Leiter der evangelischen Migrationsarbeit, Hidir Celik

Den Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen

Gute Integration hilft allen, sagt Hidir Celik in seinem Vortrag im Gemeindezentrum. FOTO: MÜLLER

DUISDORF. Afrika, Syrien, Pakistan oder Afghanistan - mehr als 50 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Hunger, Krieg, Naturkatastrophen, Vertreibung, Ausgrenzung wegen ihrer Religion oder der Wunsch nach einem besseren Leben treibt sie fort, weg von ihren Familien. Für eine ungewisse Zukunft geben sie ihr bisheriges Leben auf. "Wir müssen ihnen auf Augenhöhe begegnen", forderte Hidir Celik, Leiter der evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn.

Er war zu Gast beim Bonner Ortsverband des Deutschen Evangelischen Frauenbundes. Im Duisdorfer Matthäi-Gemeindezentrum wurde er von Evelyn Bischoff begrüßt und referierte zum Thema "Flüchtlingsarbeit in Bonn - Wege zum guten nachbarschaftlichen Zusammenleben."

Celik weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut, worüber er redet: Vor fast 34 Jahren kann er aus der Türkei zum Studium nach Deutschland. Integration war damals kein Thema, vielmehr war es ganz selbstverständlich, dass ihm seine Kommilitonen bei Problemen halfen. "Heute fühle ich mich als Deutscher", erzählte er in Duisdorf. Das liege allerdings auch daran, dass er damals freundlich "und auf Augenhöhe" aufgenommen worden ist. Und genau dieses Gefühl solle man den Flüchtlingen, die jetzt in der Region ankommen, vermitteln. Ganz wichtig sind für ihn die Sprachkurse. "Nur wenn ich die Sprache des Gastlandes spreche, fühle ich mich auch zu Hause und bin nicht länger ein Fremder", so Celik.

Dabei gibt es für ihn viele positive Beispiele in Bonn, wie sich die Bürger ehrenamtlich bei der Integration der Flüchtlinge engagieren. "In Beuel und gerade auch hier auf dem Brüser Berg gibt es Initiativen, die Einzigartiges leisten. Flüchtlinge bauchen nicht nur Geld zum Überleben. Sondern sie brauchen vielmehr auch den Kontakt zu den neuen Mitmenschen, um sich angenommen zu fühlen."

Eine gute Integration hilft seiner Ansicht nach allerdings nicht allein denjenigen, die sich hierzulande ein neues Leben aufbauen wollen. "Wenn wir den demografischen Wandel in Deutschland betrachten, dann ist die ganze Gesellschaft auf diese Menschen angewiesen", resümierte der Leiter der evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit.

Wütend machen ihn allerdings die Berichte über die Misshandlung von Menschen in Flüchtlingsunterkünften durch das dortige Sicherheitspersonal. "Das ist nicht nur für die Betroffenen eine Katastrophe, sondern für das ganze Land. Wir dürfen nicht zulassen, dass durch solche Ereignisse das Bild Deutschlands im Ausland beschädigt wird." Zum Schluss appellierte er: "Nehmen wir die Flüchtlinge herzlich auf und empfangen wir sie so, wie wir in einem neuen Land begrüßt werden möchten."