Traditionsbetrieb an der Rochusstraße

Duisdorfer Juweliergeschäft besteht seit 62 Jahren

Wolfgang Brandt bei der Revision einer Taschenuhr.

Wolfgang Brandt bei der Revision einer Taschenuhr.

Duisdorf. Wolfgang Brandt hat das Juweliergeschäft seiner Eltern übernommen, das seit 1956 in der Duisdorfer Rochusstraße besteht. Große Sorgen um die Zukunft macht er sich nicht.

„Wert und Zeit“ ist auf der Visitenkarte von Wolfgang Brandt zu lesen, der 1980 als Geselle in das elterliche Juweliergeschäft in der Rochusstraße 166 kam. Zwei Jahre später konnte auch er seinen Meisterbrief zum Uhrmacher an die Wand hängen. „Wir sind ja mit dem Handwerk groß geworden“, erzählt der heute 60-Jährige und vermittelt für einen Moment den Eindruck, als könnte das auch heute noch ein Grund dafür sein, den Beruf der Eltern zu erlernen und bestenfalls damit das Familiengeschäft weiterzuführen.

Schon seine beiden Töchter sind ein Beweis für das Gegenteil. Germanistin die eine und im Schuldienst die andere. Warum sich sein heute 91-jähriger Vater damals entschloss, Uhrmacher zu werden, konnte Brandt junior nicht erklären. Aber es muss damals schon bei dem Vater etwas Ähnliches gewesen sein, wie das, was der Sohn heute als Maxime mit Wert und Zeit ausdrückt.

„Es ist ein sehr zufriedenstellendes Gefühl“, sagt er, „wenn ein defektes Stück ins Haus kommt und man kann es mit seinem Wissen und seinen Händen wieder in Gang setzen.“ Doch diese befriedigende Arbeit ist immer weniger gefragt. Auch bei den Uhren ist die Zeit nicht stehen geblieben. Sie ticken seit Beginn der 1970er Jahre anders. Durch Mikroelektronik konnte man nun Quarzuhren für den Massenmarkt bauen.

Freude an der hohen Präzision

Diese Uhren waren plötzlich nicht nur billiger als herkömmliche mechanische Zeitmesser, sondern sogar deutlich genauer und bis auf einen Batteriewechsel weitgehend wartungsfrei. Nur noch Liebhaber des Guten und Schönen legten seitdem Wert auf mechanische Uhren, deren Anspruch nur wenige Sekunden von der Genauigkeit einer einfachen Quarzuhr abzuweichen, nur mit erheblicher Uhrmacherkunst und den damit verbundenen Kosten möglich ist.

Die Freude an der hohen Präzision und der komplexen Funktionalität mancher Chronometer, die durchaus für einen fünfstelligen Euro-Betrag den Besitzer wechseln können, machen letztlich jedoch die Faszination für das Handwerk aus, das man eher als ein Pinzetten- und Lupenwerk bezeichnen könnte, da mit Hand und Fingern alleine in den Uhrwerken nicht viel zu machen ist. Noch weit vor dieser „Neuzeit“ eröffneten Hans und Therese Brandt 1956 ihr Geschäft zwischen dem damaligen Stüssgen und Farben Heinrich. Nach fünf Jahren wurden Laden und Werkstatt im oberen Teil der Rochusstraße zu klein und Brandts zogen in den unteren Teil neben Blumen Brünker um.

1966 konnte man dann in das eigene Haus umziehen, in dem heute nach umfangreichen Modernisierungen auch Wolfgang Brandt zusammen mit Marion Mewes und Marion Montenarh im Verkaufsraum zwischen zahlreichen Vitrinen mit Uhren und Schmuck und Goldschmied Jörg Günther in der Werkstatt anzutreffen sind.

Brandt ist mit seinem Angebot und den noch nicht ganz spruchreifen Zukunftsplänen am „Puls der Zeit“. Dass es immer schwieriger wird, Nachwuchs zu finden und auszubilden, raubt ihm nicht die Freude an seiner Arbeit, dessen Ende er noch lange nicht gekommen sieht.