Geschäftsidee vom Vater übernommen

Duisdorfer Servat Sengül erfolgreich als Obst- und Gemüsehändler

Geruchsprobe: Bei Obst und Gemüse kennt sich Servet Sengül bestens aus, ist es doch die Grundlage seines Geschäftserfolgs.

Geruchsprobe: Bei Obst und Gemüse kennt sich Servet Sengül bestens aus, ist es doch die Grundlage seines Geschäftserfolgs.

Duisdorf. Servet Sengül hat es als Obst- und Gemüsehändler in Duisdorf zu Wohlstand gebracht. Die Geschäftsidee hatte sein Vater, er und sein Bruder haben sie aufgegriffen und ausgebaut.

Auch Servet Sengül (44) hat einen Traum. Doch der ist bereits durch den Wohlstand geprägt, den der Duisdorfer Obst- und Gemüsehändler sich selber erschaffen hat. Während sein Großvater Musa noch Anfang der 1960er Jahre mit den ersten Gastarbeitern nach Deutschland kam, um für das Nötigste seiner über 30 Autostunden (3128 km) von Duisdorf entfernten Familie in Amasya im Hinterland der Schwarzmeerküste zu arbeiten, hat Servet ganz andere Pläne. Doch dazu später.

„Mein Großvater Musa war einer der ersten Türken, die überhaupt nach Deutschland kamen“, erzählt Servet, dessen Vater seinem Großvater 1969 nach Witterschlick folgte, um ebenfalls bei den damaligen Servais-Werken zu arbeiten, bevor er sich bald darauf selbstständig machte. „Mein Vater musste immer etwas Eigenes machen“, sagt Servet heute.

Er war etwa zehn Jahre alt, da war sein Vater bereits mit eigenem Lkw als Fuhrunternehmer zwischen Rheinland und den Golfstaaten unterwegs. Der Krieg zwischen Irak und Iran beendete 1983 für ihn jedoch das Speditionsgeschäft. Seine neue Geschäftsidee legte dann auch den Grundstein für die Zukunft seiner Söhne Servet und Ümit Ali. 1974 wurde Servet im Malteser-Krankenhaus in Bonn geboren.

Großen Familien- und Freundeskreis in Bonn

In seiner Familie heißt es, er sei das erste türkische Kind gewesen, das dort das Licht der Welt erblickte. Inzwischen lebten nicht nur die Eltern in Witterschlick, sondern viele weitere Familien, die schon der Großvater nach Deutschland geholt hatte. „Es sind bestimmt schon um die 100 Familien, die aus Amasya in Bonn, Alfter, Meckenheim und Umgebung leben“, lacht Servet, der dadurch immer einen großen Freundes- und Familienkreis um sich hatte.

Er erinnert sich an das immer volle Haus seiner Familie. Vor allem als sein Vater den ersten Videorecorder anschaffte und man sich dort traf, um türkische Filme zu sehen. Das Satellitenfernsehen, das türkische Medien omnipräsent werden ließ, gab es noch nicht. Trotz der starken türkischen Community, in der Servet aufwuchs, entschied er sich als 18-Jähriger die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Damit war er ebenfalls – nach eigenen Worten – einer der ersten, die das taten.

„Ich bin hier geboren. Ich bin ja kein Gastarbeiter. Darum wollte ich auch alle Rechte haben“, erinnert er sich. Und nach einer kurzen Pause des Nachdenkens: „Ich liebe Deutschland. Das ist mein Zuhause.“ Dass sich einige seiner Freunde über ihn als „Hans“ lustig machten, störte ihn wenig.

Mit seinen vier in Deutschland geborenen Kindern Gizem (17), Beykan (13), Ümithan (10) und Emircan (6) ist Servet der einzige in seiner Familie, der die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat. Auch sein jüngerer Bruder Ümit Ali, mit dem er bis 2012 gemeinsam alle Ümit-Märkte betrieben hatte, ist türkischer Staatsbürger geblieben. Die Brüder sind durch ihren Vater in das Obst- und Gemüsegeschäft gekommen. Zunächst einige Jahre mit einem kleinen Stand in Koblenz, wo der Vater seinen Gemüsegroßhandel betrieb und seit 1996 in Duisdorf mit dem ersten Ümit-Markt.

Zerwürfnis zwischen den beiden Brüdern

Das Geschäft wuchs ständig. Filialen auf der Kölnstraße und in Troisdorf wurden eröffnet. Was in Duisdorf auf 45 Quadratmetern Am Burgacker begann, vereinnahmt heute die ganze Passage bis hin zur Rochusstraße. Über das Burgweiher-Carré, einem zunächst als Einkaufszentrum geplanten Großbau, kam es 2012 zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden Brüdern. Sie trennten ihre gemeinsamen Geschäfte. Das Vorhaben wurde nach einer langen und kostspieligen Planungsphase „auf Eis gelegt“. Servet spricht nicht gerne darüber. „Da wollten einfach zu viele mitreden“, resümiert er heute. Wer Servet kennenlernt, kann sich gut vorstellen, dass er sich ungern in seine Entscheidungen hineinreden lässt.

Auf die Frage nach der Zukunft des vielversprechenden Carrés, das auf einem Großteil seiner eigenen Grundstücke entstehen sollte und dessen Pläne fertig in der Schublade schlummern, zuckt er nur die Schultern. Nur ein Blitzen in seinen Augen verrät, dass für ihn das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Vor allem auch, weil er sich inzwischen wieder mit seinem Bruder gut versteht.

„In elf Jahren mach ich Schluss“, lenkt er sein Gegenüber erfolgreich vom Thema ab. Dann werde er, der sechs Tage in der Woche noch selber jeden Morgen um zwei Uhr auf dem Kölner Großmarkt einkauft und abends selten vor 21 Uhr in sein Haus nach Vettelhoven fährt und in seinem Leben noch niemals einen längeren Urlaub gemacht hat, mit seiner Frau Sevgi erst einmal auf Weltreise gehen. „Amerika, Brasilien, Thailand - es gibt noch viel zu entdecken“, sagt er und sieht dabei sehr glücklich aus.