Wohnen am Brüser Berg

Die Nachteile des autofreien Wohnens

Brüser Berg. Die weitläufige Wohnanlage an der Borsigallee 9 bis 12 ist schön ruhig. Schranken sorgen dafür, dass die Bewohner nicht in den grünen Innennhof des Areals fahren können. Das hat aber zur Folge, dass die Wohnungen nur zu schwer zu beliefern sind.

Autofreies Wohnen war lange Zeit der perfekte Traum eines jeden Stadtplaners. Abgeschlossene Wohnblocks, ruhig gelegen und trotzdem zentral, mit guter Busanbindung und einer sehr hohen Lebensqualität durch viel Grün vor der Haustür sind nur einige Stichworte dieses Konzepts. Und wenn Autos nötig sind, sollten sie in Tiefgaragen verschwinden.

Auch in Bonn sind solche Wohnideen umgesetzt wurden, zum Beispiel auf dem Brüser Berg. Aber die Bewohner werden älter, und damit wachsen die Schwierigkeiten, wie man an der Wohnanlage an der Borsigallee 9 bis 21 sieht. Hier fangen die praktischen Probleme schon an, wenn der Wocheneinkauf erledigt werden muss, wie Erika Schmidt dem GA jetzt demonstrierte.

So verhindern normalerweise zwei Schranken, dass andere Bewohner als die Hausmeister die Fußwege des grünen Innenhofs befahren, der gleich an die Fußgängerzone der Borsigallee grenzt. Aber selbst wenn das möglich wäre: Schließt man die Haustür auf, dann müssen sieben Treppenstufen überwunden werden, um zum Aufzug zu gelangen.

„Hier wohnen sehr viele ältere Leute, die das nicht mehr schaffen“, sagt Erika Schmidt. Ihre über 80-jährige Mutter etwa, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Und dann der nächste Ärger: „Neulich ist der Pflegefahrdienst durch die offen stehende Schranke hier in die Anlage gefahren, um meine Mutter einzuladen“, berichtet die Frau. Aber der Hausmeister habe dem Fahrzeug die Schranke vor der Nase geschlossen. Der Pflegefahrdienst saß erst einmal fest.

Variante zwei, und diesmal ganz legal: Es gibt eine ziemlich große Tiefgarage: Aber um diese von der Wohnung aus zu erreichen, führt der Weg 30 Meter durch die Keller zweier Häuser, dann geht es 14 Stufen nach unten, einen weiteren Korridor entlang und noch einmal vier Stufen hinab. Und dann noch einmal rund 100 Meter durch die Tiefgarage, bis zum zugewiesenen Stellplatz.

„Wie soll jemand seine Einkäufe oder ein Möbelstück über diesen langen Weg mit den Treppen und den vielen Kellertüren transportieren“, fragt die Bewohnerin. Sie jedenfalls schaffe das nicht. Bei Beschwerden werde man rüde darauf hingewiesen, dass das eben so sei.

Die Wohnungsverwaltung aus Essen, die die Immobilie verwaltet, verweist auf die Regelungen der Eigentümergemeinschaft. Diese, bestehend zur Hälfte aus einer Fondgesellschaft und zur anderen Hälfte aus Einzeleigentümern, die zumeist auch dort wohnen, hätten sich seinerzeit in der Teilungserklärung darauf geeinigt, dass der Innenhof nicht befahren werden soll, berichtet Sarah Kortmann von der Verwaltung. „Und das wusste Frau Schmidt, als sie vor ein paar Monaten hierhin gezogen ist.“ Im vorigen Jahr sei der Schlüssel oft rausgegeben worden, die Folge sei ein zugeparkter Innenhof gewesen. Deshalb geht man jetzt offenbar rigoroser vor. Das Schloss an der Schranke ist häufiger zu als früher.

Allerdings will die Verwaltung in berechtigten Fällen die Zufahrt gewähren, so Kortmann. Natürlich bestehe bei größeren Lieferungen oder einem Umzug immer die Möglichkeit, bis vor die Haustür vorzufahren, wenn man das rechtzeitig bei den Hausmeistern anmelde. „Ansonsten aber ist an der Situation generell nichts zu verändern.“

Angeschaut hat sich die Situation auch CDU-Bezirksfraktionschef Wolfgang Esser. „Das ist zwar in erster Linie eine privatrechtliche Sache“, sagt er. „Aber ich will mit der Verwaltung Kontakt aufnehmen und appellieren, den Zugang freizugeben, damit wenigstens der Pflegedienst in die Wohnanlage hineinkommt.“

Auch Esser sieht das generelle Problem mit solchen autofreien Wohnquartieren. „Auf dem Brüser Berg wurde einerseits versucht, alles mobilitätsgerecht zu machen“, weiß er aus Erfahrung. „Aber die Folge sind andererseits dann auch lange Wege, die dann anfallen.“