Einzigartige Sammlung

Duisdorfer Orgelexperte sucht Bleibe für Musikarchiv

Hans Steinhaus zeigt einen über 250 Jahre alten Kupferstich aus dem Buch des Orgelbaumeisters Dom Bédos.

Hans Steinhaus zeigt einen über 250 Jahre alten Kupferstich aus dem Buch des Orgelbaumeisters Dom Bédos.

Duisdorf. Die Sammlung von Hans Steinhaus über den französischen Orgelbau umfasst auch Folianten aus dem 18. Jahrhundert. Der 84-Jährige besitzt eine einzigartige Bibliothek rund um die Orgel, genauso wie das dazugehörige Archiv mit Kupferstichen und Autographen.

Frankophil, ein Kunstliebhaber und ein Experte für Orgeln, vor allem die französischen, das ist der pensionierte Studiendirektor Hans Steinhaus. Der 84-Jährige besitzt eine einzigartige Bibliothek über Orgelbau, - musik und -spiel, genauso wie das dazugehörige Archiv mit Kupferstichen und Autographen.

Für diese Sammlung von mehreren hundert Bänden sucht er einen würdigen Ort, an dem sein Lebenswerk für die kommenden Generationen von Wert sein kann. „Für einen Euro im Jahr überlasse ich sie als Dauerleihgabe gerne einem sachkundigen Archiv oder einer Universität“, lässt Steinhaus wissen, während er vorsichtig einen Folianten aus dem Jahr 1766 öffnet, in dem der Benediktinermönch François Lamathe Dom Bédos (1709–1779) die „Kunst des Orgelbaus“ beschreibt.

Dieses Buch gehört wie viele andere zu den Schätzen seiner Sammlung und führte dazu, dass Steinhaus 2001 mit „Wege zu Dom Bédos“ eine erste Monografie über den französischen Mönch und Orgelbauer schrieb, dessen Erkenntnisse und Wissen bis heute relevant sind.

Lehrer für Deutsch und Musik

Als Steinhaus 1962 an das Duisdorfer Helmholtz-Gymnasium kam, um dort bis 1998 Deutsch und Musik zu unterrichten, konnte er noch kein Wort Französisch sprechen. Heute erreichen ihn Mails aus Frankreich, in denen er gebeten wird, Orgeln unbekannter Herkunft zu verifizieren. Sein eigenes Orgelspiel und das Interesse, „der Sache auf den Grund zu gehen“, hat ihn in Jahrzehnten zu einem Experten für die französische Orgelbau- und -spielkunst gemacht.

Vielleicht komme die Nähe zu Frankreich über seinen Vater, der im Ersten Weltkrieg in Frankreich eingesetzt war, überlegt Steinhaus. Oder durch seinen älteren Bruder, der im Zweiten Weltkrieg in Frankreich zu Tode kam. Wirklich erklären kann sich Steinhaus die Liebe nicht, die er zu Frankreichs Musik und Literatur entwickelte. Er verehrt Camus und Voltaire, liebt die Verbindung von Philosophie und Literatur. Über Marcel Dupré und Dom Bédos kam er zur französischen Orgelmusik.

„Dabei habe ich mich beispielsweise nie für unsere Partnerschaft zu Villemomble engagiert“, gibt der frankophile Kunstliebhaber und ehemalige Lehrer des bilingualen Duisdorfer Gymnasiums zu. „Das Offizielle“ sei nie sein Ding gewesen. Er habe jedoch immer den Anspruch gehabt, eine deutsch-französische Freundschaft im praktischen Handeln zu leben. Unzählige Orte und Kirchen hat er im Nachbarland besucht. In weit über hundert Veröffentlichungen, in Vorträgen und Seminaren hat er über Geschichte, Bau, Musik und Spiel von Orgeln geschrieben und gesprochen. Viele Jahre hatte er zudem die Leitung des Kirchenchors von Sankt Augustinus in Duisdorf inne, wo er auch Mitglied des Pfarrgemeinderats war.

Kapelle des Sankt Elisabeth-Krankenhauses

Als Organist bespielte er bis zur Aufhebung des Klosters die Orgel der Benediktinerinnen in Endenich und die Orgel in der Kapelle des Sankt Elisabeth-Krankenhauses. Und immer schon war er auch Berater in Sachen Orgelbau. Dabei bildete sich bei ihm immer mehr der Schwerpunkt heraus, das Verhältnis zwischen deutscher und französischer Klangkultur herauszuarbeiten. Es wurde für ihn zu einem Anliegen, die Klanggestalt der französischen Orgel in Barock, Romantik und früher Moderne in Deutschland bekannt zu machen.

Während die deutschen Orgeln meist aus verschiedenen Teilwerken wie Haupt-, Positiv- oder Schwellwerk bestünden, sei das bei den französischen Instrumenten dieser Zeit nicht mehr von außen ablesbar gewesen. „Mit der unterschiedlichen Architektur der Orgeln ändert sich auch deren Klanggestalt“, so Steinhaus, der die französische Orgel im Gegensatz zur deutschen als „schematisch aufgebaut“ bezeichnet. Die klangliche und technische Vielfalt eines Orgelbaus in Deutschland habe sich in Frankreich alleine schon durch deren Zentralismus nicht entwickeln können. Während deutsche Orgeln in den verschiedenen Landschaften ihren eigenen Klang entwickelten, habe es in Frankreich nur die Pariser Version gegeben. „Alles andere war ja provinziell“, sagt Steinhaus und erklärt, dass die Orgel in Frankreich im Barock meist nur für kurze liturgische Kompositionen Einsatz fand. Das änderte sich im Laufe der Zeit, so dass es inzwischen auch Orgeln nach französischem Vorbild in Deutschland gibt. Ein Beispiel dafür sei die Oberlinger Orgel in der Beueler Sankt Josef-Kirche.

Ausgezeichnet mit „Pro Ecclesia et Pontifice“

Bei der Planung der Klais-Orgel in Sankt Augustinus war auch Steinhaus beteiligt. Im Jahr 2004 erhielt Steinhaus in Frankreich das Ehrenkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ (lat. „Für Kirche und Papst“). Es ist die päpstliche Auszeichnung für besondere Verdienste um die Anliegen der Kirche und des Papstes.

Nur in seiner Wahlheimat Duisdorf hatte man seine Mitarbeit an Planung und Bau der Orgel abgelehnt. Im Evangelium Matthäus heißt es, „ein Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterland“, das hat ihm über manch einen Ärger hinweggeholfen, seine profunden Kenntnisse bei der Planung und dem Bau der neuen Orgel für seine Heimatkirche Sankt Rochus nicht zum Einsatz gebracht zu haben. Eine alte Geschichte, die letztlich wohl darauf zurückzuführen sein kann, dass der damalige Pfarrer Benno Leiverkus das Steinhaus'sche Willkommensschreiben zu seinem Amtsantritt in der Rochus-Gemeinde (1982) falsch interpretiert hatte.

Aber noch heute ärgert Steinhaus das „unausgereifte Gesamtkonzept“ der Sankt Rochus-Orgel. Zahlreiche Orgeln aus der Hellenthaler Werkstatt Weimbs entsprächen „den architektonischen und raumakustischen Vorgaben in weitaus überzeugenderer Weise“, findet er. Ganz anders verfährt er mit den Themen Bau, Musik und Spiel des sakralen Pfeifeninstruments in Duisdorf: „Da kann mich jederzeit jedermann gerne drauf ansprechen.“