro konnten bereits über die Spenden-Plattform gesammelt werden. „Egal, ob ein Euro oder 50 Euro: Es ist schön zu wissen, dass die Leute hinter der Aktion stehen und ihre Anteilnahme zeigen“, sagt Nikola.

Wer Gunnar bei seiner Europatour #FürMiliana unterstützen möchte, kann dies tun via https://www.paypal.me/GunnarSohn oder https://www.gofundme.com/f/gib-gummi-gunni. Das Videotagebuch sehen und die Europa-Radtour verfolgen kann man unter www.fuermiliana.com